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Windows Vista Vorsicht bei Schnäppchen

Windows Vista | Microsoft vertreibt unterschiedliche Versionen des neuen Betriebssystems mit teilweise gravierenden Einschränkungen. Auch der Handel verkauft falsch deklarierte Softwarezu überhöhten Preisen.

Vista ist nicht gleich Vista. Ein schneller Schnäppchenkauf des neuen Microsoft-Betriebssystems kann sich als überteuertes Schmalspurprogramm entpuppen. Offiziell stehen von Vista nur fünf verschiedene Versionen in der Preisliste des Herstellers. Der Einstieg Vista Home Basic ist für 229 Euro zu haben, die Topversion Vista Ultimate mit allen Features kostet 499 Euro. Dagegen scheint der Kauf eines neuen PCs inklusive Vista ein echtes Schnäppchen zu sein. Wer die Preise aller Hardware-Komponenten zusammenzählt, stellt befriedigt fest, dass Vista bei den meisten PC-Angeboten offensichtlich umsonst dabei liegt.

Das ist allerdings ein Irrtum. Tatsächlich erhält der Käufer mit dem neuen PC lediglich eine Vista-OEM-Version. OEM steht für „Original Equipment Manufacturer“ und bedeutet, dass die Software vom PC-Hersteller auf der Festplatte vorinstalliert ist. Auf den ersten Blick eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Microsoft erhöht mit jedem PC-Verkauf den Marktanteil von Vista, der PC-Hersteller hat ein preislich attraktives Angebot, und der Käufer darf sich über ein Schnäppchen freuen.

Allerdings währt die Freude nicht lange. Das OEM-Vista befindet sich nämlich nur auf der Festplatte. Im Karton liegt keine Vista-DVD, sondern allenfalls eine so genannte Recovery-DVD zur Systemwiederherstellung. Die Software-Nutzung ist von Microsoft ausdrücklich „nur für Vertrieb mit dem neuen... PC“ zugelassen. Mit gravierenden Folgen:

-Wer zu diesem Produkt eine technische Frage an Microsoft richtet, muss für die Antwort extra zahlen.

-Wer später auf ein mögliches Nachfolgeprogramm des Betriebssystems umsteigen will, kann kein kostengünstiges Updates kaufen.

-Wer die Software auf einen anderen PC übertragen möchte, verliert das Nutzungsrecht. Selbst eine PC-Erweiterung – etwa eine neue Festplatte oder eine andere Grafikkarte – kann zum Verlust der Lizenzrechte führen.

-Wer schließlich ein OEM-Vista irgendwann verkaufen möchte, hat Pech. Nach deutschem Recht setzt die Veräußerung von Software ein übertragbares Produkt voraus – und das hat Microsoft bei den OEM-Versionen nicht beigelegt.

Eigene Rechte für jede Version

In der OEM-Version ist Vista damit ein Schmalspurprogramm, aber bis zur richtigen Vista-Vollversion gibt es weitere Varianten mit Nutzungseinschränkungen. Schwierig ist die Beurteilung von Vista SB: Programme von so genannten System Buildern, die als kleine PC-Hersteller und Assemblierer aufgrund geringer Stückzahlen nicht in den Genuss der OEM-Preise kommen, oder allgemein von PC-Fachhändlern. SB-Programme sind preiswerter als Vollversionen, haben aber Einschränkungen: Kein gedrucktes Handbuch, keine große Verpackung, und Fragen an Microsoft sind nicht erlaubt. Immerhin ist eine SB-Version update-fähig und könnte später unabhängig vom PC weiterveräußert werden.

Das größte Problem ist die genaue Definition der SB-Ware, denn der Fachhandel versucht, mit den vielen unbekannten Vista-Versionen ein Geschäft zu machen. Die Tricks: OEM-Versionen, die bei PC-Herstellern für Hardware-Bundle nicht benötigt werden, kursieren als teurere SB-Programme im Handel. Häufig erhält auch SB-Ware zur Aufwertung das Label „Vollversion“ oder „Retail-Version“. Das täuscht die teuerste Version mit den umfassendsten Nutzungsrechten vor, die Microsoft in der Preisliste führt.

Der Betrug wird selten ersichtlich – und wenn, dann erst nach Kauf und Installation. Etwa dann, wenn Microsoft die Beantwortung von Fragen verweigert. Kunden mit Vollversion dürfen nämlich zwei Fragen an den Hersteller richten.

Schneller aufgedeckt wird der Betrug mit anderen Betriebssystem-Versionen. Wer im Betrieb eine Schülerlizenz einsetzt, wird von Microsoft keine Produktfreigabe erhalten. Wenn „Not for Resale“ auf die Packung gestempelt ist, sollte man ebenfalls die Finger davon lassen. Gefährlich kann auch eine Produkteinschränkung namens „Select“ sein. Was das genau bedeutet, konnte uns allerdings auch Microsoft nicht sagen.

Peter Altmann

reinhold.mulatz@handwerk-magazin.de

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