Wirtschaft -

Roter Teppich für Azubis

Die Zahl der Schulabsolventen wird 2010 wieder sinken. Für viele Betriebe wird es schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu finden. Was Politik und Verbände dagegen unternehmen.

Reichlich Bewerbungen, Quereinsteiger aus anderen Betrieben und jedes Ausbildungsjahr 15 bis 20 Auszubildende – in der Bäckerei Brinkhege in Hilter bei Osnabrück fehlt es nicht an Nachwuchs. Damit kann sich Martin Pohlmeyer, bei Brinkhege zuständig für die Ausbildung, glücklich schätzen. Denn das Bäckerhandwerk gehört mit fast acht Prozent unbesetzter Ausbildungsplätze zu den Gewerken mit einem besonders hohen Anteil fehlender Lehrlinge. Auch in vielen anderen Handwerksberufen wird qualifizierter Nachwuchs knapp.Fast 10000 Ausbildungsplätze im Handwerk konnten laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) im vergangenen Jahr nicht besetzt werden. Bedingt durch den demografischen Wandel werden die Schulabgängerzahlen kontinuierlich sinken. Zudem gehen die Geburten zurück und immer mehr Jugendliche machen Abitur und studieren statt eine Ausbildung zu machen. Laut Prognose der Kultusministerkonferenz werden in diesem Jahr rund 25000 Jugendliche weniger die Schulen verlassen als 2009. Dies kann grundsätzlich den Ausbildungsmarkt entlasten. Allerdings wird es damit für Unternehmen 2010 schwieriger, passende Bewerber zu finden. Betriebe sollten mehr Werbung für ihre Berufe machen, denn „viele junge Menschen wissen zu wenig über das Handwerk und finden es uncool“, stellt Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH, fest.

Pakt für Fachkräftesicherung gefordert

Seit 2004 versuchen Politik und Verbände mit dem Ausbildungspakt, Lehrstellen zu sichern und vorhandene zu besetzen. Betriebe können dabei Vermittlungs- und Beratungsaktionen von Kammern und Arbeitsagenturen in Anspruch nehmen, z. B. ein von der Arbeitsagentur bezuschusstes Langzeitpraktikum für ausbildungswillige Jugendliche – die so genannte Einstiegsqualifizierung. Den Ausbildungspakt, der im Herbst ausläuft, wollen Regierung und Wirtschaft auch über 2010 hinaus fortsetzen. Dem ZDH ist das angesichts der demografischen Lage nicht genug. Er fordert einen neuen Pakt für Fachkräftesicherung, „um sämtliche Potenziale auf dem Aus- und Weiterbildungsmarkt zu erschließen“, so Schwannecke. Man müsse schon in der Schule ansetzen, dort die Ausbildungsqualität verbessern und über Handwerksberufe informieren.

Die Bäckerei Brinkhege wartet nicht auf Maßnahmen der Politik. Sie gewinnt mit Anzeigen, ihrer Homepage und ihrem guten Ruf selbst genügend Azubis (siehe Praxistipps).

- redakteur@handwerk-magazin.de

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