Tradition der Fassherstellung: Wo ein Fass, da auch ein Böttcher

Das berühmteste Fass dürfte die Tonne sein, in der Diogenes gesessen haben soll, Leben und Sonne zu genießen. Pipi Langstrumpf kullerte im Holzfass einen Wasserfall herunter und in Bad Dürkheim beherbergt das größte Weinfass der Welt gleich ein ganzes Restaurant. Erfahren Sie mehr zur Geschichte der Fässer und das mit ihnen verbundene Handwerk der Böttcher.

Bevor sich die Menschheit am Handwerk des Böttchers erfreuen konnte, wurden Tongefäße und Tierhäute genutzt, Flüssigkeiten zu transportieren und aufzubewahren. „Die ältesten Hinweise auf die Verwendung des Holzfasses finden wir beim römischen Schriftsteller Aulus Hirtus“, erklärt der Verband des Deutschen Fass- und Weinküfer-Handwerks.

Der römische Feldherr und Staatsmann war Anhänger Caesars und starb im April 43 v. Chr. Um die Lagerung von Süffigem ging es in seinen Aufzeichnungen weniger, sondern um mit Talg, Pech und Dachschindeln gefüllte Holzfässer, die brennend als Verteidigungswaffe gegen römische Belagerer rollten. Eine Verteidigungstaktik der Gallier. Ob sie Holzfässer zuvor für Zaubertrank oder ähnliche Substanzen nutzten, ist historisch nicht belegt. Auch Caesar beobachte die Fässer als brennende Barriere bei den Bürgern von Marseille um 50. v. Chr.

Dass die bauchigen Fässer zur Weinlagerung genutzt wurden, entdeckte der griechische Geograph Strabo (63 v. Chr. Bis 20 n. Chr.) um Christi Geburt. „Er berichtet von keltischen Bojern und Lingonen südlich des Poflusses, die große Mengen Wein gewännen und diese in hölzernen Fässern lagerten“, so der fass- und Weinküfer-Verband. Klingt aus heutiger Sicht realistisch, aber dass sie „größer als ihre Häuser“ gewesen sein sollen, dürfte aus heutiger Sicht eher bezweifelt werden.

Das Holzfass aus Dauben, geschlossen durch Deckel und Boden, zusammengehalten durch Seile oder Reifen sei aber weniger als eine plötzliche Erfindung zu verstehen. Vielmehr entwickelte es sich über einen langen Zeitraum. Gefäße aus der Steinzeit sind die bekanntesten ältesten Erzeugnisse schabender Holzverarbeitung.

„Diese Aushöhltechnik führte eines Tages zur Erfindung der Daube, zum Binden und Auspichen der Holzgefäße“, erklärt der Verband. Schon Herodot, griechischer Geschichtsschreiber beschreibt um 480 v. Chr. hölzerne Gefäße, die von blinden Sklaven bewegt wurden.

Im Mittelalter nannte man Büttner Doleatores, abgeleitet von Dolium, dem lateinischen Wort für Tongefäße zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten. Diese wurden wie auch Tierhäute zur Lagerung und Transport von Flüssigkeiten von Holzfässern aus den Werkstätten der Büttner abgelöst.

Ein im Holzfass gelagerter und gereifter Rotwein gilt heute als qualitativ hochwertig. Ohne sie würden die Winzer nicht freudig zum Genuss aufrufen: Nunc est bibendum (Jetzt muss getrunken werden).

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