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Teure Kredite für Handwerker Umschuldung – das sollten Sie wissen

Muss ein Gerät ersetzt oder der Maschinenpark erweitert werden, hilft kein Zaudern oder Zögern. In dem Fall wird schon mal ein Kredit abgeschlossen, der sich im Nachhinein als zu teuer erweist. Wer schon einmal in diesen sauren Apfel gebissen hat, sollte überlegen, ob eine Umschuldung Sinn macht.

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Schulden stellen für jeden Betrieb eine Belastung dar, lassen sich aber nur selten vermeiden. Um reibungslose Arbeitsabläufe zu gewährleisten und Aufträge fristgerecht zu erledigen, wird auch schon mal ein ungünstiger Kredit abgeschlossen oder das Konto überzogen. In dieser Situation lohnt es sich zu überprüfen, ob eine Umschuldung Sinn macht.

Ziel: Laufende Kredite ablösen

Drei Szenarien sind denkbar, bei denen Handwerksbetriebe die Zinslast durch eine Umschuldung senken können:
  1. Ein bestehender, teurer Kredit wird durch einen neuen, günstigeren abgelöst.
  2. Mehrere Kredite werden in einem Darlehen zusammengefasst.
  3. Das Geschäftskonto bewegt sich schon längere Zeit in den roten Zahlen.
Insbesondere der letzte Punkt, die hohen Kontokorrentzinsen auf dem Geschäftskonto, sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Rutscht das Konto aufgrund hoher Außenstände oder eines eher dünnen Auftragsbuchs für mehrere Wochen oder gar Monate ins Minus, werden bis zu 15 Prozent – teils sogar mehr – Zinsen fällig. Je länger dieser Zustand anhält, desto schneller dreht sich die Zinsschraube. Das lässt sich vermeiden, indem rechtzeitig mit einem Ratenkredit umgeschuldet wird. Die Ersparnis ergibt sich aus der Zinsdifferenz vom Kontokorrent- zum Ratenkredit. Da Schulden auf dem Girokonto jederzeit ohne Rücksicht auf Fristen oder Entschädigungszahlungen abgelöst werden können, raten Verbraucherzentralen Privatkunden bei ihrem Dispo schon seit Jahren zu diesem Schritt, unter anderem, um eine Überschuldung zu vermeiden. Das gleiche Prinzip können sich auch Handwerksbetriebe zunutze machen.

Überblick: Laufende Kreditvorgänge bündeln

Interessant ist eine Umschuldung darüber hinaus, wenn mehrere Zahlungsvorgänge gebündelt werden sollen. Angenommen, Kredit A wurde 2005 aufgenommen, Kredit B zwei Jahre später und Kredit C schließlich 2010, müssen Monat für Monat drei Raten gezahlt werden. Kommt dann noch Kontokorrent hinzu, sind es schon vier Verpflichtungen. Das mag an sich kein Problem darstellen, sofern die Raten problemlos aufgebracht werden können, sorgt bisweilen aber dafür, dass man den Überblick verliert. Deutlich einfacher wäre es, wenn nur eine Rate zu Buche schlägt. Das ließe sich realisieren, indem die laufenden Kredite durch einen neuen abgelöst werden.

Bonitätsminderung vermeiden

Die klaren Finanzstrukturen haben nicht nur den Vorteil, dass die Buchhaltung entlastet und übersichtlicher wird. Sie machen sich auch in puncto Bonität durchaus bemerkbar. Je mehr Darlehen ein Unternehmen aufnimmt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Kreditwürdigkeit leidet. Die Folge wäre – auch mit Blick auf die immer strengeren Vergaberichtlinien für Firmenkredite –, dass es zukünftig deutlich schwerer wird, Banken davon zu überzeugen, einen benötigten Kredit zu bewilligen. Auch wenn ein neues Geschäftskonto eröffnet werden soll, machen sich mehrere Kreditverpflichtungen negativ bemerkbar. Eine Umschuldung ist daher auch für künftige Investitionen überlegenswert.

Tipp: Mehrere Kredite sorgen meist für eine Bonitätsminderung und damit schlechtere Konditionen. Um den Score und die Bonität zu verbessern, kann die Umschuldung der richtige Weg sein.

Was kosten die bestehenden Kredite?

Letztlich geht es aber in erster Linie darum Geld zu sparen – ob nun ein teures Darlehen oder der noch teurere Kontokorrentkredit abgelöst wird. Niemand hat Geld zu verschenken. Warum sollte also ein zu schlechten Konditionen abgeschlossener Kredit fortgeführt werden, wenn die Möglichkeit besteht, eine günstigere Variante zu finden? Wie hoch das Sparpotenzial einer Umschuldung ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Hier kommt es auf die jeweiligen Verträge und die Rahmenbedingungen an. Bevor an eine Umschuldung gedacht wird, sollte also erst in die Papiere gesehen werden, zumal eine vorzeitige Ablösung in der Regel mit Kosten verbunden ist. Diese Gebühren müssen bei der Kalkulation berücksichtigt werden.

Die Kosten für eine Umschuldung

Dass Banken das Feld nicht ohne Gegenwehr räumen und bei einer Umschuldung die Hand aufhalten, ist verständlich. Hier spielen zwei Faktoren eine Rolle: Zum einen musste die Bank den Kredit selbst finanzieren. Zum anderen entgehen dem Kreditinstitut Zinszahlungen. Diese Verluste lassen sich die Bankhäuser über eine „Strafgebühr“ bezahlen. Deren Höhe richtet sich nach der Restlaufzeit und dem noch ausstehenden Kreditbetrag. Für Privatkunden hat der Gesetzgeber diesbezüglich klare Richtlinien aufgestellt. Die Gebühr darf bei einer noch ausstehenden Laufzeit von über zwölf Monaten maximal 1,00 Prozent betragen, unter zwölf Monaten sind es 0,5 Prozent. Um sich ein genaues Bild von den Kosten machen zu können, sollte explizit bei der Bank nachgefragt werden, welche Gebühren in Rechnung gestellt werden. Nur mit dieser Zahl lässt sich ermitteln, ob es günstiger wäre, den Kredit fortzusetzen oder umzuschulden.

Tipp: Die Konditionen der bestehenden Kredite, von den Zinsen bis hin zu den Gebühren für eine vorzeitige Ablösung, sind maßgeblich dafür, ob eine Umschuldung sich rentiert. Nehmen Sie sich deshalb die Verträge und notieren die wichtigsten Eckpunkte für einen späteren Vergleich. Unklarheiten, insbesondere zu den Kosten, sollten ebenfalls im Vorfeld geklärt werden, um keine unangenehme Überraschung zu erleben.

Kreditvergleich: Nach günstigen Konditionen suchen

Grundvoraussetzung, um sich ein Bild von der möglichen Ersparnis machen zu können, ist und bleibt jedoch ein Kreditvergleich. Zweifelsohne haben es Privatkonsumenten diesbezüglich leichter als selbstständige Handwerker. Privatkunden können sich im Internet auf seriösen Vergleichsplattformen über die Konditionen informieren und den gewünschten Kredit in der Regel direkt online abschließen. Da im Geschäftskundenbereich andere Vergaberichtlinien gelten und es für Firmen keine „Angebote von der Stange gibt“, steht Selbstständigen dieser Weg nicht offen. Die Vergleichslisten der Onlineportale können allerdings dabei helfen, geeignete Banken für die Umschuldung zu finden. Bei diesen Kreditinstituten können später individuelle Angebote angefragt werden. Den Ausschlag, zu welchen Konditionen die Umschuldung möglich wäre, geben jedoch wie gehabt Bonität und Score des Antragstellers. Für die Auswertung der Offerten und den eigentlichen Kreditvergleich kommt es dann vor allem auf die Zinssätze an. Denn der Zins ist das kostentreibende Element und damit maßgeblich für den finanziellen Nutzen einer Umschuldung.

Service: Viele Banken helfen bei der Umschuldung

Darüber hinaus sollten auch die übrigen Rahmenbedingungen und der Service stimmen, damit eine Umschuldung reibungslos über die Bühne geht. Fragen, die in dem Zusammenhang von Bedeutung sind, lauten zum Beispiel: Sind kostenlose Sondertilgungen möglich, falls es die finanzielle Lage zulässt? Kann gegebenenfalls mit einer Monatsrate ausgesetzt werden, wenn die Geschäfte mal schlechter laufen? Hilft die Bank bei der Umschuldung? Dass Banken sich um die komplette Abwicklung kümmern, ist längst keine Ausnahme mehr. Dadurch bleibt dem Kunden mehr Zeit für die wesentlichen Dinge. Man kann sich weiter voll auf die Arbeit konzentrieren, statt stundenlang Formulare ausfüllen zu müssen. Ist man sich in dem einen oder anderen Punkt nicht sicher, welche Leistungen erbracht werden oder welche Konditionen gelten, lohnt sich ein Anruf bei der Bank oder ein persönliches Gespräch. Dadurch kann man sich auch gleich einen Eindruck davon machen, wie es um den Service bestellt ist und welche Chancen bestehen, den gewünschten Kredit zu erhalten.

Tipp: Sprechen Sie mit mehreren Banken, um den Kreditvergleich auf eine möglichst breite Basis stellen zu können. Weisen Sie direkt bei der Anfrage daraufhin, dass eine Umschuldung geplant ist. Unter Umständen hilft die Bank später, alle nötigen Schritte einzuleiten, um mehrere Kredite in einem günstigeren Darlehen zusammenzufassen.

Kosten-Nutzen-Rechnung: Lohnt die Umschuldung?

Liegen die ersten Angebote für ein Darlehen vor, gilt es, mit spitzem Bleistift zu rechnen und drei Facetten in Relation zu setzen: die Kosten für den bestehenden Kredit bzw. die bestehenden Kredite, die Gebühren für die vorzeitige Ablösung und die Zinslast des neuen Vertrages. Auf der einen Seite stehen die laufen Verpflichtungen, auf der anderen die Kosten, die durch den neuen Kredit entstehen, plus die Gebühren. Finanziell macht sich eine Umschuldung bei einem regulären Bankkredit nur dann bezahlt, wenn die Zinsersparnis nicht gänzlich durch die Entschädigung zunichtegemacht wird. Geht es darum, einen Kontokorrent abzulösen, ist die Rechnung deutlich einfacher: Liegt der Zins für den Ratenkredit unter Kontokorrent-Niveau, steht auf der Habenseite eine satte Ersparnis.

Ein Kredit = nur noch eine Rate

Das weitere Vorgehen ist dann relativ leicht: Der Kredit, mit dem die alten Lasten abgelöst werden sollen, wird beantragt. Übernimmt die Bank die Umschuldung, muss man sich um nichts weiter kümmern. In dem Fall werden die laufenden Kredite komplett bezahlt und somit abgelöst. Ansonsten ist es am Kunden, die noch ausstehenden Beträge zu überweisen, damit der Kredit ad acta gelegt werden kann. Von da ab ist dann nur noch eine Rate zu zahlen bzw. muss man sich keine Gedanken mehr über die zu hohen Kontokorrentzinsen machen.

Fazit: Investition in die Zukunft

Gerade für Betriebe, die viele Kredite bedienen müssen, bietet eine Umschuldung eine Entlastung – sowohl finanziell, als auch für den Arbeitsaufwand der Buchhaltung. Das gilt selbst dann, wenn „nur“ der Kontokorrentkredit abgelöst werden soll. Nicht zu vergessen: der Bonitätsaspekt. Nichts wäre fataler, als ausgerechnet dann eine Absage von der Bank zu erhalten, wenn dringend Kapital benötigt wird, und das nur, weil bereits mehrere Darlehen zu Buche stehen. Deshalb ist es umso wichtiger, die eigene Kreditwürdigkeit zu sichern und zu festigen, indem man sich um „Altlasten“ kümmert und reinen Tisch macht. Ganz ohne Kosten-Nutzen-Rechnung sollte dieses Vorhaben jedoch nicht in Angriff genommen werden. Eine Umschuldung ist nur dann zu empfehlen, wenn sie tatsächlich den einen oder anderen Euro einspart. Dafür lohnt es sich, Kredite zu vergleichen, sich mit den Banken in Verbindung zu setzen und zu rechnen. Doch selbst wenn die Umschuldung von der Planung bis zur Umsetzung mehrere Stunden in Anspruch nimmt, gegebenenfalls mithilfe des Steuerberaters oder eines Wirtschaftsprüfers, handelt es sich im günstigsten Fall um eine Investition in die Zukunft des Betriebs.

Quelle: Diese Informationen zum Thema Umschuldung stellt das Portal www.kreditvergleich.org exklusiv für handwerk magazin zur Verfügung.

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