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Checkliste Steuererklärung: Sechs Tipps für junge Gründer

Steuerliche Aspekte spielen für junge Unternehmer gelegentlich eine untergeordnete Rolle. Doch bereits ein kleiner Fehler kann hier mögliche Gewinne, insbesondere während der Gründungsphase, deutlich schmälern. Eine rechtzeitig implementierte und vor allem geschickte Planung hingegen kann die Steuerbelastung deutlich senken.

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Wer gerade anfängt, sein Unternehmen aufzubauen, sollte die zuweilen branchenspezifischen Kniffe und Tricks für die eigene Steuererklärung kennen und für sich nutzen.

So haben speziell Handwerker verschiedene Möglichkeiten zur Gestaltung der steuerlichen Behandlung ihrer Einnahmen, um im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben Steuern zu sparen. Finanzexperte und Geschäftsführer vom Online-Buchhaltungsprogramm Billomat Paul-Alexander Thies gibt sechs Steuertipps und erklärt, was es hierbei zu beachten gibt und welche Vorteile sich nutzen lassen.

1. Sämtliche Werbungskosten in der Steuererklärung verrechnen

Das Finanzamt erhebt Steuerabgaben auf sämtliche Einnahmen und Gewinne, die Arbeitnehmer oder Selbständige erwirtschaften. Die Kosten, die also investiert werden, um das Einkommen zu erzielen, können von den Einnahmen abgezogen werden. Sämtliche Kosten, die für die Ausübung des eigenen Erwerbs aufgewandt werden müssen, erachtet der Fiskus als absetzbar. Diese sogenannten Werbungskosten können in der Steuererklärung verrechnet werden. Als steuermindernde Werbungskosten gelten unter anderem die Ausgaben für Arbeitsmittel, Räumlichkeiten, Fahrten, Weiterbildung, Kontoführung oder Beratung.

2. Den eigenen Pkw als Dienstwagen nutzen

Ein Privatauto, das zwischen zehn bis 50 Prozent für den Betrieb eingesetzt wird, kann steuerlich abgesetzt werden. Hierfür kann das Auto dem Unternehmensvermögen zugeschlagen werden, um so die Vorsteuer geltend zu machen. Diese betrieblich genutzten Fahrzeuge können so zusammen mit den Nebenkosten in vollem Umfang von der Steuer absetzt werden. Wer jedoch das Auto zusätzlich privat nutzt, muss den Privatanteil von den Ausgaben abziehen. Ist das Dienstfahrzeug wiederum für die private Nutzung ungeeignet, weil es zum Beispiel keine Rückbänke besitzt und mit Werkzeugregalen ausgestattet ist, scheidet die ansonsten verbindliche Besteuerung für die Privatnutzung komplett aus.

3. Das traute Heim enger mit einbeziehen

Wer im Privathaushalt einen Raum als Lager für den Betrieb, für etwa Werkzeuge oder Maschinen, nutzt, kann diesen steuerlich absetzen. Dieser Raum darf allerdings nicht als Arbeitsraum genutzt werden und daher nicht mit PC oder Schreibtisch ausgestattet sein. Auch der eigenen Ehepartner kann zum betrieblichen Steuervorteil werden. Unterstützt nämlich der Partner bei der täglichen Arbeit, kann eine Gehaltszahlung für einen Minijobber als Betriebsausgabe abgerechnet werden. Der Ehegatte wiederum muss dann sein Gehalt nicht versteuern.

4. Investitionen und Anschaffungen anrechnen lassen

Kleine und mittelständische Handwerksbetriebe können geplante Investitionen in Höhe von 40 Prozent der Kosten von ihrem Gewinn abziehen. Das gilt ohne Ausgaben für eine Planungsphase von drei Jahren. Wenn jedoch nach drei Jahren keine Investition getätigt wurde, muss die Steuer nachbezahlt werden. Der Gesetzgeber hat zudem den Höchstbetrag für die Absetzbarkeit von geringwertigen Wirtschaftsgütern im Januar 2018 erhöht. So können nun jährlich 800 Euro an Material, Werkzeuge, Gerätschaften, aber auch Laptops oder Handys steuerlich abgesetzt werden. Diese erfahren ihre steuerliche Geltendmachung in einer einzigen Summe. Erst wenn die Anschaffung einen höheren Kaufwert hat, wird der Kaufpreis gesplittet und die steuerliche Absetzbarkeit erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Überdies können Handwerker auch ihre Arbeitsbekleidung, sowie deren Reinigung und Reparatur einreichen. Eine Begründung kann hier dem Finanzamt helfen, eine Bekleidungsanschaffung als berufstypisch anzuerkennen und als Betriebsausgabe von Selbstständigen oder als Teil der Werbungskosten zu akzeptieren. Sachen, die mit dem Firmenlogo versehen sind oder über den Fachhandel erworben wurden, sind so schnell und eindeutig als Arbeitskleidung zu werten.

5. Sonderabschreibung sichern

Beim Kauf neuer Anlagegegenstände, wie einem Auto oder einer neuen Maschine, winkt eine 20-prozentige Sonderabschreibung, wenn bei bilanzierenden Handwerkern der Wert des Betriebsvermögens im Vorjahr nicht mehr als 235.000 Euro betragen hat. Zudem darf der Gewinn im Vorjahr bei Einnahmen-Überschussrechnern nicht über 100.000 Euro liegen. Kann der Betrieb oder Selbstständige dann noch eine mindestens 90-prozentige betriebliche Nutzung im Jahr des Kaufs und im Jahr danach nachweisen, steht einer Sonderabschreibung nichts mehr im Weg. Wichtig hierbei: Je später der Kauf im Jahr getätigt wird, desto besser, da dann die 90-Prozent-Voraussetzung für weniger Monate nachgewiesen und erbracht werden muss.

6. Ist-Versteuerung schafft Steuererleichterung bei nicht-zahlenden Kunden

Umsatzsteuerpflichtige Unternehmen unterliegen grundsätzlich der Soll-Versteuerung. Diese erfordert, dass Unternehmen auch Mehrwertsteuern aus noch nicht bezahlten Rechnungen an das Finanzamt abführen müssen. Wer jedoch im Handwerk tätig ist, wird häufig vor allem eines kennen: Ein abgeschlossener Auftrag, doch der Kunde lässt sich Zeit mit der Bezahlung. Ein Antrag auf umsatzsteuerliche Ist-Versteuerung schafft hier Abhilfe und einen Liquiditätsvorteil. Denn danach muss die Steuer erst dann abgeführt werden, wenn der Kunde die Rechnung auch tatsächlich beglichen hat.

Wer sich, auch über das Thema Steuern hinaus, beraten lassen möchte, kann auf die verschiedenen Förderprogramme von Bund und Ländern zurückgreifen. Diese unterstützen speziell die Neugründung als Handwerker und sind teilweise staatlich geförderte, verbilligte Darlehen, aber auch kostenlose Coachings für Existenzgründer.

Steuertipps für Handwerker

Über Billomat

Billomat ist ein webbasiertes Buchhaltungsprogramm, mit dem Kunden ihre Buchhaltung von überall schnell, sicher und effektiv erledigen können. Mithilfe der mobilen App und der SSL-verschlüsselten Cloud-Technologie können Rechnungen und Mahnungen bequem von unterwegs verwaltet werden. Das Ziel von Billomat ist es, Buchhaltung für Startups, Unternehmen und Selbständige so leicht wie möglich zu gestalten, damit die Nutzer mehr Raum für die wichtigeren Seiten des Geschäftslebens haben.

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