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Kapitalanlage Wandelanleihen - Das Beste aus zwei Welten

Mit begrenztem Verlustrisiko von steigenden Aktienkursen profitieren – das bieten Wandelanleihen. Die Statistik zeigt: Sie machen Kurssteigerungen der zugrunde liegenden Aktie im Schnitt zu zwei Drittel mit, Kursverluste aber nur zu einem Drittel. Wer investiert, muss aber einiges beachten.

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„Wandelanleihen“, erklärt Burkhard Wagner von der Partners VermögensManagement AG in München, „sind eigentlich ein recht interessantes Produkt. Denn sie machen laut Faustregel Kursanstiege bei der zugrundeliegenden Aktie zu zwei Drittel mit, Kursrückgänge aber nur zu einem Drittel.“ Sie bieten Anlegern damit die Chance, sich defensiv am Aktienmarkt zu positionieren.

Convertible Bonds richtig verstehen

Allerdings sind sie auch nicht ganz einfach zu verstehen. Convertible Bonds, wie sie auf Englisch heißen, sind eine Art Zwitterpapier – angesiedelt zwischen einem festverzinslichen Wertpapier und einer Aktie. Deren Funktionsweise lässt sich ungefähr so beschreiben: Zunächst investieren Anleger in ein gewöhnliches festverzinsliches Wertpapier mit einer festen Zinszahlung (Kupon) und dem Anspruch auf Rückzahlung am Ende der Laufzeit. Anders als bei normalen Anleihen können Wandler jedoch in eine vorab definierte Anzahl an Aktien des Emittenten getauscht werden.

Experten sprechen deshalb auch davon, dass Wandelanleihen technisch betrachtet aus einem Schuldtitel und einer Kauf-Option (sogenannter Call) auf die zugrunde liegende Aktie bestehen. Gerade auf Grund der Call-Option können Wandelanleihen von einer Zunahme der Kursschwankungen profitieren. „Diese bewirken nämlich in der Regel, dass der Wert der Call-Option und damit der Kurs der Wandelanleihe steigt“, erläutert Arnaud Brillois, Portfoliomanager von Lazard Asset Management.

Fällt der Kurs dagegen, dann kommt der so genannte Bondfloor zum Tragen. Das ist der Punkt, ab dem sich der Convertible Bond wie eine gewöhnliche Anleihe verhält. Anders als ein direktes Aktieninvestment haben diese Papiere somit eine Schutzfunktion, die den Verlust nach unten begrenzt. Experten nennen das eine asymmetrische Verhaltensweise.

Aktienkurse schwanken, Wandelanleihen gleichen aus

Diese Verhaltensweise ist im aktuellen Umfeld, in dem die Aktienkurse stark schwanken, offenbar besonders attraktiv. „Tatsächlich sind Wandelanleihen aufgrund ihrer Struktur in den vergangenen Jahren sowohl bei den Emittenten wie auch bei den Investoren immer beliebter geworden“, bestätigt Timm Henecker von der Plattform Anleihen-Finder.

Nun einfach die nächstbeste Wandelanleihe zu ordern, wäre aber übereilt. Denn ganz so einfach ist es nicht. Denn es handelt sich um hoch komplexe Instrumente, die sich in ihrer Ausgestaltung stark voneinander unterscheiden können. So können Emittenten das Recht haben, die Anleihe vorzeitig zu kündigen. Anleger müssen sich deshalb mit den Anleihebedingungen genau auseinandersetzen.

Wandelanleihe oder Fonds - was ist besser?

Dazu kommt, dass Wandelanleihen in der Regel sehr hohe Stückelungen aufweisen. Das heißt, um einen Convertible Bond zu kaufen, braucht es unter Umständen 50.000 Euro oder mehr. Eine Alternative für Privatanleger bieten deshalb Wandelanleihefonds. Dabei sucht ein Manager die besten Titel heraus. Das heißt, er analysiert die Anleihebedingungen, die aktuelle Bewertung der Anleihe sowie die zugrunde liegende Aktie und die Bonität des Anleiheschuldners (Emittenten). Vor allem der letzte Punkt ist wichtig. Denn die Schutzfunktion nach unten greift nur, wenn der Emittent die Anleihe auch bedienen kann, also nicht pleitegeht.

Zudem investieren Fonds in eine Vielzahl an verschiedenen Papieren, wodurch sie breiter diversifizieren und das Risiko reduzieren. Ganz ohne Risiko sind Wandelanleihen aber nicht zu haben. So müssen sich Anleger anschauen, wo genau ein Fonds investiert. „Wandelanleihen“, macht Wagner klar, „haben entweder einen Aktien- oder einen Anleihecharakter. Erstere offensivere Variante eignet sich eher für den aktienorientierten Investor, die rentenorientierte eher für vorsichtige Anleger.“ Jeder muss also auch bei den Fonds schauen, was die Anlagerichtlinien vorschreiben.

Niedrige Zinsen treffen auch die Wandler

Zudem gilt es zu bedenken, dass auf Grund des extrem niedrigen Zinsniveaus auch Wandelanleihen kaum Zinsen abwerfen. Und schließlich ist der Markt wenig liquide. Wollen alle gleichzeitig ihre Convertible Bonds verkaufen, kann es zu herben Verlusten kommen. „Tatsächlich war das zum Beispiel in der Finanzkrise der Fall“, warnt Wagner. Damals verloren viele Wandelanleihefonds zwischen 30 und 50 Prozent ihres Wertes. Auch wenn solche Ereignisse selten sind, ganz auszuschließen sind sie nicht.  

Zuletzt allerdings zeigten sich Wandelanleihen recht robust. Zwar liegt der globale Aktienindex MSCI Welt auf Jahressicht mit rund sechs Prozent im Minus. Der Exchange Traded Fund, der den Index Thomson Reuters Global Convertible Bond abbildet, legte in diesem Zeitraum jedoch 5,42 Prozent zu. Noch besser machten es einige aktiv gemanagte Fonds, die in den vergangenen zwölf Monaten sogar zweistellig im Plus liegen (Vgl. Tabelle). Damit haben Wandelanleihen in einer Phase, in der Aktien teilweise deutlich an Wert verloren haben, das geliefert, was Anleger von ihnen erwarten können: einen guten Schutz nach unten und sogar noch einen positiven Ertrag.

Global anlegende Wandelanleihefonds ISIN Wertentwicklung
1 Jahr in % p.a.
Wertentwicklung
5 Jahre in % p.a.
Lazard Convertible Global R FR0010858498 7,58 8,94
Credit Suisse Glb. Conv. Bond Fd. LU0324196665 9,46 8,78
Franklin Global Convertible Sec. LU0727122854 20,20 8,71
SPDR Thomson Reuters Glb. Conv. Bond IE00BNH72088 5,77 6,76*
Polar Capital Global Convertible Fd. IE00BCDBWX02 9,71 6,51

Quelle: Morningstar; Daten vom 07.02.19; sortiert nach 5-Jahres-Performance
* Performance auf 3 Jahre, da der Fonds noch nicht so lange am Markt ist.

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