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Udo-Herrmann-Kolumne, 10. Folge So starten Handwerker mit weniger Ballast ins neue Jahr

In seiner Kolumne "Endlich alles im Lot! Mehr Freiraum und Erfolg durch bessere Organisation" gibt der Erfolgstrainer für Handwerksbetriebe, Udo Herrmann, monatlich Tipps, wie Sie Ihren Betrieb besser organisieren können. In der zehnten Folge erklärt der Schreinermeister, wie Sie Ballast abwerfen und so Kapazitäten für neue Projekte frei werden.

Themenseite: Endlich alles im Lot! Mehr Freiraum und Erfolg durch bessere Organisation

"Wenn wir das jetzt wegwerfen, kommt bestimmt morgen ein Kunde und wir könnten genau das gut brauchen!" – Dieser Satz fällt häufig, wenn wir mit der ganzen Mannschaft rigoros unser Lager ausmisten.

Im Laufe der Jahre oder auch nur in einem Geschäftsjahr sammelt sich vieles an. Materialreste von der Baustelle – zu schade zum Wegwerfen. Ware aus Fehlbestellungen oder Kommissionsware mit kaum sichtbaren Beschädigungen. Bei uns haben sich nach dem Sommerurlaub parallel gleich zwei große Baustellen nach hinten verschoben und wir hatten 2 Tage Luft. Diese Zeit haben wir investiert, um Ordnung zu schaffen. Als Parkettlegebetrieb haben wir ein großes Restelager, in dem wir viele unterschiedliche Holzarten in verschiedenen Sortierungen und Abmessungen vorhalten. Passiert irgendwo ein Wasserschaden oder werden nur einzelne Parkettlamellen beschädigt, können wir mit dem eingelagerten Material schnell die Reparaturen ausführen – soweit die Theorie.

Ballast abwerfen: So schaffen Sie Platz für Neues

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich im Laufe der Zeit so viele unterschiedliche Produkte ansammeln, dass bei Bedarf große Suchzeiten entstehen. „Das müssten wir doch eigentlich da haben – Mist andere Sortierung und Stärke, passt auch nicht!“ Nach langem Umstapeln, Messen und Zurücksortieren wird dann doch die benötigte Ware neu bestellt. Ich denke nicht nur in meinem Gewerk ist das Warensortiment derart gewachsen, dass ein Lagern aller möglichen Reste, schon aus Platzgründen kaum noch möglich sein dürfte. Zugegebener Weise: Es kostet Überwindung, sich von wertvollen Resten zu trennen. Aber Ballast abzuwerfen, schafft Vorteile. Zum einen entsteht mehr Platz und Fläche für Neues, zum anderen reduzieren sich Suchzeiten enorm. In unserem Fall ist es häufig günstiger, Waren mit Mindermengenzuschlag und Expresskosten neu zu ordern als einen Mitarbeiter zum Suchen ins Lager zu schicken.

Nicht nur verstaubte Lagerartikel oder „Ladenhüter“ können zu Ballast werden, sondern auch Angebote und Dienstleistungen, die – aus Tradition und Gewohnheit – schon immer gemacht werden. Gerade zum Jahreswechsel ist ein guter Zeitpunkt, um innezuhalten und sich zu fragen, ob das Unternehmen im kommenden Jahr vielleicht mit mehr Leichtigkeit geführt werden kann.

Für einen besseren Ertrag: Diese Fragen sollten Sie sich stellen

Welche Produkte oder Dienstleistungen bringen den besten Ertrag? Wo gibt es neue lukrative Trends? Welche Abläufe lassen sich verschlanken und optimieren? Wo kann ein Papierstapel durch eine passende App ersetzt werden? Ich erlebe in meinen Coachings und Trainings bei Handwerkskollegen viele überlastete Unternehmer und Führungskräfte. Neben der bürokratischen Last führen häufig beibehaltene Gewohnheiten zur Überlastung. Wenn wir in diesem Zusammenhang über Ballast abwerfen nachdenken, stellen sich folgende Fragen:

  • Was haben wir noch aus Gewohnheit im Programm, obwohl es weder Spaß macht, noch einen guten Ertrag bringt?
  • Welche Dienstleistung oder welches Produkt kann ohne negative Folgen reduziert oder gestrichen werden?
  • Was erledigen wir nur aus Gefälligkeit, ohne dass es uns etwas bringt?

Über diese Punkte nachzudenken, um sich anschließend konsequent umzustellen: Das kann für jeden lohnenswert sein, der sich im Alltag überlastet fühlt.

Kräfte sparen: Prüfen Sie auch Kundenbeziehungen

Übrigens können auch Kunden zu einer großen Last werden. Beispielsweise, wenn diese unfair mit den Mitarbeitern umgehen, ihre Rechnungen zu spät oder mit Abzügen zahlen oder Erwartungen einfordern, die nicht zu erfüllen sind. Sich von solchen Energie- und Zeiträubern zu verabschieden kann ebenfalls sehr befreiend sein. Das Trennen von alten Dingen, unliebsamen Gewohnheiten oder von kräftezehrenden Geschäftspartnern schafft Raum für neue Ideen, tolle Kunden und mehr Erfolg.

Genau das wünsche ich Ihnen in 2019!

Ihr Udo Herrmann, Schreinermeister und Erfolgstrainer für Handwerksbetriebe.

Udo Herrmann, Kolumne

Biografie:  
Udo Herrmann, hat mit 23 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt und führt seit 18 Jahren das Handwerksunternehmen "Herrmann Parkett.Möbel.Räume." (
www.herrmann-parkett.de ) im unterfränkischen Bürgstadt, das mehrfach bundesweit ausgezeichnet wurde . Seit mehr als 10 Jahren ist er Vorstand einer Handwerkskooperation, die ganzheitliche Konzepte für Ihre Kunden entwickelt. Er hat das Erfolgskonzept für Handwerker entwickelt und eine Ausbildung zum 7 SUMMITS® Strategie Coach absolviert. Der Schreinermeister trainiert Selbstständige und Führungskräfte, als Coach begleitet er Handwerksbetriebe bei der Weiterentwicklung des Betriebes. 2016 ist sein Buch „Von Nichts Kommt Niemand“ erschienen, in dem er wertvolle Tipps zum Akquirieren und binden von Fachkräften im Handwerk gibt.

Buch-Cover

   

Im April 2018 erschien seine neue Buchveröffentlichung " Endlich alles im Lot: Das Profikonzept für mehr Freiraum und Erfolg im Handwerk " mit allen ausführlichen Leitfäden, Checklisten und Arbeitsanleitungen von Udo Herrmann.  Erhältlich im Holzmann-Medienshop .

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  • Ballast abwerfen (PDF, 87 kB)

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