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Flottenversicherung Risikoschutz für den Fuhrpark tunen

Der Schutz für den Fuhrpark gehört zur Wechselsaison im Herbst auf den Prüfstand. Auch für kleine Fahrzeugflotten bieten sich Rahmenverträge an, die ein einfaches Handling und Preisvorteile ermöglichen.

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Aufbauen, abbauen, beladen, transportieren – 52.000 Quadratmeter Gerüste, mehrmals im Jahr, für Gewerbebauten und Wohngebäude bis hin zu Kirchen und Hochhäusern transportieren: Die Lkw-Flotte der Güll Gerüstbau GmbH aus Schwerin rollt bis Hamburg, Lübeck und Wismar. Gerade erst haben die 13 Gerüstbauer des Betriebs die Gerüste für die Komplettsanierung eines 35-Meter-Wohnhochhauses gestellt. „Wir bedienen Kundschaft in einem Radius bis zu 150 Kilometern“, erklärt Ines Güll, die vor elf Jahren in den väterlichen Betrieb eingestiegen ist und heute als Prokuristin den kaufmännischen Bereich verantwortet.

Tarife ab fünf Fahrzeugen möglich

Für den Versicherungsschutz des Firmenfuhrparks, zu dem neben den Lkw zwei Pkw sowie ein Pick-up gehören, hat die Unternehmerin verschiedene Vergleichsangebote eingeholt und sich dann für einen Flottenvertrag bei der VHV entschieden.

Diese Rahmenverträge für den Fuhrpark ermöglichen ein einfaches Handling und bringen Preisvorteile: Flottentarife bieten sich oft auch für kleine Fahrzeugflotten an. „Die Verträge beginnen ab drei Fahrzeugen, es gibt aber Ausnahmen“, sagt Kamillo Burkhardt vom Maklerhaus Ratzke & Ratzke aus Dresden, spezialisiert auf Flottentarife für die gewerbliche Kundschaft. „Die meisten Verträge fangen ab fünf Fahrzeugen an, die Policen für einen größeren Fuhrpark ab zehn Fahrzeugen.“ Man könne nicht pauschal zu einem bestimmten Tarif oder einer bestimmten Gesellschaft raten. Das sei immer eine Einzelfallprüfung und nicht zuletzt abhängig von der Schadenhistorie der jeweiligen Kfz-Flotte, so der Versicherungsmakler.

Schadenverlauf bestimmt Beiträge

Weitverbreitet ist die Gleichstellung der Fahrzeuge bei den Schadenfreiheitsrabatten. Vorteilhaft ist das zum Beispiel bei einer Fuhrparkerweiterung. Neufahrzeuge fahren dann sofort in derselben, günstigeren Schadenfreiheitsklasse wie alle anderen. „Möglich macht das die Risikomischung“, erläutert Burkhardt. Nachteil: „Wenn nur ein Fahrzeug schadenbelastet ist, leiden auch die anderen darunter. Der Tarif wird dann für alle teurer.“

Andere Flottenversicherungen differenzieren an dieser Stelle. Jedes Fahrzeug hat seine eigene Schadenfreiheitsklasse. „Abhängig vom Schadenverlauf wird auch nur das schadenbelastete Fahrzeug hochgestuft. Alle anderen bleiben gleich.“ Die Güll Gerüstbau hat sich für einen sogenannten Stückkostentarif entschieden mit einem festen Beitrag für jedes Fahrzeug anstelle eines individuellen Schadenfreiheitsrabatts. „Damit sind wir bei einem geplanten Fahrzeugaustausch sehr flexibel“, erklärt Ines Güll. So könne der Fuhrpark den Winter über ohne Ersatzfahrzeug auskommen. „Wir brauchen es erst in sieben oder acht Monaten anzuschaffen, wenn die Geschäfte wieder anziehen.“ So lange dauere es von der Bestellung bis zur Auslieferung eines Lkws. „Mit unserem Rahmenvertrag können wir planen. Wir wissen, welche Beiträge wir am 1. Januar des Folgejahres bezahlen. Und wir haben die Sicherheit, dass wir nicht bei jedem kleinen Schaden sofort hochgestuft werden“, sagt die Prokuristin.

Ausschlaggebend waren für sie außerdem eine schnelle Schadenabwicklung sowie ein kompetenter Ansprechpartner vor Ort, „der den Schutz auf dem neuesten Stand hält“. Beim jährlichen Check wird auch die Schadensquote besprochen. Denn mit der Schadensquote steht und fällt die Prämie der Flotte. Darauf weist Makler Bert Heidekamp aus Berlin hin. 70 Prozent sind nach seiner Erfahrung die Obergrenze, um im Flottentarif zu fahren. Mit einer Schadensquote kleiner 50 lassen sich dagegen gute Beitragssätze verhandeln.

Investitionen rechnen sich

Dass die Schadensquote niedrig und die Prämie günstig bleibt, dafür hat die Güll Gerüstbau einiges investiert. Die Lkw wurden technisch aufgerüstet: „Durch die Rückfahrkamera passieren weniger Schäden beim Einparken“, bilanziert Ines Güll. Und durch das Navigationssystem in den Fahrzeugen vermindere sich die Gefahr von Auffahrunfällen. „Die Kollegen müssen sich nicht auf der Karte vergewissern, ob sie richtig sind. Sie können sich auf den Straßenverkehr konzentrieren.“ Dazu kommen monetäre Anreize für die Fahrer auf den Lkw sowie regelmäßige Schulungen. Entscheidend im Vorfeld ist eine vernünftige Ladungssicherung. „Was in der Höhe über die Bordwände hinausgeht, muss entsprechend niedergezurrt oder aneinandergebunden und außerdem die Gurtbelastung durchgerechnet werden“, erläutert Ines Güll. Bereits bei Anschaffung der Lkw hat das Gerüstbauunternehmen vorausschauend relativ hohe Bordwände genommen, „so dass sich auch beim Verrutschen von Kleinmaterialien infolge eines scharfen Bremsmanövers nicht gleich alles in Bewegung setzt“.

Bausteine für Baugewerke

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen – ein Restrisiko bleibt. Flottenpolicen decken hier mit verschiedenen Bausteinen noch weitere Gefahren ab. Bauhandwerkern rät Makler Kamillo Burkhardt zur Versicherung der branchentypischen Brems-, Betriebs- und Bruchschäden. Damit sind zum Beispiel eigene Schäden am Fahrzeug infolge einer Vollbremsung abgedeckt. Bisher war dieser Leistungsbaustein nur für Lieferwagen zu haben. „Inzwischen bieten viele Risikoschutz für die sogenannten BBB-Schäden auch für gewerbliche Pkw an“, erklärt Burkhardt. Unverkennbar ist die Tendenz am Flottenmarkt, Kunden mit mehr Leistung und Service zum Umstieg zu bewegen. „Vieles bieten die Gesellschaften dabei optional an, um die Prämien gering zu halten“, sagt Burkhardt. Deshalb sei es wichtig, das Kleingedruckte durchzugehen. „Flottentarife unterscheiden sich in den Konditionen erheblich“, sagt Makler Bert Heidekamp. Die Verlockung von günstigen Pauschalprämien könnte auch zu lückenhaftem Versicherungsschutz führen. „Am Markt gibt es aber Angebote, die neben sehr guten Prämien auch sehr gute Vertragsbedingungen beinhalten.“

Nachrechnen: Was beim Wechsel zählt

Unternehmer, die ihren Fuhrpark neu versichern möchten, können mit Flotten-tarifen viel Geld sparen. Worauf Sie beim Anbieterwechsel achten sollten.

Schadensquote

Sie gibt an, wie viel Prozent von der Versicherungsprämie für Schadensfälle des Versicherungskunden verwendet wurden. Danach wird in der Kfz-Flottenversicherung individuell für jede einzelne Flotte die Prämie berechnet. 70 Prozent sind erfahrungsgemäß die Obergrenze, um im Flottentarif zu fahren. Tipp: Mit einer Quote kleiner 50 Prozent kann man gute Beitragssätze verhandeln.

Prämienersparnis

Sie kann bei Flottentarifen zwischen zehn und 40 Prozent im Vergleich zu klassischen Verträgen betragen.

Rabatte

Beim Wechsel zu einem anderen Versicherer kann man die „erfahrenen Prozente“ nicht mitnehmen, sondern nur die „erfahrenen“ schadenfreien Jahre.

Selbstbehalte

Mit einer Selbstbeteiligung im Schadensfall lässt sich die Prämie senken. Tipp: Für sehr große Flotten kann sich das auch in der Kfz-Haftpflicht anbieten.

Prioritäten

Vorsortieren, was inhaltlich wichtig ist, und danach den günstigsten Anbieter auswählen. Jede Gesellschaft erstellt ihre eigenen Konditionen. Flottentarife können sich deshalb bei Konditionen und der Prämie erheblich unterscheiden.

Verhandeln

Das lohnt sich für langjährige gewerbliche Kunden immer. Dabei gilt: je größer die Flotte, desto größer der Verhandlungsspielraum und die Rabattmöglichkeiten. Funktionierendes Fuhrparkmanagement, regelmäßige Fahrerschulungen und wenig Unfälle stärken die Verhandlungsposition. Tipp: Bei Jahresprämien ab 3.000 Euro aufwärts Versicherungsberater oder Makler einschalten.

Kündigen

Erst wenn die Deckungszusage der neuen Gesellschaft vorliegt, den alten Vertrag kündigen. Fristgemäß kündigen, heißt: vier Wochen zum Vertragsablauf. Jeweils am 30. November ist für die meisten Verträge Ultimo. Das ist der letzte Tag für den Eingang des Kündigungsschreibens beim Versicherer. Kündigung immer per Einschreiben verschicken.

Flottentarife für Handwerksbetriebe

Mit Flottenversicherungen können Handwerksunternehmer Geld sparen, aber zum Ende des Versicherungsjahres lohnt sich der Vergleich. Denn es bestehen, gerade für Handwerksbetriebe mit einem großen Fuhrpark, erhebliche Preisunterschiede am Markt.

Methodik: So haben wir die Tarife ermittelt

Gewerbliche Fuhrparkversicherungen werden, gerade bei größeren Flotten, individuell berechnet. handwerk magazin gab den Anbietern daher zwei Beispielkunden aus dem Handwerk mit sechs sowie 25 Fahrzeugen plus fünf Hängern vor. Die Versicherungen haben entsprechend dazu die individuellen Flottentarife kalkuliert.

Beispielkunde mit 6 Fahrzeugen

Gas-Wasser-Installateurbetrieb mit 2 Mercedes Sprinter, 2 VW Crafter 35, Volvo V70 (Chef), Skoda 6Y (Ehefrau), Vollkasko mit 1.000 Euro Selbstbehalt (SB) inkl. Teilkasko 150 Euro SB, 30.000 km Fahrleistung, mit GAP-Deckung für alle Leasingfahrzeuge, in 44328 Dortmund zugelassen, Erstzulassung Juni 2017. Jeder darf alle Fahrzeuge fahren. Nachts stehen die Fahrzeuge auf dem nicht abgeschlossenen Hof des Handwerksunternehmens oder bei den Mitarbeitern zu Hause am Straßenrand. Der Firmenchef fährt in SF 35, seine Frau in SF 32.

Gesellschaft Tarif Vierteljährliche
Endpreisprämie1
VHV Flotte-Garant-Baupaket 1.163,46 €2
AXA Mobil Kompakt 2.260,21 €3
R+V Branchenpolice 2.300,63 €4
Zurich - 2.323,02 €5
HDI GLOBAL SE Flotte-Komfort 3.198,16 €6
ALTE LEIPZIGER Fuhrpark-Tarif 3.585,70 €7

1) inkl. 19 % Versicherungssteuer; 2) Ehefrau = Mitarbeiterin; 3) Fahrtzweck Kundendienst/Kundendienstbesuche, Lkw beginnen im Rahmen der Kleinflotte als Neuvertrag mit SF-Klasse 3; 4) Mitarbeiter-Fahrzeuge Zulassung als Pkw ohne Vermietung (WKZ 112), Fahrzeug der Ehefrau fiktive Nutzerdaten; 5) Für Mitarbeiterfahrzeuge Zweitwagenregelung; außerdem Anwendung der Regelung für Geschäftsführerrabatt; 6) Sofern das Fahrzeug der Ehefrau auf die Firma zugelassen ist, kann es auch über die Flotte versichert werden; 7) Alle Fahrzeuge in Tarifgruppe F (erweiterter Branchentarif) eingeordnet, Sprinter und Crafter als Lieferwagen mit geschlossenem Kasten Stand: August 2017, unverbindliche Modellrechnungen, Quelle: eigene Recherche

Beispielkunde mit 25 Fahrzeugen

Gas-Wasser-Installateurbetrieb mit 3 Pkw für die Inhaber, 4 Pkw für Bauleiter, 9 VW Crafter 35, 9 VW Transporter und 5 Böckmann-Anhängern. Alle Fahrzeuge sind neu und geleast, Vollkasko mit 1.000 Euro Selbstbehalt (SB) inkl. Teilkasko mit 150 Euro SB, 30.000 km Fahrleistung mit GAP-Deckung für Leasing, in 50939 Köln zugelassen, vierteljährliche Zahlungsweise. Nachts stehen die Fahrzeuge auf dem nicht abgeschlossenen Hof des Handwerksunternehmens oder bei den Mitarbeitern zu Hause am Straßenrand.

Gesellschaft vierteljährliche
Endpreisprämie1
VHV 5.766,07 €
SIGNAL IDUNA 5.987,90 €2
ALTE LEIPZIGER 9.482,75 €3
ZURICH 11.052,40 €
HDI GLOBAL SE 11.772,78 €

1) inkl. Versicherungssteuer 19 %, 2) positiver Vorschadenverlauf vorausgesetzt 3) Alle Fahrzeuge in Tarifgruppe F (erweiterter Branchentarif) eingeordnet Stand: August 2017, unverbindliche Modellrechnungen, Quelle: eigene Recherche

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