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Transformation Digitale Prozesse: So stärken sie das Kerngeschäft

Seit der Corona-Krise steigt die Internetnutzung der Konsumenten rasant an. Fürs Handwerk bedeutet das: Die Betriebe müssen ihre Ziele und Wünsche definieren - und mit digitalen Tools erreichen. Mit dieser Strategie begeistern ein Bäcker und eine Metzgerei aus Oberfranken ihre Mitarbeiter und Kunden.

Die anstrengende Nachtarbeit streichen - und stattdessen mehr Zeit für die Dinge haben, die allen Mitarbeitern wirklich Spaß machen: So stand es auf der Wunschliste von Andreas und Florian Fickenscher, die die gleichnamige Bäckerei betreiben. Und sie haben es geschafft - durch eine neue digitale Gesamtstrategie. Dazu zählen automatisierte Maschinen fürs Backen, für die Kasse und die Warenwirtschaft, aber auch Cloudlösungen, über die Mitarbeiter sich austauschen können. "Wir sehen unsere Backstube als Herzstück unseres Unternehmens. Daher haben wir versucht alles zu automatisieren und zu digitalisieren, damit wir uns wieder auf unsere Kernkompetenz, dem leidenschaftlichen Backen, konzentrieren können", sagen die Bäckereimeister.

Mit der Transformation ihres Betriebs geht das Backhaus Fickenscher im oberfränkischen Münchberg mit gutem Beispiel voran. "Das Handwerk kann von der Digitalisierung stark profitieren", bestätigt Oliver Eismann im Webinar "So finden Sie Ihr digitales Geschäftsmodell", das vom handwerk magazin und dem Medienpartner Deutsche Handwerks Zeitung veranstaltet wurde. Eismann ist stellvertretender Projektleiter im Kompetenzzentrum Digitales Handwerk bei der Handwerkskammer für Oberfranken und verweist auf eine Studie von Bitkom und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Danach gaben - noch vor der Corona-Krise - 54 Prozent der Handwerkbetriebe an, dass die Digitalisierung ihre Existenz sichert.

Die Datenschätze stehen im Keller

Der Kunde wird schließlich immer digitaler, die Pandemie hat diesen Trend rasant beschleunigt: Laut einer Studie der Agentur We Are Social sagen 76 Prozent der weltweit befragten Internet-Nutzer zwischen 16 und 64 Jahren, dass sie mehr Zeit mit ihrem Smartphone verbringen als vorher. Ähnlich ist es mit dem Laptop, das von 45 Prozent der User öfter genutzt wird. "Dieser Trend wird sich nicht mehr schlagartig zurückentwickeln - im Gegenteil", sagt Eismann, der Kraftfahrzeugtechnikermeister gelernt und später Informatikbetriebswirt studiert hat. "Wir erleben derzeit den größten Strukturwandel seit der industriellen Revolution", sagt er. "Von der Agrar- über die Industrie- bewegen wir uns auf die Datenwirtschaft zu." Maschinen und Kunden produzieren täglich jede Menge Daten. Diese stehen meist im Keller säuberlich gebündelt, aber nicht beachtet in Leitzordnern im Keller rum, beobachtet Eismann. "Dort können sie wenig Nutzen entfalten." Um die Datenschätze zu heben müssen Betriebe Wege finden, ihre Daten für sich arbeiten zu lassen - denn dabei geht es bei der Digitalisierung.

Die Bäckerei Fickenscher hat gezeigt, wie sie durch die Analyse und Transformation ihrer Prozesse ihre Wünsche wahr gemacht hat. Genauso rät Eismann auch anderen Betrieben bei der Transformation vorzugehen. Als die fünf wichtigsten Vorteile nennen die Handwerker - so bescheinigt es die Studie von Bitkom und ZDH - Zeitersparnis, eine optimierte Lagerung und Logistik, flexible Arbeitszeitorganisation, gleichbleibende Qualität sowie eine höhere Sichtbarkeit bei Kunden.

Letzteres hat die Metzgerei Max aus Hof erreicht. Um seinen regionalen Kundenstamm zu erweitern hat der Betrieb eine virtuelle Tresen im Web gestartet. Der Umsatz kletterte so weit nach oben, dass der Metzger sogar zwei zusätzliche Mitarbeiter eingestellt hat, die sich nur um den Online-Shop kümmern. Dazu zählt es auch sich mit den Kunden über die sozialen Medien wie Facebook und Instagram auszutauschen. Das intensiviert die Kundenbindung. Mittlerweile ist der Laden im Internet zu einem zentralen überregionalen Vertriebskanal geworden: Pro Jahr gehen etwa 100.000 Gläser Brühe über den virtuellen Tresen.

Betriebe müssen sich zwei elementare Fragen stellen

Nachmachen lassen sich diese Beispiele von den Betrieben Fickenschwer und Max natürlich nicht. Das ist die schlechte und zugleich gute Nachricht: Für jeden Betrieb gibt es einen eigenen Weg. Wie sich dieser finden lässt, erklärt Eismann am 30. Juni. Im Vertiefungswebinar stellt er dazu zwei Tools vor, auf die Handwerker zurückgreifen können: Das Handwerkerhaus als Anforderungskatalog, um analoge Prozesse zu analysieren, und das Business Modell Canvas. Es eignet sich dafür alte Geschäftsmodelle zu überprüfen oder neue aufzusetzen. Teilnehmer können sich auf das 50-minütige Webinar vorbereiten, in dem sie sich zwei elementare Fragen stellen:

  1. Was kann ich tun, um die nächsten Monate oder Jahre zu überleben?
  2. Wie verändern sich die Gewohnheiten meiner Kunden und meiner Märkte - und was bedeutet das für mein Geschäft, meine Produkte und meine Ziele?
Hier geht´s zur Anmeldung: https://hm-seminare.holzmann-medien-events.de/digitalisierungsoffensive/

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