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WhatsApp Kolumne von Michael Elbs, 2. Folge WhatsApp und die DSGVO – Ein Rückblick aus der Zukunft

WhatsApp in Deutschland – Was ist WhatsApp, was sagt die Kristallkugel über WhatsApp und brauchen wir überhaupt WhatsApp im Handwerk? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich unserer Kolumnist Michael Elbs im 2. Teil seiner Kolumne.

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Stellen Sie sich vor, unser Kolumnist Michael Elbs ist für Sie bereits in der Zukunft im Jahr 2019 und blickt zurück. Zurück auf den 25. Mai 2018 – ein Tag vor dem viele Handwerker und Unternehmer großen Respekt haben, da an diesem Tag die Übergangsfrist der DSGVO endet ...

Die DSGVO im Jahr 2019 – mit Michael Elbs "zurück in die Zukunft"

Die DSGVO, eine Verordnung ursprünglich vom 25. Mai 2016, hatte das Handwerk als „DSGVO-Gespenst“ überrascht, erschreckt und vor allem verunsichert. Die Verordnung, mit insgesamt 99 Artikeln, welche bis zum 25. Mai 2018 in ein nationales Gesetz umgesetzt werden sollte, war eine Herkulessaufgabe für Behörden, Verbände und Juristen. Viele Details und vor allem die tatsächliche Gefahr für einen Handwerksbetrieb, konnten nicht abgeschätzt werden. Im Mai 2018 waren Notfallpakete, DSGVO Siegel für die Website und Datenschutzbeauftragte sehnsüchtig erwartet worden oder bereits ausverkauft. Aber jetzt mal von vorne, was hat das mit WhatsApp zu tun und was ist bisher eigentlich passiert?

Die Zeitachse zu WhastApp und der DSGVO

2009
WhatsApp-Gründung von Brain Acton und Jan Koum

2014 
Facebook kauft WhatsApp für 19 Milliarden Dollar -  Bedingung der Gründer: Keine Werbung, Spiele und Schnickschnack

2016
 
25. Mai 2016: DSGVO tritt mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren in Kraft

2017
18. Mai 2017: Es wurde bekannt, dass die EU-Kommission Facebook aufgrund irreführender Angaben bei der Übernahme des Kurznachrichtendienstes WhatsApp, mit einer Summe von 110 Mio. Euro bestraft hatte. Seither werden für deutsche Nummern angeblich keine Daten mehr von WhatsApp an Facebook weitergegeben.

2017
September: Brain Acton verlässt Facebook und investiert 50 Millionen Dollar in die Signal Stiftung, um eventuell ein sicheres Messenger Protokoll bereitstellen zu können.

2017
Österreich und Deutschland setzen als erste Länder die DSGVO in Nationales Recht um.

2018
Januar: WhatsApp Business ist überraschenderweise in Deutschland gratis für Android erhältlich. Zielgruppe sind KMUs auf der ganzen Welt. Die App soll eine 1:1 Kundenkommunikation sowie Bezahlungen unterstützen.

2018
März: WhatsApp ist in das „Privacy Shield“ der USA eingetragen und somit ist laut Art. 45 die Übermittlung in die USA zulässig.


2018 
Mai: Jan Koum verlässt nun auch den Facebook-Konzern, weil es Differenzen zum Datenschutz gibt. Nur einen Tag später kündigt WhatsApp Werbung im Messenger an.

2018  
April:
Cambridge Analytica Data Scandal (Facebookskandal)

2018
Mai: In Deutschland setzten sich Frau Merkel und Herr Seehofer angeblich mal eine Woche vor dem 25. Mai 2018, zusammen um die Lage zu besprechen. Im Gesetzestext §34 2.2 ist am 13. Mai 2018 über das Bußgeld zu lesen: „Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro geahndet werden.“

2018
15. Mai 2018: EU Kommission tagt zur Situation und zum Umsetzungsbericht der DSGVO in den Ländern.

Ein hypothetischer WhatsApp-Blick in die DSGVO-Kristallkugel

Wie könnte es wohl weitergehen mit der DSGVO und welche Konsequenzen entwickeln sich aus dieser Verordnung? Ein Ausblick auf die Zukunft mit und rund um die DSGVO:

24. Mai 2018
- WhatsApp Business Pressemitteilung: Änderung der AGB und ADV Bereitstellung
- Speicherung der WhatsApp-Daten,
- Dateien, Chats und Metadaten werden ausschließlich nach DSGVO auf Europäischen Servern in Irland und ohne jeglichen Zugriff von Partnerprodukten des Facebook-Konzerns verarbeitet.

Juli 2018
Durch die Nutzung von WhatsApp kann kontrolliert werden, ob die eigenen WhatsApp-Kontakte die App noch installiert haben.

Sep. 2018
WhatsApp-Nutzer können an Unternehmen, welche über WhatsApp Business mit Kunden kommunizieren, Geld senden.

Dez. 2018
WhatsApp Business ermöglicht es, zielgruppengerichtet Werbeeinblendungen im Status von WhatsApp zu platzieren.

Jan. 2019
Facebook bezahlt erstmalig, die laut DSGVO angelegte Strafe von 20 Millionen Euro, da 4 Prozent des Umsatzes lediglich ca. 4 Millionen Euro gewesen wären. Facebook kündigt weitere Verbesserungen an.

25. Mai 2019
80 Prozent der Handwerker haben begonnen, die DSGVO ernst zu nehmen und haben ein eigenes Datenschutzkonzept. Datenschutzbeauftragte sind rar und die Regierung überlegt die DSB Audits zu vereinfachen, zu automatisieren und zu standardisieren. Weitere Länder haben die DSGVO in Nationales Recht umgewandelt und verhängen ebenfalls Bußgelder.

Wie entwickelt sich die Situation von WhatsApp im Jahr 2019?

Zuwachs Social Media

Wir könnten im Jahr 2019 wohl von Brasilien und Indien lernen. Wir sehen, dass WhatsApp Schritt um Schritt seine Geschäftsbedingungen, seine Verträge, seine Aussagen angepasst und auch sein tatsächliches Tun verbessert hat. Das zeigt auf, dass WhatsApp keine Gelegenheit auslässt, um Schlagzeilen und Presseberichte zu machen. Es hängt vielleicht mit den damaligen Kaufbedingungen zusammen, keine Werbung für WhatsApp zu machen (WhatsApp Kauf von Facebook 2014). Wahrscheinlich bleibt dann nichts anderes übrig, als die Presse zu verwenden und vieles eben scheibchenweise umzusetzen.
Es wird sich zeigen, dass das DSGVO zwar eine Herausforderung für viele Firmen war und auch noch nach wie vor ist, doch insgesamt wird ein Bewusstsein für personenbezogene Daten, also Daten von Kunden wie zum Beispiel Adressen, Namen oder auch persönliche Hobbys und sensible Vorlieben, geschaffen. Ich gehe davon aus, dass im Jahr 2019 – zumindest in Deutschland und in Österreich – Daten von Kunden und Mitarbeitern verantwortungsvoll gespeichert, verarbeitet und auf Anforderung, wenn kein anderes Gesetz dagegenspricht, auch gelöscht werden.

Wie immer, wenn es neue Herausforderungen gibt, finden sich Lösungen. Heute gibt es online zahlreiche Workshops und Webinare, um die DSGVO in einem kleinen Handwerksbetrieb umzusetzen (z.B. Anke Hofmeyer). Mit relativ wenig Aufwand lässt sich so der Datenschutz für einen Handwerker abbilden und auch die Datenschutzbeauftragten kosten wahrscheinlich nicht mehr die horrenden Summen wie zu Beginn der DSGVO. Ja, es wird Fälle geben in denen Mittelständler Strafen zahlen müssen. Bußgelder für Datenschutzverstöße. Und ja, der eine oder andere Fall hat sicherlich auch mit WhatsApp zu tun. Aber egal, ob im Jahr 2018 oder 2019: Nach wie vor ist das größte Problem der Raub von Kontaktdaten und das Auslesen der Metadaten, welches Facebook durch das Erstellen von Profilen ermöglicht. Das ist aber nun mal das Geschäftsmodell von Facebook.

Die WhatsApp-Nutzer 2018 / 2019

Im Sommer steigen die Nutzerzahlen und die Akzeptanz von WhatsApp weiter nach wie vor ungebremst an. Bereits im Frühjahr 2018 hat man einen Einbruch der Nutzerzahlen und einen Rückgang der Downloads von WhatsApp erwartet. Das ist aber nicht der Fall gewesen. Ganz im Gegenteil: Es wird bis Ende Mai ein ungebremstes Wachstum geben. Ich gehe davon aus, dass danach eine Stagnation für ein bis zwei Monate eintritt. Aber Ende August sollten das Wachstum und die Nutzerzahlen des Messengers wieder zunehmen. Gründe dafür werden vor allem weitere Funktionen wie die Bezahlfunktion, Gruppentelefonie und Services von Firmen, welche sich 75% der Kunden ja bereits Anfang 2018 wünschten.

Im Handwerk haben Apps wie obob, Memomeister und mycrafty die Logik und die Usability von WhatsApp nachgebildet, um die Dokumentation zu vereinfachen und die Mitarbeiter konnten schnell Bilder den einzelnen Projekten zuordnen. Es sind tolle Apps, welche die Veränderung in den Apps abzeichnen. Am Ende wird aber wieder alles dazu führen, dass die meisten Nutzer zurück zu WhatsApp gehen oder erst gar nicht gewechselt haben, da bei WhatsApp all ihre Freunde und Kontakte sind.

WhatsApp erfüllt am 25.05 2018 grundsätzlich die Auflagen der DSGVO – allerdings nicht überdurchschnittlich gut und auch kein Vorzeige-Datenschutz.

Mein Fazit zu WhatsApp und der DSGVO

Wer ab dem 25.05.2018 WhatsApp betrieblich einsetzt, muss den Datenschutz ernst nehmen und DSGVO Maßnahmen ergreifen!
  1. Datenschutz auf der Website z.B. mit Siegeln https://www.datenschutz-mit-siegel.de/ oder dem Tool von www.updatu.com, um von außen sichtbar zu machen: „Datenschutz ist umgesetzt.“
  2. DSGVO Maßnahmen beginnen und alle Maßnahmen dokumentieren
  3. Verzeichnis von Verarbeitungen und Technisch-organisatorische Maßnahmen z.B. Workshop von Anke Hofmeyer
  4. WhatsApp Workshop oder Webinare zur Einwilligung der Kunden

WhatsApp ist ein Segelschiff der Facebookflotte im Meer der Antarktis. Die DSGVO ist ein Eisberg, welcher sich in deren Weg stellt. Doch Deutschland ist Musterschüler, ein Vorzeigestaat - oder aber der mutigste und kälteste Wind der den Eisberg kühlt. Eventuell kommen Südwinde, die das Eis etwas schmelzen und Facebook so neue Segelrouten eröffnen. Ein spannender Kampf im Eismeer der Giganten, von dem wir im Handwerk leider betroffen sind, der aber Kommunikationspotenzial birgt, um Informationen einfach und schnell auszutauschen.

Informationen und Kommunikation sind die wichtigsten Bausteine eines erfolgreichen Handwerkers. Denn wenn er nicht mit dem Kunden kommuniziert, den Mitarbeitern nicht mitteilt was zu tun ist und dann nicht nachweist was gemacht wurde, findet keine unternehmerische Handwerksleistung statt. WhatsApp hilft und erleichtert diese Kommunikation. Es ist also ein Werkzeug, um agiles Bauen heute zu ermöglichen. In meinen Augen notwendig für das Handwerk. Und ja ich gebe zu, es gibt durchaus Schöneres, als sich im Sommer 2018 mit dem klirrend kalten Eisberggespenst DSGVO zu beschäftigen.

Lust auf mehr bekommen?  

In meiner nächsten Kolumne lesen Sie alles Wichtige, was Sie über WhatsApp Business wissen sollten. Eine App, die die Zukunft der Kundenkommunikation ist oder doch eher unsinnig? Erfahren Sie mehr in meiner dritten WhatsApp-Kolumne.

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Ihr Michael Elbs
Unternehmensberater der Digitalisierung (bafa & go-digital) und WhatsApp-Experte des handwerk magazin

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