Betriebsversicherung -

Saubere Geschäfte

Nachhaltige Investments | Die Finanzkrise verstärkt den Wunsch nach einer ökologisch und sozial ausgerichteten Geldanlage. Mit ausgesuchten Fonds profitieren Anleger von diesem Mega-Trend.

Themenseite: Nachhaltigkeit

Schlage nicht mehr Bäume als nachwachsen können.“ Dieses Gebot gilt in der deutschen Forstwirtschaft seit dem 18. Jahrhundert. Es ist quasi die erste Definition für nachhaltiges Wirtschaften. Heute liegt der Begriff „Nachhaltigkeit“ im Trend, und Anleger können hier mit spezifischen Investmentfonds mitverdienen. Die Auswahl der geeigneten Fonds ist nicht ganz einfach, handwerk magazin zeigt im Folgenden, worauf Sie achten sollten.

Nachhaltigkeit ist in der Diskussion über den Klimawandel ein Thema, dem sich kaum jemand entziehen kann. „Wenn im Dezember 2009 in Kopenhagen alle Industrieländer das neue Protokoll für den globalen Klimaschutz unterschreiben, wird das Interesse an ökologisch und sozial ausgerichteten Investmentfonds nochmals deutlich steigen“, sagt Bernhard Engl, Nachhaltigkeitsexperte beim Fondsanbieter Swisscanto.

Auch die seit Mitte 2007 anhaltende Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise verstärkt den Wunsch nach Nachhaltigkeit. „Es existiert ein historisch einmaliger Konsens, dass eine zu einseitige Ausrichtung der Wirtschaft an kurzfristigen Interessen in die Sackgasse führt“, sagt Robert Hassler, Chef von Oekoem Research, einem auf Nachhaltigkeitsfragen spezialisierten Analysehaus. Wenn es immer mehr nachhaltig wirtschaftende Unternehmen gibt, erweitert sich auch das Spektrum der Möglichkeiten für die Emittenten von Investmentfonds.

Zwar können Privatanlegern Kirchen, Stiftungen und Versicherungen schon seit zehn Jahren über Nachhaltigkeitsfonds in dieses Segment investieren. Aber erst in den vergangenen zwei Jahren hat sich das Angebot stark erweitert. Dem Sustainable Business Institute zufolge gibt es in Deutschland 274 Fonds, die ihre Gelder nach ökologischen oder sozialen Kriterien investieren. Allein im vergangenen Jahr sind 50 Fonds hinzugekommen. Das investierte Fondsvolumen lag Ende 2008 bei 21 Milliarden Euro, wobei nur wenige Fonds dreistellige Millionensummen verwalten.

Der Nachhaltigkeits-Boom hat aber auch einen Nachteil: Anleger haben die Qual der Wahl. Vor allem, weil die Anbieter den Begriff „Nachhaltigkeit“ unterschiedlich interpretieren. Anleger sollen darauf achten, dass sie nicht unter dem Slogan „Nachhaltigkeit“ in Produkte gelockt werden, die nicht ihren Vorstellungen entsprechen. „Wie viel Nachhaltigkeit in den einzelnen Fonds enthalten ist, lässt sich nur schwer selber feststellen“, so Hassler.

Die Qual der Wahl

Generell unterscheidet man zwei Ansätze: Die Negativauswahl und der Klassenbesten-Ansatz. Bei der Negativauswahl schließt ein Fondsanbieter bestimmte Branchen bei seinen Investments aus, etwa die Rüstungs- oder Glücksspielindustrie; andere spezialisieren sich auf Themen wie erneuerbare Energien, Abfall- oder Wasserwirtschaft. Ein neuer Trend sind nachhaltige Schwellenländer-Fonds. Länder wie China oder Indien haben einen gigantischen Bedarf an „grüner“ Technologie. Beim Klassenbesten-Ansatz investiert der Fondsanbieter nur in die Unternehmen, die in ihrer Branche an erster Stelle, beispielsweise bei der Erfüllung von ökologischen oder sozialen Standards, liegen. Das könnte dann auch ein Autobauer sein, dessen Autos im Vergleich zur Konkurrenz einen etwas geringeren Schadstoffausstoß haben. Ein Fonds, der die Negativauswahl betreibt, ist zum Beispiel der Swisscanto EF Green Invest A. Ihn gibt es seit 1998. Im Fonds enthalten sind die deutschen Solarunternehmen Solarworld und Roth & Rau sowie der österreichische Energieversorger Verbundgesellschaft. „Der Fonds hat in den vergangenen Jahren den MSCI World Index klar geschlagen“, sagt Engl. Prinzipiell böten Nachhaltigkeitsfonds keinen Renditenachteil gegenüber normalen Fonds. „Dieses Vorurteil ist längst widerlegt“, so Engl. Ein Fonds, der gemäß dem Klassenbesten-Ansatz investiert, ist der weltweit anlegende ÖkoSar Equity der Schweizer Privatbank Sarasin. Mit einem Fondsvolumen von 170 Millionen Euro zählt er zu den Mittelgroßen der Branche. Um eine Liste mit Ausschlusskandidaten kommt auch dieser Fonds nicht herum. Auf ihr stehen sieben Branchen: Rüstung, Atom, Tabak, Automobil, Glücksspiel und Agro-Chemikalien. In den Fonds geschafft haben es Vestas Wind aus Spanien, die East Japan Railway und der deutsche Sanitärhersteller Geberit. Weitere, für Privatanleger geeignete Nachhaltigkeitsfonds sind der Pioneer Funds Global Ecology, einer der ältesten Fonds am Markt, der Sarasin Sustainable Equity sowie der noch junge DWS Klimawandel.

Alle genannten Fonds verwalten relativ viel Anlagekapital. Solche volumenstarken Fonds sind für Privatanleger eher geeignet als kleine Fonds. Dies aus zwei Gründen: Erstens werden große Fonds lebhaft gehandelt, sodass der Ein- und Ausstieg zum aktuellen Marktpreis leichter möglich ist. Der zweite Grund hat mit der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise zu tun. Weil einige Fondsanbieter ihre Kosten senken müssen, könnten sehr kleine Fonds demnächst mit anderen Fonds zusammengelegt oder sogar geschlossen werden.

Möglicherweise passt dann die Ausrichtung des neuen Fonds nicht mehr zu den Anforderungen des Anlegers. Oder staatliche Eingriffe ändern die Rahmenbedingungen für Unternehmen: Heute werden die Anbieter erneuerbarer Energien gefördert, morgen profitieren die Anbieter besonders energieeffizienter Produkte von politischen Änderungen. Sich hier rechtzeitig zu positionieren ist die Aufgabe des Fondsmanagers. Gelingt dies, sind für Anleger attraktive Renditen mit nachhaltigen Investments möglich.

Stefan Terliesner

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

Unterbeiträge zu diesem Artikel
© handwerk-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen