Marketing -

WhatsApp-Kolumne von Michael Elbs, 5. Folge Wie wird WhatsApp weltweit genutzt?

WhatsApp ist weltweit vertreten. Doch in welchem Maß wird der Messenger-Dienst in anderen Ländern und Kulturen genutzt? Könnte Indien zum Beispiel ein Vorbild für Europa werden? Entdecken Sie das Potential von WhatsApp.

Themenseite: WhatsApp-Kolumne von Michael Elbs
KLM betreut Kunden via WhatsApp

Sommerzeit - Urlaubszeit: Die beste Chance einen Blick darauf zu werfen, wie WhatsApp weltweit genutzt wird und was uns vielleicht in naher Zukunft bereits erwarten könnte. Mittlerweile begleitet uns WhatsApp schon bei der Kundenbetreuung von großen Airlines. Bei hochsommerlichen Temperaturen startet die WhatsApp-Reise mit KLM Airlines.

Eine Airline die mit der Zeit und den Kundenbedürfnissen geht: Bereits beim Buchen des Fluges werde ich gefragt, ob ich WhatsApp nutzen möchte. Selbstverständlich. So findet ab der Buchung alles in WhatsApp statt. Mit einem Klick gebe ich die Einwilligung und schon poppt eine Nachricht auf dem Display auf: „Herzlich Willkommen an Bord der KLM Airlines No1, ich bin Ihre virtuelle Stewardess. Für Fragen oder Änderungswünsche stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung. Ich Erinnere Sie an die Abflugzeiten und leite den Weg.“ Ein Service, den in Zukunft wahrscheinlich mehrere Fluggesellschaften zurück greifen werden.

Wie wichtig ist WhatsApp in Spanien?

In Spanien finden sich prozentual gesehen die meisten WhatsApp-Nutzer. T atsächlich hat nahezu jeder spanische Smartphone-Nutzer den Messenger mit der charakteristischen, grünen Sprechblase installiert, wobei er bei mehr als der Hälfte sogar täglich zum Einsatz kommt. Wie lässt sich das ganze mit dem Handwerk vereinen? Handwerker aus Mallorca berichten, dass sie jeden Tag hunderte WhatsApp-Messages von Kunden erhalten, weshalb sie den Messenger allzu oft verfluchten. Doch seit der Einführung von Whatsapp Business und Chat-Bots lösen sich diese Probleme im Zuge der technischen Weiterentwicklungen nach und nach in Luft auf.

Letztes Jahr hatte mir ein Handwerker einen Chat gezeigt, in dem ein Kunde 30 Sprachnachrichten nacheinander versendet hatte. Eine Problematik, die sich mittlerweile gebessert haben dürfte, seit man bereits Gesendetes wieder löschen kann. Die Handwerker, die dennoch viel zu viele Sprachnachrichten erhalten, können diese mit der App "textr" ausschreiben lassen.

Kurze Info am Rande: In Italien wird angeblich weltweit am häufigsten das Bananen-Emoji verwendet.

Spam-Nachrichten in WhatsApp

Egal in welchem Land man sich gerade befindet, weitergeleitete Massen-Nachrichten nach dem Motto: "Wenn du diese Nachricht nicht weitersendest, wird ein Sack Reis in China umfallen." gibt es einfach überall. Diese können mal ganz amüsant und nett sein, aber für die Zukunft betrachtet, können diese auch Risiken birgen.

In der neuesten Version von WhatsApp werden solche Fake-Nachrichten markiert, ähnlich wie Spam-Nachrichten im Mail-Postfach. WhatsApp hat in diese Funktion in der Beta-Version bereits getestet und so werden oft weitergeleitete Nachrichten mit Link als Spam gekennzeichnet. Eventuell macht digitales Mitlesen doch Sinn?

Indien gilt als das WhatsApp-Land schlecht hin

Die indischen Nutzerzahlen von WhatsApp können sich sehen lassen: Mehr als 1,3 Milliarden Nutzer. Doch nicht nur die Massen an Indern, die per Whatsapp kommunizieren, sondern vielmehr Indiens Rolle als „Versuchskaninchen“ für Pilotprojekte des Messengers , machen das Land zu einem der wichtigsten Stützen der App. So startete im Februar, nachdem Whatsapp zwei indische Banken aufgekauft hatte, der langersehnte, aber auch häufig kritisierte, Mobile-Banking-Service  „Whatsapp Payment“, der es den Indern seit Anfang 2018 ermöglicht, Geldbeträge in Whatsapp zu übersenden.

Das mobile Bezahlen ist ein großes, neues digitales Thema, das früher oder später die Welt verändern wird. Noch in diesem Jahr möchte Apple seine Lösung ausrollen und auch Google Wallet steht in den Startlöchern. Weltweit finden juristische und technische Veränderungen statt, um das Bezahlen einfacher und mobiler zu machen. In Deutschland sehen allerdindings die Banken darin Gefahren für eines Ihrer Geschäftsfelder.

Mehr als 50% der WhatsApp Nutzer in Indien bezahlen Einkäufe etc. bereits mit WhatsApp. Die indischen Handwerker erhalten ihren Lohn für die Leistungen und Beratungen, nicht mehr wie in alten Zeiten in Form von Münzen oder alternativ einer klassischen Überweisung, sondern digital über Whatsapp Payment. Auch Whatsapp Enterprise modernisiert hier einige Betriebe. So testen große Firmen, wie Swiggy den Service bereits, um dadurch einen schnelleren und zweckmäßigeren Kundenkontakt zu ermöglichen.

In China ist WhatsApp nicht nutzbar - dafür aber das Programm"WeChat". Mit dieser App ist es selbstverstänlich Tomaten auf dem Markt mittels QR-Code oder ein Auto mit dem Messenger zu bezahlen. Und das seit Jahren.

Amerikas WhatsApp-Nutzung hält sich in Grenzen


Wer in den USA versuchen sollte, seine alten Freunde via WhatsApp zu erreichen - Fehlanzeige. Nordamerika, das Mutterland des Messengers, ist ebenfalls nahezu WhatsApp frei. Dass „die Amis“ kaum eine SMS nutzen und sofort den Messenger von Zuckerberg einsetzen , liegt hier allerdings an der Verfügbarkeit und dem zeitgleichen Aufstieg Facebooks. Mal schauen wie es weitergeht. Ein US-amerikanisches Gesetz, der CLOUD Act, führt dazu, dass seit März 2018 nun auch auf gespeicherte Daten zugegriffen werden kann, wenn diese im Ausland gespeichert werden. Das bedeutet, theoretisch könnte Präsident Trump lesen, was wir in WhatsApp schreiben.

Im Gegensatz zu den eher WhatsApp-fremden US-Amerikanern, wird man in Brasilien oftmals mit Serienpostings in Whatsapp überflutet. Teilweise bekommt man über WhatsApp gezielt Werbung aufs Handy, wenn man sich in bestimmten Gegenden bzw. Läden befindet. Eine Möglichkeit potentielle Kunden mit Werbung zu ködern, die auf die Interessen der Nutzer abgestimmt ist. Woher die Marketingfirmen unsere Nummern haben? Die Brasilianer entwickelten Tools, um Kunden in Serienpostings „anzuwhatsappen", indem  Handynummern von Adressverkäufern qualifiziert und an Händler verkauft werden, die versuchen so Ihre Produkte an den Mann zu bringen.

Dennoch steht WhatsApp, als Tochterfirma Facebooks, vor allem von Seiten der Regierung, aufgrund der Weigerungen Nachrichten abzufangen, häufig in der Kritik. Dies führte 2016 sogar dazu, dass WhatsApp in einem Zeitraum von nur acht Monaten drei mal blockiert wurde – allerdings zählte das Interesse der Millionen an Nutzern im Endeffekt wohl doch noch und das Urteil wurde revidiert.

Wie geht es mit WhatsApp im Handwerk weiter?

Die kleine Reise durch die WhatsApp-Welt wendet hier. In der nächsten Kolumne geht es spezifischer um Messenger im deutschen Handwerk und die DSGVO. Die Daumenschrauben für Facebook in Europa sollen noch weiter angezogen werden und WhatsApp hat wieder Veränderungen in den AGBs und weitere Updates angedeutet. Es bleibt also spannend rund um den Messenger WhatsApp.

Übrigens: Eine laufende Umfrage unter Handwerkern zeigt bereits das 13% WhatsApp deaktiviert haben, 10% es nie genutzt haben, bereits 25% holen sich die Zustimmung vom Kunden und 31% sind unentschlossen. Während die fehlenden 21% WhatsApp rein privat nutzen. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass WhatsApp im Handwerk weiter stark genutzt wird. Endgültige Ergebnisse dann im September.



© handwerk-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen