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Private Altersvorsorge Riester-Policen: Manche Sparer zahlen doppelt

Abschluss- und Vertriebskosten auf Riester-Rentenverträge werden von einigen Versicherungen doppelt erhoben. Davon besonders häufig betroffen sind Riester-Sparer mit Kindern. Das können Sie dagegen tun.

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Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hat bei 34 Lebensversicherungen nachgefragt, wie sie es mit der Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten bei der Riester-Rente halten. Das Ergebnis: Nicht alle erheben diese Gebühren, aber 15 von ihnen machen dies - eine Versicherung gar bis zu knapp 13 Prozent.

Die Marktwächter beschreiben das typische Szenario: "Ein Verbraucher mit einer Riester-Rentenversicherung erhält neue Kinderzulagen. Dadurch sinken seine Eigenbeiträge, auf die er bereits die vollen Abschluss- und Vertriebskosten bezahlt hat. Verliert der Sparer mit dem Älterwerden der Kinder irgendwann wieder seine Zulagenberechtigung, steigen auch seine Eigenbeiträge wieder an. So weit, so gut, so verständlich." Am Beispiel der Württembergischen Versicherung macht die Verbraucherzentrale das Problem deutlich: Sie bitte "ihre Kunden in einem solchen Fall ein weiteres Mal zur Kasse und verlangt für neue Kinderzulagen erneut Abschluss- und Vertriebskosten. Doch damit nicht genug. Fällt die Zulage des Riester-Sparers wieder weg, verlangt die Württembergische abermals Abschluss- und Vertriebskosten auf die dann wieder erhöhten Eigenbeiträge. Obwohl sich der Gesamtbeitrag des Versicherten nicht verändert, zahlt er bei jeder zulagenbedingten Änderung des Eigenbeitrags erneut Abschluss- und Vertriebskosten." Hier erfolgt der doppelte Zugriff.

Wen der doppelte Zugriff trifft

  • Riester-Sparer, die Kinderzulagen erhalten und entsprechend ihren Eigenbeitrag senken
  • Riester-Sparer die nach Ablauf von Kinderzulagenberechtigungen ihren Eigenbeitrag wieder erhöhen
  • Riester-Sparer mit schwankenden Einkünften
  • Riester-Sparer, die von der unmittelbaren Förderberechtigung in die mittelbare Förderberechtigung wechselten und danach wieder zurück.

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft reagiert

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) bezog jetzt Stellung und forderte eine starke Vereinfachung des Fördersystems als Prävention gegen derlei Geschäftsgebaren. „Aufgrund der komplexen Riester-Fördersystematik kann es in wenigen, besonderen Fallkonstellationen zu einer zusätzlichen Abschlusskostenbelastung kommen. Der Verband setzt sich dafür ein, dass die Mitgliedsunternehmen für die betroffenen Kunden individuelle Lösungen auf dem Kulanzweg finden“, wird der GDV auf procontra.de zitiert.

  • Für Neu-Riestersparer heißt das: Wählen Sie eine Versicherung mit günstigen Abschlussgebühren.
  • Für Alt-Riesersparer heißt das: Zahlen Sie nicht widerspruchslos diese Gebühr, verhandeln Sie mit ihrem Versicherungsberater.
  • Fra gen Sie bei Ihrem Versicherer nach, ob er solche Gebühren erhebt. Wenn ja, melden Sie dieses der Verbraucherzentrale unter www.vzhh.de/missstand-melden

Reform von Riester ist notwendig

Auch eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) fordert eine Reform der Riester-Rente. Sie empfiehlt eine vereinfachte Fördersystematik. So sollte das Abklären, wer unmittelbar berechtigt ist, die staatlichen Zuschüsse und Steuervorteile zu erhalten, vereinfacht werden. Die Ausgestaltung der Fördersystematik und die laufende Verwaltung von Riester-Verträgen müssten sich laut den Ergebnissen der Studie ebenfalls deutlich vereinfachen. Ebenso sollte die obligatorische Beitragsgarantie flexibilisiert und den Kunden die Wahlmöglichkeit gegeben werden, in chancenreichere Produkte zu investieren. Nach wie vor gäbe es aufgrund der verpflichtenden Beitragsgarantie eine viel zu geringe Tarifauswahl und -vielfalt in der Riester-Rente. Vorschlag des DIA: Abschaffung von unmittelbarer und mittelbarer Förderung. Wer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig oder sozialversichert ist, soll förderberechtigt sein und neben den Grund- und Kinderzulagen eine Förderung von mindestens 50 Prozent auf jeden Euro Eigenleistung erhalten. Diese würde die bisherige Steuerförderung ersetzen und fließe dann in die Verträge, statt auf das Girokonto.

Hier sind die zehn höchsten Abschlusskostenquoten (AKQ) 2018, die procontra-Online.de ermittelt hat:

  1. Credit Life (Rheinland Versicherungsgruppe): 12,94 Prozent  AKQ ( +0,33 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr).
  2. Landeslebenshilfe: 8,92 Prozent AKQ (+ 0,42 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr).
  3. HDI: 8,47 Prozent  AKQ (-0,7 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr).
  4. Delta Direkt: (LV 1871-Tochter):   7,77 Prozent  AKQ (-1,85 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr)
  5. Dialog Lebensversicherung:   7,39 Prozent AKQ (+1,30 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Diese Entwicklung begründete der Versicherer gegenüber procontra mit der deutlichen Reduzierung der Bruttobeiträge im April 2016, während Nettobeiträge und Provisionshöhe in etwa gleich blieben.
  6. Karlsruher Lebensversicherung:   7,28 Prozent AKQ (+1,78 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr)
  7. Direkte Leben Lebensversicherung AG (Direktversicherer der Stuttgarter): 6,94 Prozent AKQ. (- 0,09 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr)
  8. Neue Leben Lebensversicherung AG (Talanx-Tochter): 6,90 Prozent AKQ (+ 0,92 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr).
  9. Ergo Direkt: 6,58 Prozent AKQ. (+ 0,36 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr).
  10. Nürnberger Versicherung:   6,50 Prozent AKQ. (+ 0,38 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). 
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