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Finanzierung Trend: So geht Crowd-Finanzierung mit dem eigenen Netzwerk

Die Bank als Finanzierungspartner ist wichtig, aber es gibt inzwischen gute Ergänzungen. So lässt sich mit Crowdfinanzierung fast jedes Projekt schnell und zuverlässig finanzieren. Neu: Wer dabei sein eigenes Netzwerk einbindet, kann die Öffentlichkeit von Plattformen vermeiden - und einen doppelten Nutzen für seinen Betrieb schaffen. Billig ist das Ganze aber nicht.

Topic channels: TS Eigenkapital, TS Crowdfunding und TS Mezzanine

Ein schickes Restaurant in Frankfurt aufzumachen, ist nicht eben günstig. Rund 500.000 Euro Kapitalbedarf ermittelte ein Unternehmer für die Realisierung seines Lebenstraums. Nach nur vier Monaten hatte er das benötigte Eigenkapital aus seinem e igenen Netzwerk eingeworben. Er verspricht seinen Investoren eine Rendite von 4,8 Prozent – so viel Promille hat das Bier, das er ausschenkt – und gewährt ihnen 10 Prozent Rabatt, wenn sie bei ihm essen.

„Wer seine Finanzierung mit solchen Goodys ausstattet, punktet schnell bei potenziellen Investoren“, weiß Johannes Laub, Mitgründer und Geschäftsführer von CrowdDesk. Das Unternehmen bietet eine Software an, die bisher rund 220 Unternehmer für ihre Finanzierungen genutzt haben – wie auch der Frankfurter Gastronom.

Corona drückt auf das Eigenkapital

Laut Ifo-Institut hat das Eigenkapital (EK) deutscher Firmen während der Coronakrise gelitten. „Sechs Prozent der Firmen berichteten über starke Rückgänge. Bei insgesamt 30 Prozent ist die Eigenkapitalquote gesunken“, schreibt Professor Dr. Andreas Peichl in seiner jüngsten Studie. Wer sein EK wieder auffüllen oder für ein Projekt frisches Kapital benötigt, kann dies mithilfe der Software von CrowdDesk relativ einfach online organisieren: Der Kapitalsuchende gibt das zu finanzierende Projekt, seinen Finanzierungsbedarf und alle Finanzierungskonditionen - er bestimmt sie selbst - in die Software ein. „Unser Template sorgt dafür, dass der Unternehmer nichts vergisst“, sagt Laub. Dann entscheidet er, wem er dieses Angebot zukommen lassen möchte. „Ein Unternehmer kann beispielsweise seinen Mitarbeitern seine Finanzierungsanfrage anbieten oder auch einer von ihm erstellten privaten Whatsapp-Gruppe, beispielsweise einer für Lieferanten, Freunde oder Kunden“, erklärt Laub. Oft seien befreundete Unternehmer interessiert, sich an den Betrieben ihrer Freunde zu beteiligen. Das sei ihnen lieber, als Geld an der Börse in ihnen unbekannte Unternehmen zu stecken.

Mezzanin: Eigenkapital (EK) und Fremdkapital (FK) - je nach Bedarf

Die Kunden von CrowdDesk suchen meist Mezzanine-Kapital, also eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital. Die Mischung ergibt sich aus dem Verwendungszweck und den Konditionen, die einerseits EK-ähnlich - volle Haftung, Gewinnbeteiligung, Mitspracherechte, keine Verzinsung - und andererseits FK-ähnlich - Verzinsung, Rückzahlung, keine Mitspracherechte - sein können. Zudem kommt es auf das Finanzinstrument an: Genussrechte und stille Beteiligungen sind EK, Darlehen sind FK.

Der Vorteil von Mezzanin-Kapital: Es wird als Eigenkapital bilanziert. "Betriebe erhöhen durch Mezzanin-Kapital also ihre Eigenkapitalquote, so dass sie leichter an Kredite von Banken kommen", erklärt Laub.

Ein Beispiel: "Unser Kunde fairfood Freiburg hat 400.000 Euro in einzelnen Tranchen eingesammelt und dabei auf eine Mezzanine-Finanzierung gesetzt, die dem FK näher steht, da es eine Verzinsung und Rückzahlung gab und das Kapital unmittelbar für die Finanzierung von Investitionen verwendet wurde. Unser Kunde Africa GreenTec hat bis dato - das Funding läuft noch - knapp 1,9 Millionen Euro eingesammelt und dabei auf eine Mezzanine-Finanzierung gesetzt, die dem EK näher steht, da es Genussrechte ausgibt, die die Investoren direkt am Unternehmensgewinn und an der Unternehmenswertsteigerung teilhaben lassen.

Fazit: Wer Geld für ein Projekt über eine Crowdfinanzierung einsammeln möchte, kann die Konditionen frei bestimmen und so festlegen, ob es sich (bilanziell) eher um EK oder um FK handelt.

Rechtssichere Verträge ohne Notar

Die rechtliche Seite der Finanzierung wird über die Software von CrowdDesk abgesichert: So stellt sie ein Vertragsangebot dar, das alle gesetzlichen Vorgaben an das Einwerben von Kapital erfüllt. Jeder Investor kann maximal 25.000 Euro als Kapital geben. „Ganz ohne Handelsregister und Notar“, sagt Laub. Das Fremdkapital ist nachrangig hinter Bankforderungen. Investoren erhalten eine monatliche Betriebswirtschaftliche Aufstellung (BWA) und nach sechs Monaten ein Reporting. „Und er kann sich jederzeit mit persönlichem Passwort in die Software einloggen und Einblick in den Projektfortschritt nehmen“, informiert Laub. Er empfiehlt Handwerksunternehmer, ihr Projekt in der Software aktuell zu halten und transparent zu sein. „Das schafft Vertrauen“, ist Laub überzeugt. Er arbeitet eng mit den Volksbanken zusammen: „Sie finanzieren viele Projekte für das Handwerk. Aber wenn es nicht reicht, arbeiten sie eng mit uns zusammen.“

Zusätzlich zu erstellten Gruppen aus seinem Netzwerk kann der Handwerksunternehmer auch auf seiner Homepage für sein Finanzierungsvorhaben werben. „Da steht dann beispielsweise: ‚Wir haben einen Investmentarm für Family &Friends‘, mit Link zu weiterführenden Informationen“, erklärt Laub.

Je Zielgruppe können individuelle Konditionen für ein Finanzierungsvorhaben eingegeben werden. „In der Mitarbeiter-Gruppe hat beispielsweise ein Unternehmer neben den gängigen Finanzierungskonditionen noch sein Auto für ein Wochenende zur Verfügung gestellt“, erzählt Laub. Dem Handwerk seien da keine Grenzen gesetzt, da sie oft eine Dienstleistung anbieten, die ihren Geldgebern von Nutzen sein können. Die Ansprache der Mitarbeiter habe einen zusätzlichen Charme: „Mitarbeiter investieren, wenn sie wissen, dass es ihrem Betrieb gut geht. Denn so können sie ihren eigenen Job sichern und ihr Kapital gut anlegen“, so Laub.

Was kostet eine Finanzierung mit CrowdDesk?

Handwerksunternehmer zahlen eine Setup-Fee von einmalig 1.590 Euro, wenn sie 5 Millionen Euro Eigenkapital einsammeln möchten. Die Höhe der Gebühr richtet sich nach der Höhe des einzuwerbenden Eigenkapitals. Hinzu kommt eine einmalige Gebühr in Höhe von 0,45 bis 2 % von der Summe des tatsächlich eingesammelten Kapitals (abhängig von der Vertragslaufzeit) plus monatlich 575 Euro während der Finanzierungslaufzeit. Bei einer zweiten Finanzierung entfällt die Setup-Fee.

Wenn das Netzwerk nicht ausreicht

Wer innerhalb seines Netzwerkes nicht erfolgreich ist, kann über die Partner von CrowdDesk nach Geldgebern suchen: „Wir haben professionelle Websites, die tolle Projekte listen und bei denen externe Investoren reingucken und unter Umständen Geld geben“, sagt Laub. Dort tummeln sich auch Unternehmer, die gute Projekte finanzieren möchten. „Meist investieren sie in Branchen, in denen sie sich auskennen, da ist das Verständnis für das Finanzierungsvorhaben besser als für den Finanzmarkt. Wer hat schon verstanden, was ein ETF ist?“, fragt Laub.

Risiken der Crowdfinanzierung

Family & Friends ist nicht jedermanns Sache: Ist das finanzierte Projekt kein Erfolg, verliert der Unternehmer nicht nur Geld, sondern möglicherweise auch Freunde und den Familienfrieden. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Geldgeber bei Start-Ups das Risiko kennen und nur so viel Geld geben, wie sie bereit wären, abzuschreiben. Bei allen anderen Unternehmen ist die Insolvenz eher unwahrscheinlich, insgesamt überwiegen die positiven Effekte – wie das Sichern der Arbeitsplätze und das Binden der Kunden“, ist Laub überzeugt.

Tipps von Johannes Laub: „Achten Sie auf Transparenz, eine möglichst breite Ansprache und vertrauensbildende Maßnahmen: Zeigen Sie, was Sie mit dem Geld machen, lassen Sie sich eine professionelle Homepage erstellen, verwenden Sie gute Bilder – und lassen Sie ihre Kapitalgeber auf kreative Weise am Ertrag teilhaben.

Über CrowdDesk: Gründer sind Johannes Laub und Jamal El Mallouki. Sie starteten während ihres Studiums mit der Idee, Crowdfinanzierungen für Städte anzubieten. Doch die Idee setzte sich nicht durch. Die Jungunternehmer passten ihr Geschäftsmodell deshalb vor sechs Jahren an, indem sie es auf alle Kapitalsuchenden erweiterten. „140 Millionen Euro wurden bisher über unsere Software vermittelt. Meist als Mezzanin-Finanzierung, also einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital“, erzählt der Unternehmer. Laub möchte, dass jedermann mithilfe seiner Software einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt erhält. „Das ist besonders für kleine und mittlere Unternehmen interessant, denn sie verfügen nicht über eine große Finanzabteilung und können nun trotzdem eine sehr professionelle Finanzierung auf die Beine stellen“, wirbt er für sein Start-up.

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