Geschäftsideen -

International Und tschüs - Arbeiten im Ausland

Keine Lust auf Deutschland? Überall in der Welt sind die zuverlässigen Deutschen gern gesehene Dienstleister. Es gibt zahlreiche Stellen, die Unternehmer bei den ersten Schritten unterstützen.

Fastfood oder Restaurant?

Während seines Praktikums in London hatte Christian Gierstorfer immer die Qual der Wahl, wenn er Mittagessen gehen wollte. Weil es einfach nichts dazwischen gab. Eine Brezel als Alternative passte genau in die Marktlücke. Doch mit einfachen Brezelständen wollte sich Gierstorfer nicht zufrieden geben. Deshalb entwickelte der gelernte Koch und Absolvent der Oxford Business School „Energy Kitchen“. Dabei handelt es sich um ein Shop-Konzept, das „eine Mischung aus Coffee-Shop, Sandwich-Bar und Saftbar ist“. Gegründet hat Gierstorfer sein Unternehmen Creativity & Food 1999. Im August 2007 hat er bereits seine siebte Energy Kitchen eröffnet. Die in knalligen Farben gehaltenen Shops befinden sich meist in den Foodhalls von Kaufhäusern wie Selfridges oder Harrods. Sie bestehen aus einer Theke mit Front-Baking-Station, wo sich die Kunden ihr Menü aus Brezeln, Säften, Suppen, Salat oder Kaffee zusammen stellen. Zudem gibt es an den Seiten Sitzecken, wo die Kunden gemütlich essen können.

„Es macht Spaß hier zu arbeiten“, sagt der 37-jährige Gierstorfer. Er schätzt besonders die Offenheit und Hilfsbereitschaft der Engländer. Auch wenn er England mit Deutschland nicht vergleichen könne, ist er davon überzeugt, „dass es in jedem Land bestimmte Vorschriften gibt, die man als Gründer oder Unternehmer eben einhalten muss“.

Hilfe statt Alleingang

Mit dieser Vermutung hat Gierstorfer recht. Daher ist es sinnvoll, sich im Vorfeld über ein Land zu informieren. Die Bundesagentur für Außenwirtschaft (Bfai) bietet eine professionelle aber kostenpflichtige Datenbankrecherche an. Zudem gibt es zum Teil kostenlose Länderinformationen auf der Bfai-Website zum Download. Neben den Außenhandelskammern können sich Unternehmer auch bei der Außenwirtschaftsberatung ihrer Handwerkskammer vor allem über die aktuellen Termine von Unternehmerreisen informieren (siehe Info-Kasten). Diese werden zum Teil vom Wirtschaftsminister des jeweiligen Bundeslandes begleitet. Dabei erhalten Unternehmer vor Ort einen umfassenden Eindruck der wirtschaftlichen Bedingungen des Landes. Zudem gibt es Treffen mit Unternehmern vor Ort – auch Kontaktbörsen genannt – aus denen sich erste freundschaftliche Kontakte entwickeln, die sich bei einem ersten „Probeauftrag“ vertiefen lassen.

Auslandsmesse

Die Schreinerei J. Cleve GmbH in Moers ist ebenfalls in England aktiv. Den ersten Kontakt zur Insel knüpfte Geschäftsführer Dieter Göller 2006 mit der Beteiligung an einem Gemeinschaftsstand bei der Baumesse „Interbuild“ in Birmingham.

„Britische Kunden schätzen deutsches Handwerk“, sagt Göller. Deshalb arbeitet die Schreinerei Cleve seit drei Jahren erfolgreich auf der Insel. Spezialisiert ist Cleve auf den Innenausbau für Privatkunden. „Nach dem ersten Auftrag in einer Londoner Arztpraxis stand schon der nächste Interessent vor der Tür“, blickt der 47-Jährige Schreinermeister zurück. Über Empfehlung kommen auch heute die meisten Aufträge. In Moers werden die Bauteile gefertigt. Dann reist ein Montageteam nach England und baut alles vor Ort ein. Inzwischen hat die Schreinerei Cleve 60 Mitarbeiter und machte 2006 einen Gesamtumsatz von 8,5 Millionen Euro.

Zukünftig will Göller zusammen mit einem deutschen Architekten als Generalunternehmer auftreten. „Britische Kunden verlangen alles aus einer Hand“, sagt er. Der Erfolg gibt ihm Recht: So denkt er langsam darüber nach, ein Tochterunternehmen nach britischem Recht zu gründen. Der Grund: Als ausländisches Unternehmen darf er maximal 120000 Pfund (ca. 180000 Euro) Umsatz im Jahr machen – und diese Grenze wird die Schreinerei Cleve wohl 2007 überschreiten.

Vorsicht vor dem Billig-Trend

Neben dem „alten“ Europa sind immer wieder Länder mit niedrigen Lohnstückkosten en vogue bei deutschen Unternehmern. Die neuen EU-Mitgliedstaaten gehören nach wie vor dieser Hitliste an, da sie auch für kleinere Unternehmen noch erreichbar sind. Trotz geringer Löhne und traumhaft niedrigen Steuern warnen Experten allerdings vor dem Billigtrend. „Wer nur billig im Kopf hat, sich jedoch keine Gedanken über Zahlungsmoral, Lieferfristen oder Verträge macht, wird Probleme bekommen“, warnt Außenwirtschaftsberater Dietmar Schneider von der Handwerkskammer München. Er rät daher, ein Auslandsengagement richtig vorzubereiten. „Vor allem muss eine Strategie dahinter stehen“, so der Berater.

Ein Platz an der Sonne

Wo Maurermeister Claus Riechers in den 80er Jahren Urlaub machte, hat er heute seinen Firmensitz. Unter Construcciones Claus Riechers firmiert der heute 48-Jährige in Capdepera, Mallorca. Für den damals 25-Jährigen zeigte sich das spanische Baugewerbe offen. Bürokratische Hürden gab es keine.

Noch heute fasziniert den Unternehmer die gute Zahlungsmoral. „Hier gibt es keine langen Diskussionen. Der Festpreis wird vor Baubeginn ausgehandelt“, sagt er. Die Spanier hätten Respekt vor allen Ausländern, die auf Mallorca Fuß fassen. „Wenn man allerdings mit seinem Unternehmen untergeht, dann wird man ausgelacht.“ Bei Claus Riechers florieren die Geschäfte. Mit seiner multikulturellen Mannschaft aus Deutschen, Mallorquinern und Polen hat er sich seinen Traum vom erfolgreichen Unternehmen im Urlaubsparadies verwirklicht.

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