Geschäftsidee des Monats -

Ofenbau Wenn der Kamin an der Decke hängt

John Schmitz ist Handwerksmeister und Künstler in einem. Er entwickelt Design-öfen, die rund, hängend oder drehbar sind.

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Das Konzept

Nach 13 Jahren war John Schmitz gelangweilt. Künstlerisch und kreativ wollte er arbeiten – deshalb hatte er sich damals schließlich für den Beruf des Ofenbauers entschieden. Doch nach etlichen Jahren als Selbstständiger hatte sich irgendwann die Routine eingestellt: „Immer nur Eckkamine einbauen – da fehlte mir der handwerkliche Anspruch“, erklärt Schmitz heute.

Vor fünf Jahren suchte er eine Alternative zum herkömmlich verputzten Kamin. Das Ergebnis: runde und eckige Öfen – von der Decke hängend, um 360° drehbar oder in die Wand eingelassen. Für die individuellen Werke lässt Schmitz sich von der Kunst inspirieren. „Ich spiele gerne mit dem Objektbildcharakter“, erklärt der Handwerker aus Trostberg nahe dem Chiemsee: Den Gebrauchsgegenstand Ofen arrangiert er so in der Wohnung, dass ein besonderes Design entsteht. Passend zur Umgebung. „Ein hängender Ofen wirkt beispielsweise optisch leichter“, erläutert Schmitz. So eignet er sich auch für kleine oder enge Wohnräume.

Die Umsetzung

Sein erstes Konzept setzte der Handwerker 2009 um. Eigentlich hatte sich sein Kunde einen herkömmlichen Ofen gewünscht. Doch Schmitz beschloss, ein „Überraschungsangebot“ zu machen. Er plante, rechnete, skizzierte eine hängende Alternative. „Die technische Herausforderung war die Statik, also den Ofen sicher zu befestigen“, erinnert sich der Handwerksmeister. Dafür benötigte er eine Tragekonsole und starke Lastanker. Mithilfe eines Kunstschmieds entwickelte er das Stahlteil inklusive Bohrungen. Der Kunde war von den Skizzen begeistert und die Teile wurden gefertigt. Auf diese Weise musste Schmitz nicht mit einer großen Summe in Vorleistung gehen.

Auf den ersten Erfolg hin entschied er, seine Konstruktionen bekannt zu machen, baute zwei Stück und ließ sie für eine Pressemappe professionell fotografieren. Daraufhin druckte die Zeitschrift „Landlust“ einen mehrseitigen Beitrag zu den neuen Designöfen.

Der Erfolg

Auch bei der Kundschaft schlug die Idee ein. In den meisten Fällen handelt es sich um Privatleute, die ihren Neubau mit den Designstücken schmücken wollen. Viele rüsten ihre Wohnung aber ebenso bei Renovierungsarbeiten nach. Bis zu 500 Anfragen erreichen Schmitz im Jahr aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland. Allerdings schreckt der Großteil dann doch vor dem Preis um die 20 000 Euro zurück. Als Ein-Mann-Betrieb kann Schmitz ohnehin höchstens 20 Aufträge im Jahr bearbeiten – und die kommen in der Regel zusammen.

So ist die Hängestrebe bereits zu einem Standardteil beim Ofenhersteller avanciert. Trotzdem lässt sich Schmitz weiterhin neue Konstruktionen einfallen: beispielsweise ein Sideboard auf einer Drehscheibe; an einem Ende mit einem quadratischen Brenner. Auch dieser ist drehbar. Der Kunde kann so den Ofen rotieren und bestimmen, ob er das Feuer aus der Küche oder aus dem Wohnzimmer ansehen möchte. Für diese Erfindung bekam John Schmitz 2013 den Bayerischen Staatspreis verliehen.

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