Betrieb -

⇨ Kaufpreis So geht die Bank vor

Wie viel ein Käufer für die Firma zu zahlen bereit ist, hängt von der Marktsituation ab. Doch für die Bank zählt der Wert des Unternehmens.

Ein Spagat. Der Verkäufer will einen hohen Preis erzielen. Der Übernehmer muss ihn aus den Erträgen stemmen. Das wissen auch die Banken. Im Idealfall einigen sich die beiden Parteien auf einen Kompromiss. Bei Möschle und Söhnel lag dieser bei zehn Prozent über dem Unternehmenswert.

Gutachten. Die Geldgeber erwarten einen Nachweis, wie viel der Betrieb nach objektiven Kriterien wert ist. Im Handwerk wird in der Regel der sogenannte Ertragswert gewählt, der nach einem speziellen Verfahren errechnet wird (Details siehe Seite 52 bis 54). Bei einem Unternehmenswert von bis zu 300000 Euro genügt der Bank ein Gutachten der Handwerkskammer. Liegt der Wert weit darüber, wird das Kreditinstitut ein weiteres unabhängiges Gutachten in Auftrag geben.

Share-Deal. Bei den meisten Nachfolgen im Handwerk werden die Geschäftsanteile ganz übernommen (Share-Deal). So war es bei Möschle. Er hat auf einen Schlag alle Unternehmensteile gekauft. Bei einem Asset-Deal werden nur die betriebsnotwendigen Vermögensgegenstände wie Immobilien, Maschinen, Geräte und Fahrzeuge verkauft.

Sicherheit. Das Unternehmen dient als Sicherheit bei der Finanzierung. Mit welchem Wert es in die Finanzierung einfließt, hängt auch davon ab, wie hoch die Geldinstitute ihr Risiko einschätzen.

Verkäuferdarlehen. Bei einem hohen Kaufpreis erwarten die Banken oft, dass der Verkäufer sich mit einem „nachrangigen Darlehen“ mit einbringt. Das bedeutet: Falls der Nachfolger Zins und Tilgung nicht mehr leisten kann, kommt zuerst die Bank zum Zug. Bei Möschle kam das Verkäuferdarlehen ins Spiel, weil der Kreditbedarf in Kombination mit dem Kauf der Immobilie bei mehreren 100000 Euro lag.

Operatives Geschäft. Viele Jungunternehmer begehen den Fehler, sich bei ihrem Finanzierungsbedarf ausschließlich am Kaufpreis zu orientieren. Sie bedenken nicht, dass auch die Finanzierung des operativen Geschäfts gesichert sein muss. Entsprechend weicht der Finanzierungsbedarf nach oben vom Kaufpreis ab. Möschle hat sich mit der Übernahme ein ausreichend hohes Kontokorrentlimit gesichert.

© handwerk-magazin.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen