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Arbeitgeber-Portale Sternchen für den Chef

Arbeitgeber-Bewertungsportale im Internet sind für viele Bewerber inzwischen eine wichtige Informationsquelle geworden. Handwerksbetriebe sollten die Portale ernst nehmen, denn sie können den Ruf eines Unternehmens entscheidend beeinflussen.

„Super Arbeitgeber“, „beste Firma“, „gute und pünktliche Bezahlung“, „respektvoller Umgang unter Kollegen“. Wer sich die Kommentare zur Engel Küchenmontagen GmbH auf der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu durchliest, bekommt einen durchweg positiven Eindruck. Die Bewertungen machen Lust, sich zu bewerben: „95 Prozent aller Bewerber kommen heute über das Internet zu uns, etwa über Online-Stellenportale“, sagt Enrico Engel, Geschäftsführer und Inhaber des im thüringischen Leinefelde-Worbis ansässigen Unternehmens.

Etwa jeder Zweite davon schaut beim Portal kununu vorbei, bevor er sein Bewerbungsschreiben abschickt oder zum Vorstellungsgespräch erscheint, berichtet Engel: „Die meisten wollen einfach wissen, wie es bei ihrem potenziellen Arbeitgeber wirklich läuft.“ Bei den Portalen fänden sie dazu Informationen aus erster Hand, nämlich von Arbeitnehmern und anderen Bewerbern, die schon Erfahrungen mit dem Unternehmen gesammelt hätten. Um es Bewerbern leichter zu machen, hat Engel Küchenmontagen die Bewertungen zum Unternehmen bei kununu auf der Firmen-Website verlinkt. Die durchschnittliche Bewertung von 4,6 Sternen kann sich sehen lassen.

Einfluss nimmt zu

Immer mehr Bewerber informieren sich im Netz über potenzielle Arbeitgeber. Laut einer repräsentativen Umfrage des Hightech-Verbands Bitkom tun das bereits drei von zehn Internetnutzern in Deutschland. Mehr als drei Viertel der Nutzer lassen sich von Erfahrungsberichten im Internet in ihrer Arbeitgeberwahl beeinflussen. Und das nicht nur bei kununu, dem Platzhirschen mit mehr als einer Million Arbeitgeberbewertungen und monatlichen Besucherzahlen in Millionenhöhe.

Auch auf Plattformen wie meinchef.de, jobvote.com, companize.com oder glassdoor.de können Angestellte ihren Arbeitgeber beurteilen. Mitarbeiter, Auszubildende oder Bewerber veröffentlichen dort detaillierte Berichte über ihre Erfahrungen in und mit einem Unternehmen. Oder sie bewerten Faktoren wie „Vorgesetztenverhalten“, „Kollegenzusammenhalt“ und „Arbeitsatmosphäre“ mit Sternchen.

Das Prinzip der Websites ist immer gleich: Sie sollen Arbeitnehmern eine Stimme geben und für potenzielle Bewerber auf einen Blick sichtbar machen, was sie erwartet – und wo es im Unternehmen hakt. Dabei müssen Arbeitnehmer nicht mit Konsequenzen rechnen: Sie bleiben anonym.

Die größten Arbeitgeber-Bewertungsportale im Vergleich

Mit Daten sind die Bewertungsportale insgesamt sehr zurückhaltend. So gaben trotz mehrerer Anfragen der Redaktion Jobvote und MeinChef keine Zahlen bekannt. Bei den Handwerksbetrieben war eine eindeutige Zuordnung schwierig.

COMPANIZE GLASSDOOR JOBVOTE JOBVOTING KUNUNU MEINCHEF
Anzahl der Bewertungen insgesamt k.A. 11.000.000** k.A. k.A. 1.374.000 k.A.
Anzahl der registrierten Betriebe k.A. 500.000** k.A. 100.000 283.000 k.A.
Anzahl der registrierten Handwerksbetriebe 9* k.A. k.A. k.A. 2.104 k.A.
Bewertungen zu Handwerksbetrieben insgesamt 6* k.A. k.A. k.A. 5.594 k.A.
Bewertungssystem Skalen von -5 bis +5 1 bis 5 Sterne Punktevergabe in 5 Kategorien. 1 bis 5 Punkte 1 bis 5 Sterne in unterschiedlichen Kategorien 1 bis 5 Sterne in unterschiedlichen Kategorien 1 bis 5 Sterne in unterschiedlichen Kategorien
Kommentarfunktion/Profilfunktion für Betriebe vorhanden Ja, nur für eingeloggte Mitglieder sichtbar. Ja Ja Ja Ja Ja

* Angaben beziehen sich auf die Anzahl der Betriebe in der Kategorie "Handwerk". Companize bietet allerdings noch andere Kategorien, in denen Handwerksbetriebe gelistet sind - etwa "Metallerzeugung und Bearbeitung"

** weltweit

Imagepflege für Firmen

Die Bewertungsportale sind aber nicht nur für Arbeitssuchende und Arbeitnehmer wichtig. Sie spielen auch für Unternehmen eine immer größere Rolle, die ihr Image als guter Arbeitgeber pflegen wollen. Firmen können nämlich auch selbst auf den Bewertungsportalen aktiv werden: Gegen eine monatliche Gebühr, die je nach Unternehmensgröße variiert, haben bewertete Unternehmen die Möglichkeit, ein Profil zu gestalten und offene Stellen auszuschreiben.

Auch können sie Stellung nehmen – sowohl zu positiven wie auch zu negativen Bewertungen. Diese Art der Online-Imagepflege und des Dialogs sollte auch für Handwerksbetriebe Pflicht sein, sagt Daniel Dirkes von der auf Handwerksbetriebe spezialisierten Marketingberatung Artland Marketing. „Bewertungen bei kununu, meinchef.de und anderen Portalen können den Ruf eines Unternehmens erheblich beeinflussen und entscheiden im Zweifel darüber, ob jemand sich überhaupt bewirbt“, so Dirkes, der seit zehn Jahren Handwerksbetriebe aus ganz Deutschland berät.

Allerdings lassen viele Firmen die Arbeitgeber-Bewertungsportale derzeit noch außen vor. „Die Unternehmen setzen eher auf althergebrachte Stellenanzeigen“, sagt Dirkes. Auf lange Sicht sollten Handwerksbetriebe die Arbeitgeber-Bewertungsportale jedoch nicht stiefmütterlich behandeln, rät der Marketingexperte: „Wer sich dort präsentiert und mit positiven Bewertungen aufwarten kann, zeigt neuen Bewerbern, dass das Unternehmen offen ist und seine Mitarbeiter ernst nimmt; und er gibt ganz nebenbei einen Einblick ins Unternehmen. Das kommt gut an.“

Kritik abwehren

Zumal Arbeitgeber sich auch zur Wehr setzen können. Die Stellungnahme-Funktion bei kununu hat auch Geschäfsführer Enrico Engel schon genutzt: In einer Bewertung hieß es, es werde keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter genommen, klagte ein anonymer Mitarbeiter. In einem ausführlichen Kommentar ging Engel sofort auf den Verriss ein – und lud den Nörgler zum offenen Gespräch. „Diese Bewertung hat uns natürlich nicht kalt gelassen“, erinnert er sich. Immerhin sei es oberstes Ziel der Unternehmensführung, ein guter Arbeitgeber zu sein: „Da muss man solche Kritik ernst nehmen.“ Oft spielten auch Kurzschlusshandlungen eine Rolle, und der Groll auf den Arbeitgeber sei gar nicht grundsätzlicher Natur: „Aber das kann man eben nicht wissen.“ Auf das Gesprächsangebot habe der Online-Kritiker bislang aber noch nicht reagiert.

Marketingberater Dirkes empfiehlt Handwerksbetrieben, einen Blick in die einschlägigen Bewertungsportale zu werfen und vor allem auf Negativkommentare zu reagieren. Dabei sei es wichtig, ruhig und sachlich zu bleiben: „Wortreich zurückzuschießen verschlimmert das Problem nur.“

Zudem sollten Chefs ehrlich zu sich selbst sein und sich fragen, inwiefern die Kritik berechtigt sei – und wie sich die Situation verbessern lässt. „Und selbst mit ungerechtfertigter Kritik sollte man sachlich umgehen“, sagt Dirkes. Einfach freundlich nachfragen, wie der Kritiker zu seiner Einschätzung komme, das habe man noch von niemandem gehört. Solche Argumente, verspricht der Experte, nähmen den anonymen Angreifern schnell den Wind aus den Segeln.

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