mehr Recht -

Häufige Ängste meist unbegründet So klappt die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten

Für viele Handwerksunternehmer ist der Gang zum Rechtsanwalt sehr unangenehm. Sowohl die Kosten, als auch Ängste, die Fachbegriffe des Anwalts nicht zu verstehen oder Ängste, pikante Angelegenheiten preiszugeben, treiben den Angstschweiß auf die Stirn. Wir zeigen, warum viele Ängste unbegründet sind.

Themenseite: Rechts- und Steuerberatung

Die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Um ihre Klienten bestmöglich beraten zu können, ist es für Juristen wichtig, sich auf einen bestimmten Rechtsbereich zu spezialisieren. Die Gründe, weshalb Verbraucher einen Anwalt aufsuchen, sind sehr vielfältig. Häufig geht es jedoch um eine Scheidung, einen Verkehrsunfall oder einen Streit mit dem Vermieter. Obwohl der Gang zum Anwalt keine Schande ist, scheuen sich davor noch immer viele Verbraucher, aber auch Unternehmer und Handwerkschefs. Helmut Ablinger, Gründer und Geschäftsführer des Online-Vermittlungsportals für Rechtshilfe JAASPER, zeigt, warum die Sorgen meist unbegründet sind.

Beratungshilfegesetz kann Anwaltskosten deckeln

Den Gang zum Anwalt scheuen vor allem Verbraucher ohne Rechtsschutzversicherung, die selbst für alle anfallenden Ausgaben aufkommen müssen. Hinzu kommt, dass dem Klienten nie im Voraus die genaue Endsumme genannt werden kann, auf die sich schlussendlich alle Kosten belaufen. Des Weiteren bevorzugen Anwälte oftmals eine Abrechnung pro Stunde und beziehen Telefonate und E-Mails in die Kosten mit ein, wodurch der Klient nur wenig Kontrolle über die anfallende Summe hat.

Selbst Pauschalpreise bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Kosten am Ende nicht doch höher ausfallen. Letztlich muss jedoch der Verlierer die gesamten Gerichtsgebühren, die Kosten für den eigenen Anwalt sowie über das gesetzlich geregelte Honorar auch die Kosten für den Anwalt der Gegenseite übernehmen.

Im Allgemeinen hängen die Gerichtsgebühren und die Anwaltshonorare jedoch vor allem vom Streitwert ab. Der Gesetzgeber ermöglicht mit dem Beratungshilfegesetz den Zugang zu einem Anwalt auch denjenigen, die sich sonst keinen Anwalt leisten können. Durch die Bewilligung werden die außergerichtlichen Gebühren des eigenen Rechtsanwalts vom Staat übernommen. Der Rechtssuchende hat lediglich einen Eigenanteil in Höhe von 15 Euro zu bezahlen. Die Beratungshilfe kann beim zuständigen Amtsgericht beantragt werden.

Mandantengeheimnis schützt bei pikanten Angelegenheiten

Vielen Menschen ist es unangenehm, mit einem Anwalt über gewisse Rechtsprobleme zu sprechen. Zu diesen pikanten Angelegenheiten gehören beispielsweise Abofallen auf Datingportalen, was besonders für verheiratete Personen unangenehm ist oder auch eine offensichtliche Abzocke im Internet. Zu weiteren heiklen Situationen zählen auch durch den Einfluss von Alkohol oder Drogen entstandene Unannehmlichkeiten. Hinzu kommt, dass die Geschädigten oft vermeiden wollen, dass ihr soziales Umfeld von der entsprechenden Angelegenheit erfährt. Sorgen müssen sich Klienten nicht, denn grundsätzlich gilt: Was mit dem Anwalt besprochen wird, bleibt beim Anwalt. Bricht ein Anwalt das Mandantengeheimnis, macht er sich strafbar und muss schlimmstenfalls mit Haftstrafe und Berufsverbot rechnen.

Verstehensvermittler übersetzt Juristendeutsch

Eine ebenfalls recht verbreitete Angst bei Verbrauchern ist es, die eigene und komplizierte Sprache der Juristen nicht zu verstehen. Aufgrund langer und komplexer Satzformulierungen fällt es vielen Verbrauchern schwer, die Fachsprache zu deuten. Viele Nicht-Akademiker wollen zudem nicht als ungebildet dastehen. Die nur schwer verständliche Ausdrucksweise ruft bei vielen Klienten Misstrauen hervor, dass der Anwalt gar keine ordentliche Arbeit leistet und sein Nichtstun lediglich mit ein paar juristischen Floskeln kaschiert.

Dies ist vor allem dann der Fall, wenn pro Stunde abgerechnet wird und der Jurist die E-Mails an den zahlenden Klienten umfassend ausführt und ausschmückt. Um Missverständnisse, Frustration und Kosten zu vermeiden, bietet es sich hier an, einen Verstehensvermittler einzuschalten. Also jemanden, der beide Perspektiven kennt, die Sprache des Anwalts und die des Mandanten spricht und somit neutral vermitteln kann.

Empfehlungen und Onlineplattformen schaffen Kontakt zu Anwälten

Viele Verbraucher sind sich schlicht unsicher, an welchen Anwalt sie sich überhaupt wenden sollen. Denn: Anwalt ist nicht gleich Anwalt. Es gilt unter anderem zu beachten, ob ein Jurist auf die Unternehmens- oder die Verbraucherseite spezialisiert ist oder welche Art von Klienten er betreut. Eine Unterscheidung ist zudem hinsichtlich des Fachgebiets vorzunehmen: Da juristische Sachverhalte sehr komplex sind, bedarf es die entsprechenden Experten auf dem jeweiligen Gebiet.

Bei der Suche nach dem richtigen Anwalt helfen heutzutage vermehrt Bewertungsplattformen im Internet. Viele Verbraucher vertrauen auch auf die Empfehlungen von Familie und Freunden oder sogar auf die Meinung eines Juristen im Bekanntenkreis. Zudem empfehlen sich Anwaltsuchdienste, die es per Internet und Telefon gibt. Aber auch Online-Vermittlungsplattformen für Rechtshilfe, können sicherstellen, dass Klienten mit ihrem Anliegen den richtigen Anwalt finden.

Anwaltskammern geben Auskunft über Qualität der Anwälte

Oftmals herrscht bei Verbrauchern die Angst, dass der Anwalt sie um ihr Geld bringt ohne ihnen dabei wirklich effektiv zu helfen. So kann dem Juristen etwa vorgeworfen werden, er würde bewusst länger Zeit benötigen, wenn dieser seine Leistung pro Stunde abrechnet. Überdies ist die Furcht vorhanden, der Anwalt würde einen Fall absichtlich vor Gericht bringen, da er auf diese Weise mehr verdienen würde als bei einer außergerichtlichen Einigung. Ebenso besteht keine Sicherheit darüber, was die Anwälte beider Parteien im Hinterzimmer zu ihren Gunsten aushandeln. Es lohnt sich daher, eine Nachfrage bei der Anwaltskammer zu wagen, da hier nicht nur alle Juristen bekannt sind, sondern auch etwaige Fehler, die sie sich während ihrer Karriere haben zuschulden kommen lassen. Darüber hinaus kann natürlich auch die Erkundigung eingeholt werden, ob sich der Anwalt so verhalten darf, wie er es tut.

© handwerk-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen