Betriebsteuern -

Klimapolitik Studie: "Manche Betriebe würden von der CO2-Steuer profitieren"

Für das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen e.V. (ifh Göttingen) untersuchte Dr. Petrik Runst die Folgen einer CO2-Bepreisung für Handwerksbetriebe. Hier der zweite Teil des Interviews aus unserer September-Ausgabe.

Herr Dr. Runst, welchen Anteil hat das Handwerk am CO2-Ausstoß in Deutschland?

Das ist schwer zu definieren, denn dazu müsste man den Energieverbrauch für das gesamte Handwerk kennen. Im Handwerk arbeiten weniger als 15 Prozent aller deutschen Erwerbstätigen. Wir können aber spekulieren, dass das Handwerk weniger als 15 Prozent des CO2-Ausstoßes verursacht, da die Energieverbräuche in den anderen Teilen der Wirtschaft wahrscheinlich höher sind.

Werden in dem Szenario Handwerksbetriebe ähnlich stark belastet, wie etwa die Industrie oder Dienstleistungsbetriebe wie zum Beispiel Gastronomie?

Wir haben keine nicht-handwerklichen Unternehmen untersuchen können. Wir haben nur die Energieverbräuche von Unternehmen in sieben Handwerkszweigen zu Verfügung gehabt. Deswegen kann man hier kaum Vergleiche anstellen. Die Großindustrie zahlt bereits jetzt, weil sie Zertifikate für jede Tonne CO2 erwerben müssen, die sie verursachen. Ich vermute, dass die Industrie im allgemeinen eine höhere Belastung durch CO2-Steuern tragen würde als das Handwerk, da sie höheren Energieverbräuche aufweisen. Allerdings beruht diese Vermutung nicht auf harten empirischen Belegen.

Stellt eine CO2-Bepreisung gegenüber dem EEG eine Verbesserung dar? Aus Sicht der Umwelt sowie aus Sicht der Gleichbehandlung der Betriebe?

Ja, aus meiner Sicht stellt eine CO2 eine deutliche Verbesserung gegenüber allen bisherigen Maßnahmen dar (EEG, Sanierungsförderung etc). Der Grund ist folgender. Bisher hat der Staat - oder eine Gruppe von Experten immer eine bestimmte Maßnahme (oder ein Maßnahmenbündel) ausgewählt und diese konkret gefördert. Es wurde beispielsweise gesagt, die Elektromobilität ist die Mobilität der Zukunft - also wird diese durch Steuergelder gefördert. Oder Gebäude-Sanierungen sind eine gute Möglichkeit Energie zu sparen. Leider ist die Trefferquote der Politiker und Experten in der Regel niedrig. Die Politiker müssten unter all den möglichen Maßnahmen, die eine Gesellschaft vornehmen könnte, diejenigen auswählen, die am effektivsten und billigsten die Umwelt schützen. Leider zeigt sich, dass eine solche Auswahl der richtigen Maßnahmen nur selten gelingt. Wir wissen mittlerweile, das Gebäudesanierung teurer ist als andere Klimaschutzmaßnahmen. Außerdem ist es immer noch völlig unklar, ob der Umstieg auf Elektromobilität überhaupt CO2 einspart.

... was für eine Steuer spricht.

CO2-Bepreisung, egal ob über eine Ausweitung des Zertifikatehandels oder eine Steuer, hat dieses Problem nicht. Wir müssen nicht vorher festlegen, welche konkrete Umweltschutzmaßnahme durchgeführt werden soll. Stattdessen wird das schädliche Verhalten, der Ausstoß von CO2, teurer gemacht. Das Schöne an dieser Methode ist, dass die Menschen selbst entscheiden können, ob und wo sie CO2 einsparen möchten. Sie werden also die Bereiche ihres Lebens oder ihres Unternehmens wählen, wo sich am leichtesten - also am günstigsten und einfachsten - CO2 einsparen lässt und dies an dieser Stelle tun. Kein Experte muss vorher entscheiden, was die beste Maßnahme ist. Stattdessen werden die einfachsten Einsparmaßnahmen von jedem Haushalt und jedem Unternehmen selbstständig gesucht, damit ist eine CO2-Bepreisung offen für alle Möglichkeiten und Technologien, besonders auch die, die noch gar nicht erfunden wurden!

Kann man davon ausgehen, dass eine CO2-Steuer das EEG ablösen wird?

Das ist im Moment noch sehr unklar, da die politischen Verhandlungen noch laufen. Meiner Meinung nach wäre dies aber eine gute Entscheidung.

Gehen Sie davon aus, dass Betriebe Maßnahmen zur Reduzierung einer CO2-Steuer ergreifen werden? Und wenn ja in welchem Umfang bzw. in welcher Anzahl und in welchem Zeitraum?

Wir gehen davon aus, dass die Unternehmen in der kurzen Frist kaum Anpassungsmaßnahmen umsetzen werden. Nur wenn ein Neubau oder eine generelle Erneuerung ansteht, wird es wirtschaftlich sinnvoll sein, Maßnahmen umzusetzen. Ich vermute, dass in den ersten fünf Jahren kaum etwas geschehen wird und danach nur sehr langsam.

Was könnte man damit am CO2-Ausstoß einsparen?

Im Handwerk wird es höchstwahrscheinlich nur geringe Einsparpotentiale geben. Es zeigt sich aber in anderen Ländern, dass die Einführung einer CO2-Steuer insgesamt zu geringeren Emission von Treibhausgasen führt, beispielsweise in Schweden. Gesamtgesellschaftlich kein eine CO2-Bepreisung also sinnvoll sein.

Kann man beziffern, wie hoch diese Investitionen sein werden?

Nein, die Investitionskosten hängen zu stark von den individuellen Gegebenheiten ab. Wir gehen aber davon aus, dass viele Maßnahmen, wie beispielwiese die energetische Sanierung von Gebäuden, sich kaum lohnen werden. Wie ich bereits beschrieben habe, gehen wir davon aus, dass die Handwerksunternehmen, bei entsprechender Kompensation (Bsp. Abschaffung EEG) auch keine Mehrkosten zu erwarten haben. Nur wenn sich die Politik, wider aller Vernunft für eine Besteuerung ohne Kompensation entscheidet, kommen überhaupt Mehrkosten auf das Handwerk zu.

Welche Reaktionen gibt es auf die Studie aus der Politik?

Bisher nur wenige. Allerdings gibt es momentan verstärkt Interesse von verschieden Wirtschaftsverbänden und Zeitungen, mit denen wir viele Gespräche führen.

Welche Reaktionen gibt es auf die Studie aus der Handwerksorganisation?

Es gibt vermehrt Anfragen von Handwerkskammern, die mehr zum Thema erfahren wollen. Ich werde also in den nächsten Wochen wohl verstärkt im Land umherreisen, um mit den Handwerksvertretern Gespräche zu führen.

Eine private Frage an Sie auch als Wissenschaftler: Befürworten Sie die Einführung einer CO2-Steuer?

Ja, der Klimawandel wird Folgen für die Generation meiner Kinder haben. Wir wissen allerdings nicht genau, wie schlimm diese Folgen ausfallen werden, die Prognosen reichen von unangenehm bis katastrophal. Ich sehe Klimaschutzmaßnahmen folglich als eine Art Versicherung an. Natürlich kann es sein, dass wir die Konsequenzen des Klimawandels überschätzen, aber ich denke, wir sollten uns gegenüber dem Risiko von weitaus schlimmeren Effekten wie etwa Meerversalzung oder Meeresstromänderungen absichern. Als Ökonom plädiere ich allerdings für eine offene Klimaschutzpolitik, welche nicht nur konkrete Dinge fördert oder verbietet. Solche konkreten politischen Maßnahmen setzten ein Wissen voraus, was kein Politiker oder Experte haben kann, deswegen muss Klimapolitik offen für verschiedene Maßnahmen sein und viele kleine Experimente zulassen. Meiner Meinung wird dieses Offenheitskriterium nur von zwei Herangehensweisen erfüllt: entweder einer Ausweitung des europäischen Zertifikatehandels oder der Einführung einer CO2-Steuer in Deutschland.

  • Vita
    Dr. Petrik Runst,
    geboren 1982 in Werdau (Südwestsachsen), studierte Politik und Volkswirtschaftslehre in Leipzig, Erfurt und Nottingham (UK). Er promovierte an der George Mason University, VA, USA, und unterrichtete an der St. Lawrence University und der University of Wisconsin, Eau Claire, bevor er Heimweh bekam und 2014 an das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh.wiwi.uni-goettingen.de) nach Göttingen wechselte. Forschungsschwerpunkte sind Energieökonomik, Regulationsfragen (Meisterpflicht) und Politische Ökonomie.
  • Studien Download
    Die komplette Studie kömmen Sie hier herunterladen.
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