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Fahrbericht Renault Kangoo: Die dritte Dimension

Mit der dritten Generation des Kangoo Rapid hat Renault die Dimensionen seines erfolgreichen Stadt-Lieferwagens deutlich erweitert und ihm zusätzlich raffinierte Praxisfeatures spendiert. Dazu addieren sich Assistenzsysteme, das Handling und der Fahrkomfort eines Pkw.

Topic channels: TS Autotest, TS Fuhrpark, TS Fahrzeugeinrichtung und TS Transporter

Die Fahrertür öffnet sich äußerst einladend im 90-Grad-Winkel. Das gilt auch für die Beifahrertür. So gestaltet sich der Einstieg in den neuen Renault Kangoo Rapid ebenso behände wie der Ausstieg nach dem Ende der ersten Testfahrrunde. Die führt, angeleitet durch das präzise ansagende Navigationssystem, über städtische, ländliche und ­autobahnartige Straßen im Köln-Brühler Raum. Dabei hinterlässt die dritte Generation des französischen Stadt-Liefer­wagens auf Anhieb einen nachhaltig positiven Eindruck. Zum Auftakt gefällt uns das frische Design mit der breiten Front, der flachen Motorhaube inklusive schwungvoll konturierten Sicken, den ausgestellten Radhäusern und der leicht gewölbten Dachlinie. Mit der breiteren Hinterachsspur (1.596 Millimeter) wuchsen Hecköffnung sowie Laderaum, und so passt zwischen die Radkästen (1.248 Millimeter) nun eine Europalette.

Clevere Praxisfeatures

Das nutzbare Volumen ist auf 3,3 bis 3,9 Kubikmeter in der Variante mit dem 2.716 Millimeter kurzen Radstand gewachsen. Bei der um 420 Millimeter längeren Version, die Ende des Jahres folgt, passen dann bis zu 4.900 Liter hinein. Das jeweilige Maximum lässt sich mit wenigen Handgriffen herstellen: Beifahrersitzfläche vorklappen, Kopfstütze in die vorgeformte Konsolenschale hineinlegen und die Lehne flachlegen. Schon hat man die Laderaumlänge auf 3,05 Meter beim Kurzen und 3,55 Meter beim Langen gestreckt. Doch das ist nur das erste von ­diversen innovativen Praxisfeatures.

Als zweites Novum punktet die „Open Sesame“-Schiebetüre auf der rechten Seite: Der Verzicht auf eine feste B-Säule ergibt zusammen mit der 90 Grad öffnenden Beifahrertüre stolze 1.446 Millimeter Einladebreite. Eine Option, die zur Markteinführung des Kangoo Rapid als Serienfeature in den beiden Ausstattungspaketen „Edition One“ und „Extra“ enthalten ist – zusammen mit der vergitterten und drehbaren „Vario-“-Trennwand. Die Preisliste beginnt damit aktuell bei 17.350 Euro (exkl. MwSt.). Erst im Laufe des Jahres will Renault eine konventionelle Variante mit klassischer B-Säule anbieten, die auch eine linke Schiebetüre als Option ermöglicht. Dieses Konstrukt ist Voraussetzung für das dritte praxisgerechte Feature: der im Laderaum-Dach montierten klappbaren Galerie „Easy Inside Rack“. Sie nimmt bis zu 2,50 Meter langes und 30 Kilo schweres Sperrgut auf.

Vario-Trennwand mit Sortimo SR5-Rotationsregal

Das „Open Sesame“-Konzept des Kangoo Rapid mit der 1,45 Meter breiten seitlichen Ladeöffnung schafft Platz für innovative Regalsysteme. Paradebeispiel dafür ist das mit Einrichtungsspezialist Sortimo entwickelte SR5-Rotationsregal. Das ein Meter breite Modul wird via Schraubverbindungen am schwenkbaren Trenngitter hinter der Fahrerkabine montiert. Es lässt sich je nach Bedarf mit den Schubladen, Fachböden oder „BOXXen“ aus der Sortimo-Palette ausrüsten. Zum Ausschwenken klappt man lediglich den Beifahrersitz um und löst vier Sicherungsriegel. Interessenten können das SR5-Rotationsregal via Renault-Händler bei Sortimo per Ein-Rechnungs-Modell ordern. Die Markteinführung ist für Ende des Jahres avisiert, der Preis steht noch nicht fest.

Laufruhiger Selbstzünder

Ab auf den ergonomisch angenehm geformten Fahrersitz im modern gestalteten Cockpit mit seinen insgesamt 60 Liter fassenden Staufächern: Die rechte Hand greift den mittig im Armaturenträger platzierten Schalt-Joystick, der leicht teigig durch die etwas zu langen Wege des akzeptabel gespreizten Sechsgänge-Menüs führt. Wer lieber schalten lassen mag, darf sich auf das Siebengang-Doppelkupplungs-Getriebe freuen, das als Option zum Jahresende in Aussicht gestellt wird.

Kangoo Rapid Cockpit

Griffig ist das leicht asymmetrische Dreispeichen-Lenkrad, das zur Einleitung der Richtungsdirektiven nachdrücklich und bei spontan forciertem Leistungseinsatz mit starkem Arm geführt werden will. Aus der zum Marktstart offerierten Motorenpalette – zwei 1,3-Liter-Turbo-Benziner TCe FAP mit 75 kW (100 PS) und 96 kW (130 PS) sowie zwei 1,5-Liter-Turbodiesel mit 55 kW (75 PS) und 70 kW (95 PS) – haben wir uns für den stärksten Selbstzünder entschieden. Das dank einer guten Dämmung laufruhige Aggregat gibt sich unter 2.000 Umdrehungen leicht unwillig, zieht aber dann mit ordentlichem Temperament an und sorgt (mit solide im Laderaum verzurrten 280 Kilo) für rapides Wuseln durch den Stadt-Land-Verkehr. Schnelle Autobahnhatzen sind indes weder akustisch noch fahrdynamisch die Domäne des Kangoo Rapid, schon gar nicht in den bei Tempo 100 abregelnden „ECO-Leader“-Varianten der TCe-130- und Blue-dCI 95-Modelle.

Aus der aktuellen Renault-Pkw-Palette stammen die zum Paketpreis ab 1.450 Euro verfügbaren Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalte-, Notbrems-, Toter-Winkel-Assistent und weitere Features wie ein Multimediasystem („Easy Link“) oder ein digitaler Innenrückspiegel mit Kamerabild.

Renault Kangoo Rapid Blue dCi 75/95

Abmessungen (L/B/H): 4.486/1.919/1.864 mm
Radstand: 2.716 mm
Leergewicht: 1.522 – 1.536 kg (1.528 – 1.542 kg*)
Nutzlast: 505 kg (694 – 708 kg*)
Ladekapazität: 3.300 – 3.900 Liter
Motor: 1,5-Liter-Vierzylinder, AdBlue-Turbodiesel,
SCR-Katalysator, Rußpartikelfilter
Leistung: 55 kW/75 PS bis 70 kW/95 PS
Drehmoment: 230 bis 260 Nm
Verbrauch: 4,8 bis 4,9 l/100 km
CO2-Emission: 125 g/km
Abgasnorm: Euro-6d-Full
Basispreis: Blue dCi 75/95 (exkl. MwSt.): 17.850/18.850 Euro


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