Vermögensplan für unruhige Zeiten

Geldanlage – Weder mit Aktien noch mit Anleihen oder Immobilien erzielen Anleger in diesem Jahr hohe Renditen. Mit welcher Strategie sich Ihr Wertpapierdepot dennoch sehen lassen kann.

Vermögensplan für unruhige Zeiten

Schlechte Nachrichten für Sparer: Die Europäische Zentralbank wird den Leitzins frühestens 2011 wieder anheben, sagen Volkswirte. Unterdessen wirft Geld, das auf dem Sparbuch geparkt ist, kaum etwas ab. Zudem erhöht die andauernde Niedrigzinspolitik die Gefahr einer hohen Inflation. Sollte es dazu kommen, wird Geld, das auf dem Sparbuch liegt, empfindlich zusammenschrumpfen. Eine verzwickte Lage für Anleger – denn auch andere Geldanlagen haben sich zuletzt kaum als zuverlässige Ertragsbringer erwiesen. Aktien haben sich zwar 2009 hervorragend entwickelt. Vorher hatten sie aber so stark verloren, dass in vielen Depots immer noch riesige Löcher klaffen. Für dieses Jahr sagen Analysten nur noch geringe Kursgewinne voraus. Auch Anleihen, die normalerweise gewinnen, wenn die Aktienkurse einbrechen, hielten sich zuletzt kaum an solche Lehrbuchregeln.

In dieser Gemengelage sind Planung und Flexibilität gefragt. Insbesondere Selbständige sollten sich jetzt mehr denn je fragen, wann sie eigentlich wie viel Geld benötigen. Denn je stärker die Märkte schwanken, umso wichtiger ist es, zu wissen, wie lange man zwischenzeitliche Verluste aussitzen kann. „Man sollte zuerst überlegen, wann man Geld benötigt. Und dann erst, wo man es anlegt“, rät Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der Autor des Buches „Lexikon der Finanzirrtümer“ rät Handwerkern wie viele Anlagestrategen dazu, drei Töpfe zu bilden: einen Topf, den Sie jederzeit anzapfen können, wenn etwa der eigene Wagen unerwartet in die Werkstatt muss. Einen für das Alter, der bis dahin aber auch tabu bleiben muss. Und einen dritten für Annehmlichkeiten, die allerdings auch warten können oder kleiner ausfallen als geplant.

Neue Vorsorgestrategie

Ist die wirtschaftliche Lage wacklig wie jetzt, sollte der allzeit verfügbare Topf besonders gut gefüllt sein. Bis zu einem Jahreseinkommen sollte darin liegen, sagt Riklef von Schüssler, Partner bei der Vermögensberatung Feri Family Trust, die auf wohlhabende Privatkunden spezialisiert ist. Niedrige Zinsen können Anlegern in diesem Fall egal sein. Denn das Kapital muss sich gar nicht unbedingt vermehren – Hauptsache, es ist noch da, wenn man es braucht. Da bietet es sich an, das Geld ganz klassisch auf einem Tagesgeldkonto zu parken (siehe „Drei-Töpfe-Modell“, Seite 63).

Wer Angestellte beschäftigt oder eine Familie versorgt, sollte eben nicht nur an sich selbst denken, sagt Tom Friess, deutscher Geschäftsleiter der schweizerischen Vermögensberatung VZ Vermögenszentrum, die ausschließlich Privatkunden berät: „Selbständige müssen sicherstellen, dass auch die Menschen, die abhängig von ihnen sind, nach ihrem Tod wirtschaftlich überleben können.“ Drei bis fünf Jahresnettogehälter sollten zur Absicherung der Familie bereitliegen, sagt Friess. Dieses Kapital lässt sich langfristig über Sparraten ansammeln – und in jungen Jahren über eine Risiko-Lebensversicherung absichern.

Mit deutlich längerfristigen Perspektiven sollten Handwerksunternehmer die eigene Altersvorsorge aufbauen. Regelmäßige Sparraten erleichtern den stetigen Vermögenszuwachs in diesen dritten Topf. Klassischerweise fließt viel Geld in Kapitalversicherungen. Doch das muss nicht zwangsläufig so sein, gibt Verbraucherschützer Nauhauser zu bedenken. Insbesondere, wenn man Schulden abbezahlt: Wer eine Renten- oder Lebensversicherung abgeschlossen hat, die zwei bis drei Prozent Zinsen bringt, auf der anderen Seite aber vier Prozent Zinsen für geliehenes Geld, etwa für die eigene Immobilie aufbringen muss, macht Verlust. „Da geht viel Geld kaputt“, warnt Nauhauser, der dieses Szenario häufig erlebt. Besser sei in diesem Fall, erst den Kredit zu tilgen.

Erst wenn Topf eins und Topf drei gut gefüllt sind, ist es ratsam, den Topf für mittelfristige Ausgaben zu füllen.Wer auf Risiko setzt, kann diese Neigung mit Anlagen für ein neues Auto oder eine Urlaubsreise voll ausleben.

Geldanlagen gut mischen

Die grundlegenden Herangehensweisen für mittelfristige Geldanlagen bleiben auch in unruhigen Zeiten bestehen: Investieren Anleger in viele unterschiedliche Anlageklassen, lässt sich ohne höheres Risiko oft mehr Rendite erzielen als mit einer reinen Aktien-und-Anleihen-Strategie. Experten raten deshalb zu einem Mix aus Aktien, Renten, Rohstoffen und Immobilien. Die Anlageklasse Immobilien decken viele Unternehmer bereits über ein eigenes Haus ab. Wer keine eigene Immobilie besitzt, ist Anlageexperten zufolge derzeit am besten beraten, wenn er in einen großen europäischen Immobilienfonds investiert.

Beim Aktienanteil, der wichtigsten Anlageklasse für Renditejäger, sind die Experten uneins: Der eine rät derzeit zu Aktien aus dem asiatischen Raum, der andere zu Papieren von Unternehmen, die eine hohe Dividende ausschütten. Am breitesten aufgestellt sind Anleger mit einem weltweit investierenden Fonds. Es ist für sie in jedem Fall günstiger, in Aktienfonds zu investieren, als einzelne Titel zu kaufen: Da Fonds in eine Vielzahl von Titeln investieren, streuen sie das Risiko breiter als ein Privatanleger es mit Einzeltiteln je tun könnte. Wenn Anleger Fondsanteile erwerben, sollten sie allerdings immer genau auf die Kosten achten, mahnt Vermögensberater Friess. „Im Einkauf liegt der Gewinn“, sagt er. Anleger sollten nie dem Anbieter unbesehen glauben, wenn er sagt, er habe das günstigste Produkt für sie herausgesucht. Besonders preiswert sind börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange-Traded Funds (ETF), die einfach einen Aktienindex nachbauen, statt nach den vermeintlich besten Papieren zu fahnden. Weil kein teures Management nötig ist, zahlen Anleger in der Regel deutlich niedrigere Verwaltungskosten als für aktiv gemanagte Fonds.

Bei Anleihen heißt es derzeit genau hingucken. „Staatsanleihen sind wegen der Schuldengefahr momentan nur sehr vereinzelt zu empfehlen“, sagt Giovanni Leonardo vom Vermögensverwalter Swiss & Global. Leonardo hält Unternehmensanleihen für lohnender. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Schulden abgebaut und stehen jetzt sehr solide da.

Darüber hinaus raten Experten einhellig, sich rund zehn Prozent Gold ins Portfolio zu holen. „Gold ist einer der wichtigsten Rohstoffe“, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. „Eine hohe Rendite sollte man von Gold zwar nicht erwarten. Aber es ist auf lange Sicht wertstabil.“

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