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WhatsApp nutzt DSGVO-Schlupfloch So können Handwerker der WhatsApp-Datenweitergabe widersprechen

Eigentlich sollte die EU-Datenschutzgrundverordnung Verbraucher schützen. Doch jetzt ist das Gegenteil der Fall: Durch die DSGVO ist es WhatsApp nun möglich, Daten mit Mutterkonzern Facebook und weiteren "vertrauenswürdigen Drittanbietern" zu teilen. Wir zeigen, wie Sie der Datenweitergabe widersprechen.

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Lange verhinderten deutsche Datenschützer und das Oberverwaltungsgericht Hamburg, dass WhatsApp seine gesammelten, personenbezogenen Daten mit Facebook und "vertrauenswürdigen Drittanbietern" teilt. Jetzt hebelt ausgerechnet die eigentlich sehr verbraucherfreundliche DSGVO das Urteil der Hamburger Richter (Az.: 5 Bs 93/17) auf:

Durch die EU-weite Vereinheitlichung des Datenschutzes sind nicht mehr deutsche Richter für die Aufstellung der Datenschutzregeln, sondern Gerichte am Unternehmenssitz der jeweiligen Konzerne verantwortlich. Das heißt im Fall WhatsApp: Der Mutterkonzern Facebook hat seinen europäischen Sitz in Irland - und damit findet die deutsche Rechtsprechung keine Anwendung mehr.

Welche personenbezogenen Daten gibt WhatsApp jetzt weiter?

Zunächst eine kleine Beruhigungspille von WhatsApp: Laut Unternehmensangaben sollen die Daten auf Facebook nicht verwendet werden, um beispielsweise personalisierte Werbung anzuzeigen und die Nutzererfahrung zu verbessern. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Folgende personenbezogene Daten werden von WhatsApp jetzt geteilt:

  • Telefonnummern
  • Technische Informationen zum Smartphone
  • Häufigkeit, wie oft WhatsApp genutzt wird
  • Häufigkeit, wie oft mit anderen WhatsApp-Nutzern mittels der App kommuniziert wird

So widersprechen Sie der Datenweitergabe:

Keine Sorge, es gibt eine Möglichkeit der Datenweitergabe zu widersprechen. Um das zu tun, müssen Sie eine E-Mail an objection.eu@support.whatsapp.com schicken. Folgende Angaben sollten darin enthalten sein:

  1. Ihr Name
  2. Ihre E-Mail-Adresse
  3. Ihre WhatsApp-Telefonnummer
  4. Ihr Land in der EU (z.B. Deutschland)
  5. Ihre konkrete Ablehnung einer Datenverarbeitung (z.B. Widerspruch gegen die Weitergabe der Daten an Facebook)
  6. Ihre Begründung der Ablehnung einer Datenverarbeitung (z.B. Einschränkung Ihrer Rechte und Freiheiten)
In der Folge prüft WhatsApp den Einspruch. Achtung: Haben Sie bei den Punkten 5 und 6 geschludert oder eine nicht ausreichende Begründung vorgelegt, kann WhatsApp Ihr Gesuch auch ablehnen. Dann hilft nur noch ein Einspruch bei der irischen Datenschutzbehörde IDPC.

Das rät WhatsApp-Experte Michael Elbs:

"Wenn das Ausschalten von WhatsApp keine Option für Sie ist, dann kann Widerspruch eingelegt werden. Wie Sie oben schon gelesen haben, hat WhatsApp hierfür jetzt eine eigene Mailadresse: objection.eu@support.whatsapp.com. Haben Sie an diese Adresse geschrieben, so erhalten Sie eine automatisierte Antwort von WhatsApp (support@support.whatsapp.com ), mit deren Hilfe dann der der Widerspruch formuliert werden kann. Jetzt den Widerspruch formulieren, begründen und Mailadresse sowie die betroffene Telefonnummer angeben, das Ganze dann Ausdrucken und in der DSGVO-Dokumentation ablegen", erklärt der handwerk magazin-WhatsApp-Experte Michael Elbs.

Sollte das keine Wirkung zeigen, ist, wie Sie schon gelesen haben, der nächste Schritt die irische Datenschutzbehörde IDPC: "Das wird spannend. Zum einen ist in Irland die DSGVO noch nicht in nationales Recht umgewandelt und noch dazu ist Facebook natürlich ein guter Steuerzahler für Irland", betont Elbs. "Sollten Sie Hilfe in Sachen WhatsApp und beim Datenschutz haben melden Sie sich bei mir. Die genannten Maßnahmen reichen schließlich noch lange nicht aus, um WhatsApp im Betrieb einzusetzen: Einwilligung sowie Kontakt muss vom Kunden ausgehen und die DSGVO-Dokumentation muss gemacht werden, zum heutigen Stand der rechtlichen Situation. Diese kann sich natürlich jederzeit wieder ändern. Ich bleibe für Sie weiter dran, das 'hm praxis'-Seminar, der WhatsApp Newsletter 'hm WhatsApp' und meine Kolumne sind mein Sprachrohr!"

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