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Bitcoins, Ether, IOTA & Co. Virtuelle Währungen in der Handwerksbranche

Im Fokus der Aufmerksamkeit vieler Gründer und fortschrittlicher Betriebe stehen derzeit sogenannte Kryptowährungen. Was für das Handwerksgewerbe auf den ersten Blick womöglich ungeeignet erscheint, bietet jedoch tatsächlich einige Vorzüge.

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Unser heutiges Digitalzeitalter revolutioniert nahezu alle Lebensbereiche und bietet unzählige neue Möglichkeiten. Auch das Handwerk kommt einer Anpassung an den digitalen Zeitgeist letztlich nicht aus.

Kryptowährung wie zum Beispiel Bitcoins im Handwerk

Manuel Krämer ist Dachdecker und hat die Kryptowährungen bereits für sich entdeckt. Bei ihm kann die Bezahlung seiner Leistungen in Bitcoin erfolgen. Die Vorteile sind für ihn dabei ganz klar – das System Digitaler Zahlungsmittel biete „Logistik und Demokratie“, so Krämer im Interview mit Impulse. Neben diesem Potential ist er sich jedoch auch der zentralen Problematik bewusst: Für den Otto-Normal-Verbraucher ist all dies noch „sehr weit weg“, noch nicht wirklich greifbar. Um einen festen Einzug der Kryptowährungen, in seinem Falle konkret der Bitcoins, in alltäglichen Geschäften zu fördern, möchte er mit seinem Krypto-Zahlungsservice ein Exempel statuieren. „[…] Wenn ich anfange, Bitcoins als Zahlungsmittel anzubieten, fragen sich hoffentlich viele: ´Selbst der Dachdecker kapiert das, was hat es denn damit auf sich?´“

Blockchain-Technologie – vereinfacht erklärt

Vor allem die Abstraktheit der den Krypto-Zahlungsprozessen zugrundeliegenden Technologie – der Blockchain-Technologie – erschwert den Zugang für Verbraucher erheblich. Unter der Blockchain-Technologie kann man sich eine Art Buchhaltungs- bzw. Dokumentationssystem vorstellen, das sich mit einem finanzwirtschaftlichen Journal, welches alle Transaktionen protokolliert, verbildlichen lässt. Die Protokollierung sämtlicher Systemvorgänge führt zur Kreation von Blöcken, die aus gleichartigen Informationen bestehen. Vergleichbar ist dies mit einem Kontoauszug, das im Grunde eine Anhäufung von Finanzdaten darstellt. Die Vorteile dieser Technologie sind in der Verschlüsselung und Nachvollziehbarkeit zu sehen, denn eine retrospektive Manipulation der Blockinhalte ist fast gänzlich unmöglich.

Die Blockchain-Technologie lässt sich für verschiedene Gebiete einsetzen, genießt jedoch besonders im Finanzwesen eine gesteigerte Aufmerksamkeit. Sie kann auch unabhängig von digitalen Zahlungsmitteln zum Zuge kommen. Andersherum funktioniert dies nicht – die Blockchain ist grundsätzlich maßgeblich im Rahmen des Verwaltens von Kryptowährungen. Die Währung IOTA nutzt aber, anders als z.B. Bitcoins, keine Blockchain auf der Grundlage einer verknüpften Liste, sondern nutzt eine andere Struktur. Es kommt ein gerichteter azyklischer Graph (DAG) zum Einsatz. Vereinfacht bedeutet dies: Der Graph setzt sich aus Knotenpunkten zusammen, welche durch Wege miteinander in Verbindung stehen. Sämtliche Wege werden durch eine determinierte, pfeilähnliche Richtung definiert. Die Tatsache, dass das kein Weg wieder zu seinem Startpunkt wiederkehrt, bedingt das azyklische Merkmal.

Kryptowährungen genauer erklärt

Digitale Währungen werden durch Dezentralisierung gekennzeichnet, denn eine staatliche Steuerung nationalen Geldes durch eine Zentral- oder Notenbank fehlt. Dachdecker Manuel Krämer sieht dies als Vorzug an: Bei Kryptowährungen behält man selbst die Kontrolle über seine Finanzen, während diese bei regulären Bank-Überweisungen dem entsprechenden Finanzinstitut übertragen wird.

E in wesentlicher Vorzug von Kryptowährungen liegt in der Tatsache, dass sie nicht in Zusammenhang mit dem Klarnamen von Sender oder Empfänger gebracht werden können – es findet eine Pseudonymisierung statt. Die Transaktionen sowie Kontostände bleiben innerhalb der Blockchain zwar öffentlich einsehbar, doch ist eine konkrete Zuordnung zu einer speziellen Person nicht möglich. Der Geschäftsverkehr mit Kryptowährungen verlangt nach einem „öffentlichen Schlüssel“ des Transaktionsempfängers. Da dieser einen Teil des Codierungs-Prozesses zwischen Sender und Empfänger verkörpert, kann der öffentliche Schlüssel nicht oder nur mit großem Aufwand abgehört werden. Der Nutzer von Digitalwährungen macht sich erst dann wieder identifizierbar, wenn er den digitalgebundenen Raum wieder verlässt. Dies ist beim Umtausch von Digitalzahlungsmittel in nationale Zahlungswährungen, beim Gebrauch von Kryptowährungen zu Zwecken des Warenerwerbs sowie beim Erwerb von Kryptowährungen der Fall.

Welche Risikien birgt die Kryptowährung

Die mit Digitalwährungen einhergehende „Anonymität“ lässt sich auch als Risiko formulieren. Banken, die mit der Identität ihrer Kontoinhaber vertraut sind, sind im Falle einer entsprechenden richterlichen Anordnung zur Herausgabe der damit einhergehenden Daten verpflichtet. Theoretisch ist eine solche gerichtliche Anordnung auch in Sachen Kryptowährungen möglich. Noch unklar ist jedoch, wie sich dann die Nachweisbarkeit gestaltet.

Zudem eignen sich Kryptowährungen besonders gut zur Umsetzung illegaler Aktivitäten – von Steuerhinterziehung bis hin zur Geldwäsche und zu rechtswidrigen Geschäftsabwicklungen im Darknet. Die auf ein Pseudonym begrenzte Rückführung ermöglicht einen gesteigerten Geldfluss, der von diversen Seiten fingiert werden kann. Ein erhöhtes Missbrauchspotential ist die Folge. Hier hilft jedoch eine strenge und gut aufgestellte Finanzaufsicht im Rahmen der Aufdeckung.

Achtung: Steuerpflicht? Was ist zu beachten?

Kryptowährungen werden bisweilen seitens des Staats noch nicht komplett akzeptiert, allerdings fand bereits eine Anerkennung dieser als Recheneinheiten durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) statt. Sie sind damit nicht als gesetzliche Zahlungsmittel einzustufen, sondern erlangen vielmehr einen den Devisen ähnlichen Status und sind, steuerlich betrachtet, privates Geld.

Steuerpflichtig ist der Verkauf von Kryptowährungen, sofern Erwerb und Veräußerung innerhalb einer Zeitspanne von 12 Monaten stattfindet. Die Freigrenze beträgt dabei 600 €. Wird dieser Grenzwert überstiegen, entfällt der Freibetrag. Liegen mehr als 12 Monate zwischen Erwerb und Verkauf, gilt die Steuerfreiheit. Personen, die sich, wie Manuel Krämer, mit Kryptowährungen bezahlen lassen, müssen dies auch als Einkommen versteuern.

Fazit der Kryptowährung im Handwerk

Manuel Krämer mag zwar mit seiner angebotenen Zahlungsoption bisher nur wenige bis gar keine Kunden bedienen, doch setzt er damit zweifelsohne ein Zeichen. Vor dem Hintergrund eines weit verbreiteten Misstrauens gegenüber dem bankengebundenen Geldsystem, ermöglicht er seinen Kunden die Inanspruchnahme einer datenschutzfreundlichen, unabhängigen Variante. Wie alle neuartigen Technologien, gehen auch mit den Kryptowährungen Vor- und Nachteile einher. Ob der aktuelle Hype Bestand haben wird, lässt sich derzeit noch nicht festmachen. Es ist jedoch vorhersehbar, dass die gegenwärtigen Implementierungen peu à peu an ihre Grenzen stoßen werden. Auch der Gesetzgeber hinkt bisweilen noch hinterher. So ist die Haftungsfrage, etwa im Falle von Systemfehlern, noch nicht abschließend geklärt.

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