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Branchencheck Bauhauptgewerbe Bauhauptgewerbe: Wachstum auf festem Fundament

Auf deutschen Baustellen herrscht weiter Hochbetrieb, das Bauhauptgewerbe meldet volle Auftragsbücher und steigende Umsätze. Nur die Preisentwicklung geht zurück.

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Im Bauhauptgewerbe ist von einer Konjunktureintrübung nichts zu spüren, ganz im Gegenteil. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Umsatzwachstum von 5,5 Prozent auf 145 Milliarden Euro“, verkündeten der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie jüngst auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Allerdings, so die beiden Spitzenverbände, habe sich die Dynamik der Preisentwicklung für Bauleistungen im Jahresverlauf 2019 von knapp plus sechs Prozent auf plus 4,5 Prozent abgeschwächt. Das werde auch 2020 der Fall sein, sodass der Umsatz in diesem Jahr real nur um ein Prozent wachsen dürfte.

Laut Statistischem Bundesamt hat der Umsatz in allen Betrieben im Bauhauptgewerbe im letzten Jahr 135 Milliarden Euro gelegen. Dies waren fast 8,5 Milliarden Euro mehr als in 2018 (+6,7%). 

Grundpfeiler Wohnungsbau

Im Wohnungsbau erwarten die Bauverbände einen Umsatz von rund 54,2 Milliarden Euro, nach 49 Milliarden Euro 2019. „Wir gehen für 2020 von der Fertigstellung von circa 310.000 Wohnungen aus“, erklärte der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner.

Sein Handwerkskollege Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, erläuterte, dass die Grundpfeiler im Wohnungsbau weiter stabil seien. Das betreffe insbesondere die hohe Erwerbstätigkeit, reale Einkommenszuwächse, die anhaltend günstigen Finanzierungsbedingungen sowie eine weiterhin hohe Binnenwanderung in die Ballungsgebiete. Um bezahlbaren Wohnraum in den Ballungsgebieten zu schaffen bedürfe es verstärkter Investitionen in den sozialen Wohnungsbau.

Der Bestand an Sozialwohnungen lag 2018 bei rund 1,18 Millionen, vor zehn Jahren waren es noch 1,9 Millionen. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist in den deutschen Großstädten die Nachfrage nach Wohnraum riesig. Zwischen 2016 und 2018 wurden in den sieben größten Städten gerade einmal 71 Prozent der benötigten Wohnungen fertiggestellt. Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt am Main erreichten Quoten von über 78 Prozent, Stuttgart und München kommen dagegen nur auf 56 und 67 Prozent.

Um noch mehr Wohnungen fertigzustellen, fehlt der Branche das Personal. Zwar wurden in den vergangenen Jahren die Kapazitäten stark ausgeweitet, trotzdem ist der Fachkräftemangel ein Problem für viele Unternehmen.

Hoher Ausländeranteil

Der Personalzuwachs am Bau wird auch durch ausländische Arbeitnehmer abgedeckt. So ist der Anteil ausländischer sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer nach Daten der Bundesagentur für Arbeit im Bauhauptgewerbe von acht Prozent im Jahr 2008 auf inzwischen 20 Prozent angestiegen. Über 80 Prozent kommen aus den mittel- und südosteuropäischen Ländern. Deshalb fordern die Bauverbände auch, dass die sogenannte Westbalkan-Regelung über 2020 hinaus verlängert wird. Die Regelung erleichtert Arbeitern aus dieser Region einen Arbeitsaufenthalt in Deutschland.

Unterschiede beim Wirtschaftsbau

Während der Wohnungsbau nach wie vor boomt, prognostizieren Bauindustrie und Baugewerbe für den Wirtschaftsbau eine ambivalente Entwicklung: So sind die (Hoch)-Baugenehmigungen bei Fabrik- und Werkstattgebäuden seit drei Monaten rückläufig. Gleichzeitig zeigen die Baugenehmigungen für Lager- und Handelsgebäude sowie Büro- und Verwaltungsgebäude aufsteigende Tendenz. Die stabile Entwicklung bei den Handels- und Lagergebäuden ist vom privaten Konsum angetrieben.

Einen positiven Trend sehen die Verbände im Wirtschaftstiefbau: Die monatlichen Auftragseingänge liegen hier seit Ende des ersten Quartals 2019 im Vorjahresvergleich stabil bei plus zehn Prozent. Der Anstieg kommt vor allem von Investitionen für Bahnstrecken, Brücken- und Tunnelbauten der Deutschen Bahn. Der Bundeshaushalt sieht hier für das kommende Jahr noch einmal eine Erhöhung der Investitionszuschüsse um 1,1 Milliarden Euro vor. Auch deswegen prognostizieren die beiden Verbände im Wirtschaftsbau für 2020 insgesamt einen Umsatz von 51,3 Milliarden Euro, 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Beim öffentlichen Bau sorgt vor allem die Investitionsoffensive im Bereich der Bundesfernstraßen für einen Auftragsschub. Erwartet wird für 2020 ein Umsatz von 39,5 Milliarden Euro, ein Plus von vier Prozent.

Branchentrends Bauhauptgewerbe

  • Bahn- und Autobahnbau
    Im Bereich des Bauens für die Deutsche Bahn AG sowie für die in Gründung befindliche Autobahn GmbH des Bundes stehen in den nächsten Jahren erhebliche Investitionsvolumina bereit, die auf die Schiene und Straße gebracht werden müssen.
  • Klimagerechtes Bauen
    Der Gebäudesektor verursacht 120 Millionen Tonnen (14 Prozent) der CO2-Emissionen in Deutschland. 2030 dürfen es nur noch 72 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sein. Nachdem Ende 2019 die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung beschlossen wurde, wird die Bautätigkeit insbesondere in den Ausbaugewerken zunehmen.
  • Digitalisierung
    Von einfachen Tools und digitalen Helfern auf der Baustelle bis hin zu komplexen KI-Anwendungen ist die Branche auf dem Weg zum Baugewerbe 4.0. Der technologische Fortschritt wird zu weiteren Produktivitätszuwächsen und Effizienzgewinnen führen.
  • Fachkräftesicherung
    Im Bau wurden in den letzten zehn Jahren 150.000 Beschäftigte eingestellt. Es gilt aber weiter für qualifiziertes Personal zu sorgen. In der Fachkräftezuwanderung liegt hierfür Potenzial, das genutzt werden muss.

Gesamtumsatz

In Milliarden Euro (2019 Hochrechnung)
Zehn Jahre Wachstum, das ist die beeindruckende Bilanz der deutschen Bauindustrie und des Baugewerbes. Auch für 2020 ist die Branche optimistisch.

Gesamtumsatz Baugewerbe

Beschäftigte

Jahresdurchschnitt in 1.000 (2019 Hochrechnung)
Der Anteil der ausländischen Beschäftigten im Bauhauptgewerbe ist im letzten Jahrzehnt deutlich gestiegen, von 7,6 Prozent 2010 auf 20 Prozent 2019.

Beschäftigte Baugewerbe

Betriebsvergleich Hochbauhandwerk NRW

Werte aus einem Betriebsvergleich für das Hochbauhandwerk von 2017, erstellt von der Landes-Gewerbeförderungsstelle des NRW-Handwerks (LGH). Es sind Durchschnittswerte aller Betriebs-Größenklassen.

Posten Euro Prozent
Betriebsleistung (Handwerk und Handel) 4.351.563 100
Rohgewinn (Personalkosten abgezogen 598.913 13,8
Betriebsergebnis 135.700 3,1
Betriebswirtschaftliches Ergebnis (kalkulatorische Kosten
abgezogen
43.502 1,0

Preisentwicklung

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage und der guten Auslastung haben die Preise im Bauhauptgewerbe im vergangenen Jahr nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes durchschnittlich um 5,6 Prozent zugelegt.

Preisentwicklung Baugewerbe

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12,55 Euro beträgt der Mindestlohn 1 im Baugewerbe ab 1. April 2020




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