Wirtschaft -

Studienabbrecher ins Handwerk

Die Bundesregierung will Ex-Studenten die Chancen im Handwerk aufzeigen, denn Studienabbrecher lassen sich für eine Ausbildung im Handwerk begeistern. Das zeigen erste Modellversuche: Harry Müller wird jetzt Hörgeräteakustiker statt Student, Chefin Brigitte Weitkamp-Moog freut sich darüber.

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Hörgeräteakustiker zu werden – auf diese Idee wäre Harry Müller nach eigener Aussage „allein wohl nie gekommen“. Der heutige Auszubildende der Schweinfurter Firma Hörgeräte Weitkamp studierte nach dem Abitur zunächst Politikwissenschaft an einer Münchener Hochschule. Doch mit zunehmender Studiendauer beschlichen ihn Zweifel, ob er die richtige Wahl getroffen hatte: „Es war alles sehr theoretisch, mir fehlte das Praktische.“ Nach fünf Semestern tauschte er die Hörsäle in München gegen Kinosäle in Würzburg, wo er als Filmvorführer jobbte. „Ich brauchte Zeit zur Neuorientierung“, bekennt er, „denn ich wollte nicht noch einmal danebengreifen.“

Müllers Werdegang ist kein Einzelschicksal. Einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung 2012 veröffentlichten Studie zufolge schmeißen durchschnittlich 23 Prozent aller Diplom- und 28 Prozent aller Bacheloranwärter ihr Studium ohne Abschluss hin. „Dabei sind Wechsler, die sich lediglich ein anderes Fach suchen, nicht mitgezählt“, stellt Ulrich Heublein von der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), der die Untersuchung leitete, klar. Besonders hoch sei die Abbrecherquote mit 48 Prozent im ingenieurwissenschaftlichen Bereich, gefolgt von den naturwissenschaftlichen Fächern, in denen etwa vier von zehn Studenten vorzeitig die Segel strichen.

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