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Standort: Start im Stadtzentrum

Hohe Mieten, dichte Konkurrenz, anspruchsvolle Kunden: Wer ein Unternehmen in Citylage aufbaut, steht vor besonderen Herausforderungen. Gleichzeitig bieten Citylagen aber beste Chancen für Gründer.

Themenseite: Standortwahl

Großes Hallo auf dem Marktplatz von Gilching im Münchner Speckgürtel. Janine und Florian Weiß, Gründer des Hörstudio Weiß, haben zur Eröffnungsfeier eingeladen. 100 Gäste sind gekommen. Außer Essen und Trinken gibt es T-Shirts, die André Zapf, Verteidiger der Fußballnationalmannschaft der Hörgeschädigten, signiert. „Wir haben uns bewusst für eine Zentrumslage entschieden, weil Kunden so einen Besuch mit anderen Einkäufen verbinden können“, sagt Florian Weiß. Die beiden Hörgeräteakustiker störte nicht, dass die Konkurrenz direkt in der Nachbarschaft sitzt.

Experten zufolge hat das Unternehmerehepaar bislang alles richtig gemacht. Vor allem die Standortwahl überzeugt Hartmut Drexel. „Für eine Verkaufslage gibt es keine Alternative zur Topadresse“, sagt der Leiter Betriebsberatung der Handwerkskammer in München. Dabei haben Gründer in Innenstädten weit schwierigere Startbedingungen als in Randlagen oder in der Region. Die meisten City-Standorte zeichnen sich durch hohe Miet- und Betriebskosten aus, sie sind für Pkw-Kunden schwer erreichbar und können häufig nicht oder nur mit Mühe erweitert werden. Außerdem sind Vorschriften der Arbeitsstätten- und Gewerbeverordnung schwerer zu erfüllen.

Jeder Existenzgründer kann solche Nachteile nur mit erhöhten Besucherfrequenzen kompensieren. Er muss nicht nur Stammkunden aufbauen, sondern auch Laufkunden vom Wettbewerb abwerben. Je zentraler sein Standort in der Innenstadt ist, desto bessere Chancen kann er sich hierfür ausrechnen. „Wenn ein Gründer sich für eine 1B- oder 1C-Lage entscheidet, zahlt er zwar deutlich weniger Miete, muss aber einen hohen Marketingaufwand einkalkulieren“, gibt Drexel zu bedenken.

Nicht ohne Standortanalyse

An einer Standortanalyse kommen Gründer vor allem dann nicht vorbei, wenn sie einen Firmenplatz mitten in der Innenstadt planen. „Eine solche Analyse muss ausloten, ob für die angebotenen Produkte und Dienstleistungen überhaupt ein Bedarf besteht“, sagt Markus Wotruba, Leiter Standortforschung der BBE Handelsberatung. Wenn der Gründer keine Alleinstellungsmerkmale hat, bleibt ihm nur der Verdrängungswettbewerb über günstigere Preise oder bessere Qualität. Die Startbedingungen sind dann besonders schwierig.

Doch viele Kommunen bieten Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Standort oder der Vermittlung von Fördergeldern an. Sie wollen so auch ihre Innenstädte wiederbeleben, die jahrlang vernachlässigt worden sind. Die meisten Chancen können sich Existenzgründer in Städten ausrechnen, die in strukturschwachen Regionen liegen. Einige Kommunen haben sogar eigene Förderprogramme aufgelegt. Ein Beispiel ist die hessische Stadt Eschwege, die mit EU-Mitteln knapp 20 Existenzgründungen in ihrer Innenstadt – darunter auch Handwerker – unterstützte.

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