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Dr. Tobias Spies: Auf Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad achten

Lohnt es sich für Privatanleger und Handwerksunternehmer in Unternehmensanleihen zu investieren? Wir haben fünf unabhängige Experten gefragt. Das rät Dr. Tobias Spies, Leiter Fixed Income bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH.

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Raten Sie Privatanlegern bzw. Handwerksunternehmern überhaupt noch, in Unternehmensanleihen mit Investment Grade zu investieren?

Noch vor wenigen Jahren galten Rentenpapiere wie deutsche Bundesanleihen als Anlagen mit einem risikolosen Zins. Von risikofreien Zinssätzen spricht man immer dann, wenn kein Risiko besteht, dass Zins- und Rückzahlungen nicht pünktlich geleistet werden können. Inzwischen hat sich der risikolose Zins in ein zinsloses Risiko verwandelt. Der Grund: Durch die extrem expansive Geldpolitik sind die Zinsen im Keller, insbesondere von sicheren Häfen wie Bundesanleihen. Nach Abzug von Steuern und Inflationsrate zahlen viele Anleger sogar noch drauf. Zudem ist ein Zahlungsausfall von Staatsanleihen kein Tabuthema mehr. Vor kurzem hat der Internationale Währungsfonds bereits einen Schuldenschnitt bei überschuldeten Staaten ins Spiel gebracht. Statt ihr Vermögen einem Staat zu leihen, können Anleger daher auch in Unternehmensanleihen investieren.

Wenn ja, nach welchen Kriterien sollten Unternehmensanleihen ausgewählt werden?

Der Vorteil ist, dass gerade bei Anleihen von qualitativ guten Unternehmen – Papiere mit dem Prädikat Investment Grade – das Risiko eines Zahlungsausfalles sehr gering ist. Handwerksunternehmer sollten bei der Wahl von Unternehmensanleihen aber darauf achten, dass der Verschuldungsgrad des Emittenten moderat, die Eigenkapitalquote und der Zinsdeckungsgrad hingegen sehr hoch sind. Auch sollten eher nicht zyklische Geschäftsmodelle bevorzugt werden. Diese sind bei konjunkturellen Abschwächungen nicht so anfällig in der Ertragslage. Mindestens genauso wichtig wie die Kreditwürdigkeit des Emittenten ist es, die Anleihebedingungen genau zu studieren. Hier erhalten Anleger Einblick in die Haftungsstruktur oder die Kredit- und Rückzahlungsbedingungen. Um vor Kursverlusten durch einen unvorhergesehenen Zinsanstieg einigermaßen geschützt zu sein, sollte die jeweilige Restlaufzeit maximal sechs Jahre betragen.

Einen Haken hat die Sache: Auch Unternehmensanleihen besserer Qualität können sich dem niedrigen Zinsniveau nicht entziehen. So gibt es für Papiere mit mittleren Laufzeiten nur noch Renditen von durchschnittlich rund 1,35 Prozent. Wem das zu wenig ist, der kann beispielsweise auf sogenannte Spezialanleihen ausweichen. Darunter versteht man festverzinsliche Wertpapiere, die fehl- oder unterbewertet sind und somit vergleichsweise hohe Renditen mit kalkulierbaren Risiken bieten.

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