Finanzierung -

Finanzierung von Handwerksunternehmen Liquiditätsengpässe: Sale & lease back hilft in Sondersituationen

Handwerker erhalten mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent eine Bankfinanzierung für den Kauf von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen oder Einrichtungen. In Sondersituationen, wie etwa Liquiditätsengpässen, werden sie von ihrer Bank aber oft alleingelassen. Dann kann sale & lease back (SLB) eine alternative Finanzierung sein.

Themenseiten: TS Banken, TS Forderungsmanagement, TS Leasing, TS Liquiditätsmanagement und TS Maschinenleasing

Wie die KfW in einer Studie ermittelt hat, erhalten Handwerker mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent eine Bankfinanzierung für den Kauf von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen oder Einrichtungen. In Sondersituationen, wie etwa Liquiditätsengpässen, werden sie von ihrer Bank aber oft alleingelassen. Dann kann Sale & Lease Back (SLB) eine alternative Finanzierung sein.

Die Digitalisierung von Prozessen und die Anschaffung moderner Maschinen sind Herausforderungen, denen sich Handwerksunternehmen heute stellen müssen. Wer die Veränderung aktiv angeht, steht meist gut da. Durch Gutachten per Drohne, Vermessungen aus der Luft oder additive Fertigung können diese Unternehmen effizienter, schneller, besser werden. Wer die Entwicklung erst anpackt, wenn der eigene Betrieb im Wettbewerb zurückgeblieben ist und die Auftragslage schlechter wird, steht meist vor einer zusätzlichen Herausforderung: Die Liquiditätslage verschlechtert sich. Die Banken sind sich nicht sicher, ob der Turnaround gelingt und halten sich mit Finanzierungszusagen zurück.

Liquidität fehlt, Finanzierungszusage auch

Um den Liquiditätsengpass schnell zu beenden, können Handwerker ihre Maschinen, Autos oder auch Immobilien an Sale & Lease Back-Gesellschaften verkaufen. Damit heben sie stille Reserven und gewinnen Liquidität. Im gleichen Zug leasen sie ihre Anlagegüter zurück. Meist wird der Vertrag für vier bis sechs Jahre geschlossen und der Rückkauf am Laufzeitende bereits festgelegt­ ­– oder eine Option darauf vereinbart.

Wird der gewonnene Finanzierungsspielraum für die Modernisierung des Betriebs genutzt, hat das Unternehmen die Chance, dauerhaft im Markt zu bestehen. Da auch die Eigenkapitalquote durch den Geldzufluss steigt, können Unternehmen nach gelungenem Neustart wieder zur klassischen Bankfinanzierung zurückkehren.

Die durchschnittliche Leasingdauer beträgt häufig zwischen 36 und 54 Monaten. Zur Zeit seien in Deutschland Immobilien, Maschinen und andere Wirtschaftsgüter im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro verleast, mehr als 80 Prozent der Summe stammen von Mittelständlern.

SLB zur Wachstumsfinanzierung

Sale & lease back wird nicht nur zur Überbrückung von Finanzengpässen, sondern auch zur Wachstumsfinanzierung, Generierung von Liquidität für die Vorfinanzierung von Aufträgen sowie zur (teilweisen) Finanzierung der Firmennachfolge und im Rahmen der Unternehmensrestrukturierung oder bei Übernahmen von Firmen in Krisensituationen genutzt. „Zu Zeiten der Finanzkrise, 2007 bis 2009, stieg das Finanzierungsvolumen per Sale & Lease Back deutlich an“, so der Bundesverband Deutscher Leasingunternehmen.

Risiken des Sale & Lease Back

Die eigenen Anlagegüter zu verkaufen, fühlt sich für viele Unternehmer an, wie das Familienerbe aufs Spiel zu setzen. Und damit liegen sie nicht falsch. Denn in Zukunft muss das Unternehmen so viel Ertrag erwirtschaften, dass es die Leasingraten für das verkaufte, aber ja weiter genutzte Wirtschaftsgut bezahlen kann. Gelingt das nicht, droht die Insolvenz. Ein weiterer Nachteil: Sale & Lease Back ist teurer als klassisches Leasing. Das liegt an der Sondersituation der Unternehmen. Sie brauchen das Geld, um ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können. Dieses erhöhte Risiko lassen sich die SLB-Anbieter bezahlen.

Die Leasingbranche boomt

„Das Neugeschäft der Leasing-Wirtschaft ist im Jahr 2018 nach zwei Rekordjahren erneut gestiegen – um starke 4,5 Prozent. Für 69,7 Mrd. Euro realisierten die Leasing-Gesellschaften in Deutschland Investitionen für ihre Kunden in Immobilien, Maschinen, Fahrzeuge, IT-Equipment und andere Wirtschaftsgüter. Davon entfielen 9,1 Mrd. Euro auf den Mietkauf, ein Plus von 11 Prozent“, wie der Bundesverband Deutscher Leasingunternehmen mitteilt.

© handwerk-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen