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Idee Verwirklichen So sieht ein Haus aus Metall aus

Michael Schrodt sorgte in seiner Heimatstadt für Aufruhr. Der Spenglermeister baute ein Haus, das die Gemüter der Nachbarschaft spaltet.

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Wenn Michael Schrodt an seinem Doppelhaus im bayrischen Dachau arbeitet, kommt es nicht selten vor, dass es an der Tür klopft: „Darf ich mir Ihr Haus auch einmal von innen anschauen?“, fragten ihn Besucher schon häufig. Der Handwerker öffnet seine Türen dann gerne und zeigt interessierten Passanten, wie es in seinem Haus aus Metall aussieht.

Angefangen hatte alles vor drei Jahren mit dem Obstgarten seiner verstorbenen Großmutter, den Michael Schrodt bebauen wollte: „Ich habe mich einfach hingesetzt und angefangen draufloszuzeichnen. Das war dann auch mein erster Entwurf.“ Danach ging die Ausarbeitung mit der Architektin seines Vertrauens, Susanne Seemüller, weiter. Zusammen mit ihr bekam das Haus mit Aluminiumverkleidung den Feinschliff, wie beispielsweise die runden Kanten.

Gebaut hat der Spengler das Doppelhaus mit Metallhülle aber nur für sich. Entworfen und gebaut hat der Spengler das Doppelhaus mit Metallhülle aber nur für sich. „Es ist eine Art Experiment“, erklärt er. „Ich wollte ein Haus schaffen, das mich überdauert, keine laufenden Kosten produziert und zeigt, wie effektiv Metallfassaden sind.“ Aus dem Projekt kann der Meister so für die Zukunft lernen. Ein klassischer Fall von Learning by Doing. Gleichzeitig lebte er seine kreative Ader aus. „Wie mein Lehrer in der Berufsschule schon immer zu sagen pflegte, der Spengler ist ein Künstler. Das sehe ich auch so. Spengler sind Querköpfe. Wir sind alle ein bisschen exzentrisch“, sagt Michael Schrodt über sein Handwerk.

Mut zum Abenteuer mit Metall

Inspiration holt der Hobbyfotograf sich in der ganzen Welt. Sobald der Betrieb in die Winterpause geht, begibt sich der Spengler auf Reisen. So schipperte er schon wochenlang auf einem Schiff durch die Antarktis und dokumentierte alles mit seiner Kamera. In Mikronesien erkundete er die Unterwasserwelt vor den Küsten, um Aufnahmen von verborgenen Schätzen zu machen.

Der Abenteurer hat auch schon neue Reiseziele: „Wenn das Haus im November fertig ist, würde ich gerne in der Arktis tauchen oder durch den Dschungel in Papua-Neuguinea wandern.“ Seine Abenteuer wirken wie die Geschichten von Jules Verne. Ein bisschen verrückt, ein bisschen wie aus einer anderen Welt.

Und ja, auch sein Haus sieht aus, als wäre es von einem anderen Planeten. Exzentrisch. Anders. Einmalig. Manche sagen, es sehe aus wie ein goldener Toaster. Andere wiederum vergleichen es mit einem Wohnwagen. Über all die Kommentare lacht der Handwerker heute. Denn wie jeder Künstler weiß auch er, dass Kunst nun einmal polarisiert.

Schockiert hat den Spengler nur die Reaktion der Stadträte: „Sie wussten es nicht, doch ich saß dabei, als sie über mein Haus abstimmten. Sie b ezeichneten es als geschmacklos und lehnten den ersten Bauantrag ab.“ Um sich Luft zu machen, schnappte der Hausbauer im Anschluss seine Laufschuhe und rannte dem Frust davon. Aufgeben kam für ihn nicht in­frage. Im zweiten Anlauf stimmte der Stadtrat dem Bauvorhaben zu. Es gab keine rechtliche Grundlage, durch die der Bau hätte verboten werden können.

Vom Keller bis zur Aluminiumfassade Eigenleistung

Heute steht das Haus wie geplant in Dachau auf dem ehemaligen Obstgarten der Großmutter. Wie früher schon die Oma, hat der Enkel hier mit seinen eigenen Händen gearbeitet und erntet nun die Früchte seiner Arbeit. Von der Kellerabdichtung über die Betonwände bis zur Aluminiumfassade, alles entstand in Eigenleistung. „Ohne meinen Vater hätte ich das nie geschafft. Er hält mir so gut es geht den Rücken frei“, sagt er über Spenglermeister Hans Schrodt. Wie sein Vater das Haus findet? „Großartig! Er steht hinter mir. Wie ich hat er auch den Hang zum Außergewöhnlichen.“

Im nächsten Jahr soll der Familienbetrieb an Michael Schrodt und damit in die fünfte Generation übergehen. Geplant war dieser Weg aber nicht. „Ich habe viel ausprobiert. Auch mal über ein Architekturstudium nachgedacht, aber ich wollte mit meinen Händen arbeiten.“ So kam eins zum anderen. „Ich kann ja von den Erfahrungen meines Vaters profitieren“, sagt der künftige Geschäftsführer, der eng mit seinem Vater zusammenarbeitet.

Oft bekommt Michael Schrodt Lob und Komplimente, wenn mal wieder ein Spontanbesucher seine Baustelle betritt: „Gerade ältere Damen und Herren schauen sich mein Haus genauer an und finden meine Arbeit gut.“ Es kam sogar schon vor, dass ein Seniorenausflug Halt vor seiner Baustelle machte, um mal zu schauen, wovon ganz Dachau redet. „Das fühlt sich schon gut an. Geschafft haben wir’s dann, wenn ein Bus voller Architekturstudenten vor der Tür steht!“

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