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Kongress "Kulturerbe Handwerk in Europa" Restaurierungsmarkt durch bessere Förderung stärken

Der Handwerkskongress „Kulturerbe Handwerk in Europa“ in Berlin sorgt für einen Austausch von internationalen Experten. Thema: die Entwicklungschancen des Restaurierungsmarktes in Europa. Der Kongress zeigte auf, dass der Markt europaweit große Entwicklungspotenziale besitzt.

Themenseiten: TS Restaurierung und TS Immaterielles Kulturerbe

Beim europäischen Handwerkskongress „Kulturerbe Handwerk in Europa“ im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin haben internationale Experten über die Chancen einer systematischen Entwicklung des Restaurierungsmarktes und der Restaurierungswirtschaft in Europa diskutiert. Fazit: Die Denkmalpflege und der Erhalt des Kulturerbes in Europa müssen stärker wirtschaftlich gefördert werden. Darüber bestand auf dem europäischen Handwerkerkongress Einigkeit zwischen den Experten. Der Kongress teilte sich in Vorträge und eine Podiumsdiskussion, um den Zusammenhang zwischen materiellem Kulturgut und immateriellem Kulturerbe in Bezug auf das Handwerk darzustellen. Ergebnis: Bislang würde die Denkmalpflege nicht als Markt betrachtet, das müsse Sie aber, wenn sie Wachstum und Beschäftigung erbringen soll.

Großes Potenzial für den europäischen Restaurierungsmarkt

Das Volumen für den europäischen Restaurierungsmarkt wird auf über 35 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Auf dem Kongress wurden Instrumente vorgestellt, mit denen das deutsche Handwerk das Feld Restaurierung und Denkmalpflege europaweit erschließen kann. Diese umfassen:

  • Zusammenarbeit deutscher und italienischer Handwerker im Rahmen einer Handwerkskammer-Kooperation
  • Möglichkeiten einer Geschäftsanbahnungsreise für Restaurierungsunternehmer zur Erkundung des Marktes im Vereinigten Königreich
  • deutsche Firmengemeinschaftsstände auf der DENKMAL Moskau und der MONUMENTO Salzburg im Rahmen des Auslandsmesseprogramms des Bundes
 

Dem Handwerk ist neben dem Interesse an anderen Märkten die Kooperation mit den Handwerkern und den Kulturerbeeinrichtungen vor Ort am wichtigsten. Der Austausch und das gegenseitige Lernen voneinander stehen hierbei im Mittelpunkt.  

Auf der Mitgliederversammlung des Europäischen Bunds für Handwerkliche Restaurierung und Denkmalpflege (FEMP) wurden die Ergebnisse der Konferenz und der Diskussion als „Berliner Manifest" zusammengefasst.

Langjährige Fehlentwicklungen in der derzeitigen Kulturerbepolitik

Dabei zeigte sich, dass Handwerker auch bei der Ausübung ihres Berufs durch Restaurierungsverbote, wie etwa in Italien und Frankreich, benachteiligt werden. Zudem sind diese im internationalen Denkmalpflegerat ICOMOS sowie im öffentlich finanzierten Restaurierungszentrum ICCROM kaum repräsentiert. Dies hat zur Folge, dass fachliche Restaurierungsirrtümer nicht ausgeschlossen werden können. Bemängelt wurde außerdem, dass die Restaurierungswirtschaft auf europäischer Ebene immer noch nicht systematisch erfasst wird, obwohl leistungsfähige Forschungsinstitute wie das ifh Göttingen die dazu nötige Methodik entwickelt haben.

Außerdem zeigte die Diskussion, dass trotz ERASMUS+ eine grenzüberschreitende Förderung der höheren Berufsbildung kaum stattfindet. Handwerker müssen selbst für die Kurskosten aufkommen. Diese können über 6.000 Euro betragen. Enge zeitliche Regularien des ERASMUS+ schränken zudem die Fortbildungsmöglichkeiten für Handwerksmeister ein. 

Das „Berliner Manifest“ im Überblick

Das Berliner Manifest „Handwerkliche Restaurierung und Denkmalpflege in Europa“ benennt die langjährigen Fehlentwicklungen in der derzeitigen Kulturerbepolitik. Die wichtigsten Forderungen im Überblick:

 
  • Gleichbehandlung mit Akademikern
  • Ende der Benachteiligung der Handwerker im Kulturerbesektor
  • Paradigmenwechsel in der europäischen Kulturpolitik
  • Förderung der grenzüberschreitenden höheren Berufsbildung
  • Systematische Entwicklung der Restaurierungswirtschaft und des Restaurierungsmarktes

Erfolgreich im Restaurierungsmarkt

Wie Handwerker erfolgreich im Restaurierungsmarkt agieren können, zeigt die Roland Schulze Baudenkmalpflege in Potsdam, ein Unternehmen mit rund 70 Mitarbeitern. Ohne Roland Schulzes Expertise und Engagement wäre Potsdam nicht ganz so schön. Die Referenzliste der Roland Schulze Baudenkmalpflege GmbH mit Sitz in Potsdam ist so lang wie eindrucksvoll. Darauf findet man nicht nur Gebäude der Schlossanlage Sanssouci, sondern auch mehr als 80 Kirchen, hunderte historische Balkone, das Marmorpalais, den Einsteinturm – und den Pomonatempel auf dem Pfingstberg. Dass er das Erstlingswerk des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel restaurieren durfte – darauf ist Schulze besonders stolz. Für seine Arbeit am Café Moskau in Berlin wurde er 2010 sogar mit dem „ Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ ausgezeichnet.

In der Restauerierung erwirtschaften Handwerksbetriebe in Deutschland jährlich rund 7,5 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 1,3 Prozent des Gesamtumsatzes, den das Handwerk erzielt. Mehr als 80 Gewerke beackern das ­Geschäftsfeld Restaurierung und Denkmalpflege, von A wie Augenoptiker über K wie Karosserie und Fahrzeugbauer bis Z wie Zupfinstrumentenmacher. Insgesamt rund 170.000 Unternehmen mit 870.000 Erwerbstätigen bieten kulturelle Dienstleistungen an.

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