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Wirtschaftsminister: Deutsche Wirtschaft im Abschwung

Die deutsche Wirtschaft befindet sich laut Einschätzung der Bundesregierung im Abschwung. Sie hat ihre Herbstprognose auf 1,2 Prozent für dieses Jahr gesenkt. Bislang hatte die Regierung mit einem Plus von 1,8 Prozent gerechnet.

Die Bundesregierung senkt ihre Konjunkturprognosen für Deutschland wegen vieler internationaler Krisen kräftig. Das Bruttoinlandsprodukt soll in diesem Jahr statt der bislang erwarteten 1,8 nur noch um 1,2 Prozent wachsen, 2015 statt 2,0 um 1,3 Prozent. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem außenwirtschaftlich schwierigen Fahrwasser", sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Dienstag in Berlin. Geopolitische Krisen hätten auch in Deutschland die Verunsicherung erhöht. Daneben belaste die nur moderate weltwirtschaftliche Entwicklung die Konjunktur. Die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte seien aber intakt. Gabriel folgt mit seinen Einschätzungen weitegehend den führenden Forschungsinstituten, die ihre Prognosen in der vorherigen Woche wegen der Flaute in der Euro-Zone, der Ukraine-Krise und anderen Risiken kräftig zurückgenommen hatten.

Leichter Anstieg der Weltwirtschaft erwartet

Im Einklang mit den Einschätzungen internationaler Organisationen dürfte das Wachstum der Weltwirtschaft im nächsten Jahr wieder leicht anziehen. Die deutschen Exporte werden daher im Jahr 2015 mit 4,1 % etwas stärker steigen als in diesem Jahr mit 3,4 %. Aufgrund der robusten Inlandsnachfrage werden die Importe im Jahr 2014 mit 4,0 % und im Jahr 2015 mit 5,5 % stärker zunehmen als die Exporte. Der rechnerische Wachstumsbeitrag des Außenhandels werde daher in beiden Jahren leicht negativ sein (-0,1 Prozentpunkte in 2014 und -0,3 Prozentpunkte in 2015).

Die Investitionen in neue Ausrüstungen werden verhalten expandieren. Zwar sind die Finanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen weiterhin ausgesprochen günstig, jedoch sind die Produktionskapazitäten derzeit noch unterausgelastet und die internationalen Absatzperspektiven gedämpft. Vor diesem Hintergrund ist mit einer moderaten Erhöhung der Ausrüstungsinvestitionen um 3,0 % im Jahr 2014 und 4,1 % im Jahr 2015 zu rechnen.

Angesichts günstiger Finanzierungsbedingungen und der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt investieren die privaten Haushalte weiter in Wohnbauten. Positive Impulse sind zudem von den öffentlichen Investitionen zum Erhalt und zur Erweiterung der öffentlichen Infrastruktur zu erwarten. Die Bundesregierung hat für Infrastrukturinvestitionen im Projektionszeitraum zusätzliche Mittel in Höhe von etwa 1,5 Mrd. Euro beschlossen. Zusammengenommen werden die Bauinvestitionen im Jahr 2014 um 3,7 % und im Jahr 2015 um 2,9 % ausgeweitet.

Gute Verfassung des Arbeitsmarktes

Optimistisch schätz das Wirtschaftsministerium die lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt ein. So werde die Erwerbstätigkeit in diesem Jahr um 325.000 Personen und im nächsten Jahr um 170.000 Personen zunehmen. 2015 werde daher der Beschäftigungsrekord aus dem Vorjahr mit 42,8 Mio. Personen noch einmal übertroffen. Das wiederum ermögliche ordentliche Lohnsteigerungen. Diese bilden das Fundament für merkliche Einkommenszuwächse der privaten Haushalte. Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer nehmen 2014 um 2,6 % und im kommenden Jahr um 2,7 % zu. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte erhöhen sich 2014 beschleunigt um +2,2 % und 2015 um +2,9 % - nach +1,8 % im Jahr 2013.

Laut Gabriel führen die deutlichen Einkommenssteigerungen in Verbindung mit einer moderaten Preisniveauentwicklung zu einer steigenden realen Kaufkraft. Das zeige sich auch in der nach wie vor hohen Anschaffungsneigung der privaten Haushalte. Die privaten Konsumausgaben werden in diesem Umfeld preisbereinigt im Jahresdurchschnitt 2014 um 1,0 % und im Jahr 2015 um 1,4 % beschleunigt zunehmen.

Investitionen spielen Schlüsselrolle

Bundesminister Gabriel: "Für die konjunkturelle Dynamik, aber vor allem auch für langfristiges Wachstum und Wohlstand, spielen die Investitionen eine Schlüsselrolle. Deutschland muss deutlich mehr in seine Infrastruktur investieren. Und die Rahmenbedingungen für private Investitionen müssen verbessert werden. Dazu gehören ein verlässlicher Rahmen für den Umbau des Energiesystems und ein zügiger Ausbau der Breitbandversorgung. Das sind und bleiben Schwerpunkte meiner Arbeit."

Info: Die Herbstprojektion der Bundesregierung bildet die Grundlage für die Steuerschätzung im November. Diese wiederum gilt als Orientierungshilfe für die Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen.

Schlechte Nachrichten auch vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Zudem gab das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bekannt, dass der Konjunkturindikator im Vergleich zum Vormonat um 10,5 Punkte auf minus 3,6 Zähler gefallen ist. Es war bereits der zehnte Rückgang in Folge. Die befragten Experten gehen damit mittelfristig von einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland aus. „Geopolitische Spannungen und die hinter den Erwartungen zurückbleibende konjunkturelle Entwicklung in Teilen der Eurozone sorgen weiterhin für Verunsicherung und trüben die deutschen Wachstumsaussichten ein", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. Der Eurokurs geriet nach den Zahlen weiter unter Druck und fiel auf ein Tagestief von 1,2640 US-Dollar. Der Dax baute seine Verluste aus. Die Kurse deutscher Staatsanleihen legten merklich zu. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf ein Rekordtief von 0,847 Prozent.

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