Wirtschaft -

Smart Home: Vernetzt bauen im Fokus der Light + Building

Noch ist der Markt überschaubar. Die Branche erwirtschaftet jährlich 2,5 Milliarden Euro Umsatz mit der automatisierten Gebäudetechnik. Das entspricht gerade einmal fünf Prozent des Gesamtumsatzes. „Die Betriebe, die sich bereits auf Smart Homes spezialisiert haben, können den Bedarf gut abdecken“, schätzt Dechert. Künftig wird das Geschäftsfeld aber für mehr Betriebe interessant werden. Aktuelle Studien prognostizieren: Bereits in zehn Jahren können Handwerksbetriebe 20 Milliarden Euro mit intelligenter Haustechnik erwirtschaften. „Das Geschäftspotenzial ist immens“, weiß Dechert.

Keine Spielerei

Drei Treiber sorgen für den Boom am Markt: Aktuell geht es vor allem um den Komfort und die Sicherheit von Smart Homes. „Wer nach Hause kommt, muss nicht erst die Heizung hochfahren, zehn Lampen und die Multimediaanlage einschalten“, erklärt der Verbandsgeschäftsführer. „Das geschieht alles automatisch über voreingestellte Programme.“ Gleichzeitig schätzen immer mehr Hauseigentümer die Sicherheitsfunktion vernetzter Häuser: Über Apps können sie den Energie- und Wasserverbrauch einsehen und steuern. Oder sie erkennen, ob irgendwo ein Rohr leckt.

Eine immer wichtiger werdende Zielgruppe für Smart Homes sind Senioren. Können ältere Menschen ihr Haus oder ihre Wohnung mithilfe von intelligenter Gebäudetechnik einfacher im Griff behalten, können sie länger in den eigenen vier Wänden wohnen.

Ein Praxisbeispiel dafür ist das Modellhaus Sophia in Bamberg. Dort wird die intelligente Haustechnik mit der sogenannten Gerontotechnik kombiniert. Stereoanlagen sind zum Beispiel mit dem Hörgerät direkt verbunden. Oder das Blutdruck-Messgerät über ein zentrales System mit dem Hausarzt.

Der dritte Anreiz für die intelligente Haustechnik sind steigende Energiekosten. Sind alle Geräte miteinander vernetzt, startet etwa die Waschmaschine, sobald die Fotovoltaikanlage ausreichend Strom produziert hat. Oder sie springt an, wenn Strom aus dem Netz gerade besonders günstig ist.

Auch Google steigt ein

Das Geschäft mit Smart Homes läuft gut, auch für die Starnberger Firma Saegmüller. Der Handwerksbetrieb macht bereits 20 bis 25 Prozent seines Umsatzes mit der intelligenten Gebäudetechnik. Thannheimer kümmert sich mit sieben Mitarbeitern um die Wünsche der Kunden. Die Elektroexperten müssen immer weniger Überzeugungsarbeit leisten. Das war vor zehn Jahren noch anders. Mittlerweile kommen viele Kunden bereits mit einer groben Vorstellung ihres vernetzten Traumhauses. Spätestens seitdem Google den Thermostathersteller Nest für 2,3 Milliarden Dollar gekauft hat, ist Haushaltstechnik trendy. Hersteller werben auch nicht mehr nur bei Handwerkern für ihre Produkte, sondern sprechen Privatkunden direkt an. Die Telekom-Tochter Quivicon wirbt sogar im Kino für ihre Smart-Home-Plattform. „Vor Kurzem wäre es noch undenkbar gewesen, dass ein Schalter ein attraktives Produkt ist, das bei Kunden Emotionen weckt“, wundert sich  Elektroinstallateur Thannheimer.

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