Einkommensteuern -

Steuertricks: Trendwende bei den Steuerfahndern

Viele Steuerflüchtlinge haben Schwarzgeld in Österreich oder der Schweiz durch Umwandlung in Lebensversicherungen weiß gewaschen. Dachten sie zumindest. Der Fiskus ist ihnen längst auf der Spur.

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Schlaflose Nächte. Die fallen einem heute 73-jährigen Handwerker im Ruhestand aus dem Rheinland als Erstes ein, wenn er ans Ende des vergangenen Jahrzehnts zurückdenkt. Jeden Abend ging er mit der Horrorvision ins Bett, im Morgengrauen von der Steuerfahndung geweckt zu werden.

Schließlich hatten die Finanzbehörden damals gerade begonnen, CDs mit den Kundendaten von Schweizer Banken zu kaufen – und auch der Rentner bunkerte Geld in der einstigen Alpenbastion, eine ansehnliche sechsstellige Summe. Doch trotz aller Nervosität konnte er sich nicht durchringen, sich selbst anzuzeigen und einen Teil seines „Notgroschens“ zu verlieren. Stattdessen entschied er sich, das Geld zu verstecken – und wählte den „insurance wrapper“, den sein Kundenbetreuer in der Schweiz empfahl. Bei diesem Modell werden Geldanlagen wie Aktien oder Fonds in eine Lebensversicherung „eingewickelt“ (englisch: to wrap). In Deutschland hat sich für die Produkte der Begriff Lebensversicherungsmantel etabliert.

Entdeckungsrisiko steigt

Sie galten lange als Geheimtipp, um geheimes Vermögen in Sicherheit zu bringen und nach und nach weiß zu waschen. Zehntausende deutsche Anleger haben sich auf die angeblich wasserdichten Modelle eingelassen – vor allem in der Schweiz, aber auch in Österreich und Luxemburg. Und müssen nun doch zittern: „Das Risiko, dass Anleger entdeckt werden, ist deut-lich gestiegen“, warnt Marcus Hornig, Leiter Private Clients bei WTS in Düsseldorf. Der Grund: Insider aus unterschiedlichen Bereichen der Finanzverwaltung berichten, dass die Steuerfahnder die Konstrukte besonders ins ­Visier nehmen. Sie haben dank der engeren Kooperation von Steueroasen wie der Schweiz, Österreich und Luxemburg immer bessere Chancen, „Wrapper“ tatsächlich zu entlarven. Spätestens im nächsten Jahr droht deshalb zahlreichen Betroffenen die Entdeckung.

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