Privatvorsorge -

Und sie lohnt sich doch

Riester-Rente | Das Image der Volks-Police hat gelitten. Der Vorwurf: Geringverdiener könnten nur fürs Sozialamt sparen. Schließt Vater Staat die Gesetzeslücke, wird die Riester-Rente deutlich attraktiver.

Zehn Millionen Deutsche riestern fürs Alter. Doch ein Fernsehbeitrag im ARD- Politikmagazin „Monitor“ deckte eine Gesetzeslücke auf: Nämlich die Anrechnung der Riester-Ersparnis auf die sogenannte Grundsicherung. Die Grundsicherung bekommen alle Erwerbsunfähigen und Rentner, wenn die Rente nicht zum Leben reicht, vom zuständigen Grundsicherungsamt.

Wegen unterschiedlicher Mieten in verschiedenen Regionen Deutschlands variiert sie erheblich. In München gelten aktuell 847 Euro als Mindestbedarf, in Emden dagegen 614 Euro. Nach Angaben des Sozialverbands VDK beträgt die Grundsicherung durchschnittlich 710 Euro. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Bert Rürup, forderte im Monitor-Beitrag eine sofortige Aufhebung dieser Gesetzeslücke. Wer riestert, müsse das Geld später auch zusätzlich in der Tasche haben, erklärte Rürup.

Auch nach Auffassung anderer Experten muss das Recht der Grundsicherung im Alter so geändert werden, dass jeder, der vorsorgt, von dieser Vorsorge auch profitiert. Daher sollte jeder Grundversicherungsbezieher einen Freibetrag von 100 Euro für Einkünfte aus privater Altersvorsorge besitzen, so die Argumentation. Darüber hinausgehende Altersvorsorgeeinkommen sollten bis zu einer Höhe von 800 Euro zu 20 Prozent anrechnungsfrei bleiben. Diese Anrechnungsregelung solle im Übrigen für alle Einkommensarten gelten.

Hohe Gewinne für Familien

Aber selbst die Redakteure von „Monitor“ haben nicht dazu geraten, keine Riester-Verträge mehr abzuschließen oder bestehende Verträge zu kündigen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Gewinne aus der Riester-Rente sind gerade für Geringverdiener mit Kindern besonders hoch. Und Vater Staat hat nachgelegt: Die Zulagen steigen, für Nachwuchs gibt’s mehr Prämien, auch Häuslebauer werden gefördert. Seit dem 1. Januar erhalten Riester-Sparer eine höhere Grundzulage von 154 Euro. Bisher waren das 114 Euro. Auch die Kinderzulage ist von 138 auf 185 Euro jährlich erhöht worden. Zusätzlich wird für Kinder, die 2008 oder später geboren werden und kindergeldberechtigt sind, die Kinderzulage auf 300 Euro pro Jahr erhöht.

Künftig übernimmt der Staat bei einer Familie mit nur einem Verdiener bei einem Durchschnittsverdienst von 30000 Euro von den 1200 Euro Sparbeitrag für die Zusatzrente bei der Geburt eines Kindes 608 Euro. Die Förderquote für die Familie steigt damit auf über 50 Prozent. Wenn später noch ein zweites Kind hinzukommt, dann klettert der Anteil der staatlichen Unterstützung auf über 75 Prozent (908 Euro). Dabei sind eventuell bereits vorhandene Kinder, für die es jeweils 185 Euro Zulage jährlich gibt, noch nicht berücksichtigt. Riester-Sparverträge werden jährlich mit einem Maximalbetrag bezuschusst, der ab 2008 bei 2100 Euro liegt.

Fiskus rechnet mit

Grundsätzlich kann jeder Arbeitnehmer, der Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, in den Genuss dieser staatlichen Förderung kommen. Die Förderung über Zulagen ist besonders für Geringverdiener, Familien mit Kindern sowie nicht versicherungspflichtige beziehungsweise selbständige Ehepartner geeignet. Bei Arbeitnehmern mit durchschnittlichem und gutem Einkommen – ab 30000 Euro Jahreseinkommen – bringt die Steuerbefreiung eingezahlter Beiträge mehr Vorteile. Das Finanzamt rechnet ab diesem Jahr bis zu 2100 Euro jährlich an und prüft, ob die Steuerbefreiung günstiger ist als die Zulage.

Neu im Angebot ist „Wohn-Riester“. Nach dem Wegfall der Eigenheimzulage Ende 2006 nimmt jetzt die staatliche Förderung von Wohneigentum über eine „Riester-Rente“ einen neuen Anlauf (siehe Kasten). Die Große Koalition hat sich Ende 2007 auf ein Modell geeinigt, das im Rahmen der Riester-Rente einen Beitrag zur stärkeren Ausbreitung der privaten Altersvorsorge leisten soll. Das selbstgenutzte Wohneigentum wird so mit den bisher geförderten Altersvorsorgeprodukten (private Rentenversicherungen, Banksparpläne, Investmentfondssparpläne) gleichgestellt. Das Gesetz, das Wohn-Riester möglich macht, soll in der ersten Hälfte 2008 beschlossen und zum 1. Januar 2008 rückwirkend in Kraft treten.

Helmut Zermin

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

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