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Sponsoring: Im Dunstkreis der Weltspitze

Mit einem eigenen Radsport-Team will Bora-Chef Willi Bruckbauer die Bekanntheit seiner Marke weiter steigern. Ein mutiges Engagement des Schreinermeisters aus Raubling, das jedoch wohlkalkuliert ist.

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Disziplin, Leidenschaft, Zuverlässigkeit und Ausdauer – wenn Willi Bruckbauer über die Erfolgskriterien im Radsport redet, spürt der Zuhörer sofort: Hier spricht nicht der Chef von Bora Lüftungstechnik im bayerischen Raubling, sondern der ehemalige Rennfahrer. Nach Schreinerausbildung und Meisterprüfung hat sich der damalige Amateursportler voll auf den Sport konzentriert und bis zu 130 Renntage pro Jahr abgespult. Ein mörderisches Programm, das einem Ziel diente: als Radsportprofi beim größten Radrennen der Welt, der Tour de France, zu starten. „Ich wäre gerne Profi geworden, doch mein Talent hat dazu einfach nicht gereicht“ erinnert sich der 48-Jährige.

Neustart als Küchenprofi

Wie viele ehrgeizige Sportler hatte er lange damit zu kämpfen, seinen Traum aufgeben zu müssen. Mit 25 Jahren entschied er sich dann schweren Herzens zum Einstieg in den Familienbetrieb. Doch auch dieser Weg hatte seine Tücken, wie der Vater von drei Töchtern heute sachlich analysiert: „Die Zusammenarbeit mit meinem Vater hat einfach nicht funktioniert, deshalb gründete ich schließlich meinen eigenen Betrieb.“ Vom Start weg konzentrierte sich der Schreinermeister auf das lukrative Küchengeschäft. Bei der Umsetzung seiner Vision vom „Lebensraum Küche“ stand dem Jungunternehmer diesmal ein anderer Gegner im Weg: die Dunstabzugshaube.

Das ästhetisch wenig ansprechende Monstrum zerstört nicht nur die Optik und raubt Platz, sondern ist für die Köche wegen der ständigen Anstoßgefahr auch ein sprichwörtlicher Gefahrenherd. Da die am Markt vorhandenen Alternativen ihm nicht genügten, entwickelte Bruckbauer ein eigenes Kochfeldsystem, das er 2006 patentieren ließ. Was folgte, ist fast ein Abbild der zunächst sehr steilen Radsportkarriere des Rennfahrers Willi Bruckbauer:

Die 2007 mit einem Mitarbeiter gestartete „Bora Lüftungstechnik GmbH“ ist bis heute auf 100 Mitarbeiter an zwei Standorten (Raubling und Niederndorf/A) gewachsen. Die ausschließlich über Schreiner und Küchenhändler vertriebenen Kochsysteme werden in 24 Länder exportiert, letztes Jahr wurde im australischen Sydney der erste Showroom außerhalb Europas eröffnet. Finanziert wurde das rasante Wachstum – wie im Radsport üblich – aus eigener Kraft: Mit einem engagierten und treuen Team von Mitarbeitern, aber ohne externes Risikokapital. Was jedoch keineswegs bedeutet, dass die Entwicklung der Marke bereits den Zielstrich erreicht hat. Im Gegenteil, wie der mit 10 000 Kilometern pro Jahr noch immer sehr aktive Radfahrer Bruckbauer betont: „Um weiter wachsen zu können, müssen wir zunächst in die Bekanntheit der Marke investieren.“

Als das Team seines Freundes und ehemaligen Partners bei Sechstagerennen, Ralph Denk, einen neuen Namenssponsor suchte, bot sich für Bruckbauer die Chance, seinen Traum von der Tour-de-France-Teilnahme – auf kleinen Umwegen – doch noch zu realisieren. Aber der Oberbayer wäre kein erfolgreicher Unternehmer, würde er ausschließlich nach seinen privaten Vorlieben entscheiden. Er ließ sich von einer Agentur drei Sponsoring-Pakete in den Bereichen Radsport, Wintersport und Fußball schnüren, der Vergleich von einzusetzendem Budget und Quoten zeigte laut Bruckbauer ein klares Bild: „In Sachen Bekanntheit ist der Radsport nicht zu schlagen, die Tour de France kann sich beim weltweiten Zuschaueraufkommen durchaus mit einer Fußball-WM messen.“

Willi Bruckbauer, Schreinermeister in Raubling, ist mit Bora Lüftungstechnik in nur zehn Jahren auf 100 Mitarbeiter gewachsen und exportiert heute in 24 Länder.

Die Marke sympathisch präsentieren

Nachdem das vorher noch unter dem Namen „NetApp“ fahrende zweitklassige Kontinentalteam von Ralph Denk im letzten Jahr bei der „Grand Tour“ in Frankreich überzeugt hatte, erhielt die nun für „Bora Argon 18“ fahrende Mannschaft auch für 2015 das Startrecht. Das Ziel ist es vor allem, sich in Ausreißergruppen zu präsentieren: „Ein Fahrer von uns in der Spitzengruppe, die eine Stunde oder länger im Fernsehen gezeigt wird, das macht unsere Marke bekannt und im Sportumfeld auch sympathisch“, schwärmt der Schreinermeister.

Angst vor Negativ-Schlagzeilen, die ehemalige Sponsoren wie Telekom oder auch Gerolsteiner genauso zum Ausstieg bewogen haben wie ARD und ZDF, hat der Bora-Chef nicht: „Der Radsport hat viele Fehler in Sachen Doping und dem Umgang mit der Öffentlichkeit gemacht, doch unser Team fährt sauber, es wird nicht mal die übliche Ausnahmegenehmigung für ein cortisonhaltiges Asthmamittel geduldet.“ Zudem, so der Unternehmer, erreichen die Zuschauerzahlen bei den großen Radrennen in Europa Spitzenwerte, das gute Abschneiden der deutschen Fahrer bei der letztjährigen Tour habe schließlich auch das öffentlich rechtliche Fernsehen zum Wiedereinstieg in die Live-Berichterstattung motiviert.

Wenn am 4. Juli in Utrecht (Niederlande) der Start zur 102. Auflage der Tour de France erfolgt, hat Willi Bruckbauer seine persönliche Fahrt über die berühmte Champs-Élysées in Paris bereits hinter sich: Mit 100 VIP-Kunden von Bora dreht er auf eigens dafür produzierten Bora-Rädern eine kleine Schleife auf der Prachtstraße von Paris. Dass er dabei (voraussichtlich)nicht wie die Rennfahrer live bei ARD oder ZDF zu sehen sein wird, kann auch der ehemalige Rennfahrer in ihm verschmerzen: Hauptsache, seine Jungs vom Team sind während der Tour oft genug im Bild.

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