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Reform richtig nutzen

Unternehmensteuern | GmbHs aber auch Personenfirmen profitieren von der am 1. Januar in Kraft tretenden Reform. Die neue Rücklage lohnt sich vor allem, wenn sie langfristig bestehen bleibt.

Die Gegenfinanzierung hat ihre Schatten schon seit Monaten vorausgeworfen: degressive Abschreibung gestrichen, geringwertige Wirtschaftsgüter über 150 Euro nicht mehr sofort absetzbar und andere Maßnahmen. Was noch zu retten war (und bis Silvester zu retten ist) hat handwerk magazin berichtet. Mit all diesen Punkten, so hofft Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, soll die Reform den Staat unterm Strich nur fünf Milliarden Euro kosten.

„Gewinner sind dennoch die meisten Betriebe“, freut sich Matthias Lefarth, Abteilungsleiter Steuern im ZDH. Auf den ersten Blick gewinnen die Kapitalgesellschaften, also auch die rund 225000 GmbHs im Handwerk, indem die Körperschaftsteuer von 25 auf 15 Prozent gesenkt wird. Aber auch Einzelunternehmen, GbRs, KGs und andere Personenfirmen zahlen unterm Strich weniger Steuern. Gewerbesteuer zum Beispiel müssen die meisten wegen des verdoppelten Anrechnungsfaktors bei der Einkommensteuer im Ergebnis nicht mehr bezahlen. Die weiteren wichtigsten Punkte im Überblick:

Investitionsabzugsbetrag. Die bisherige Ansparabschreibung wird in einen Investitionsabzugsbetrag umgewandelt. Wie bisher können Betriebe damit bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten schon vor dem Kauf eines Wirtschaftsgutes steuerlich als Ausgaben geltend machen, Obergrenze 200000 Euro pro Jahr, entspricht einem Investitionsvolumen von 500000 Euro. Statt bisher 204517 Euro darf das Betriebsvermögen jetzt bis zu 235000 Euro betragen. Somit können künftig mehr Unternehmen den Investitionsabzugsbetrag nutzen.

Der Investitionsabzugsbetrag kann auch für gebrauchte bewegliche Wirtschaftsgüter abgesetzt werden. Die Investition muss erst innerhalb von drei Jahren danach (bisher grundsätzlich in zwei Jahren) realisiert werden.

Sonderabschreibung. Wenn etwa die Maschine, der Firmenwagen oder die PCs fürs Büro dann gekauft werden, können die begünstigten Betriebe 20 Prozent Sonderabschreibung geltend machen. Bisher musste das Wirtschaftsgut neu sein und zu über 90 Prozent betrieblich genutzt werden. Ab 2008 kann es bei der Sonder-AfA ebenfalls gebraucht sein und es genügt ein mehr als 50-prozentiger Anteil betrieblicher Nutzung. Kombiniert mit der ab 2008 nur noch zulässigen linearen Abschreibung neutralisiert das bei Wirtschaftsgütern mit bis zu fünfjähriger Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle den bei den Einnahmen wieder zugerechneten Investitionsabzugsbetrag.

Beispiel: Der Betrieb plant den Kauf eines Kombis für 40000 Euro und von zwei PCs mit weiterer Hardware für zusammen 2000 Euro. Der Investitionsabzugsbetrag beläuft sich auf 16000 plus 800 Euro, also 16800 Euro. Zwei Jahre später beim Kauf macht der Betrieb für den Kombi 20 Prozent Sonderabschreibung, also 8000 Euro und wegen sechsjähriger Nutzungsdauer 16,66 Prozent lineare AfA, also 6664 Euro, geltend. Bei den PCs mit drei Jahren Nutzungsdauer kommen 400 Euro Sonder- und 667 Euro lineare AfA zusammen, alles zusammen also bringt ein AfA-Volumen von 15731 Euro. Im Ergebnis sind also 1069 Euro des Investitionsabzugsbetrags zu versteuern.

Kleininvestitionen. Der Höchstbetrag bis zu dem Anschaffungskosten für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden können, verringert sich von bisher 410 Euro netto auf 150 Euro netto. Alles was darüber liegt, muss grundsätzlich über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Für Güter zwischen 150 bis 1000 Euro bilden die Betriebe einen Abschreibungspool. Alles was darin gelistet ist, wird über fünf Jahre mit je 20 Prozent abgeschrieben. Das gilt auch dann, wenn ein Wirtschaftsgut im Pool vorher verloren geht, zerstört oder verkauft wird. Bei Wirtschaftsgütern über 1000 Euro gilt wieder die gewöhnliche Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle mit dem daraus berechneten Prozentsatz der linearen Abschreibung.

Beispiel: Bäckermeister Schmidt kauft im Januar 2008 zwei Drucker für je 200 Euro. Während diese bisher voll abgeschrieben werden konnten, werden Sie nun in einen GWG-Pool für 2008 eingestellt und über fünf Jahre linear abgeschrieben. Im Jahr der Anschaffung und in den vier Folgejahren schreibt die GmbH also 80 Euro ab. 2009 wird einer der Drucker defekt und lässt sich auch nicht mehr reparieren. An der Abschreibung ändert sich dadurch aber nichts.

Gewerbesteuer. Die Gewerbesteuer wird mit der Unternehmensteuerreform modifiziert. Negativ: Sie ist künftig keine Betriebsausgabe mehr. Zudem werden jetzt 25 Prozent aller Zinsen und Mieten sowie 20 Prozent der Pachten und Leasinggebühren dem Gewerbeertrag hinzugerechnet.

Wichtig: Doch das betrifft die meisten Handwerksbetriebe nicht. Denn für diese beiden Negativposten der Reform gibt es einen Freibetrag von 100000 Euro. Das ist dann sogar noch besser als die bis
Ende 2007 geltende Regelung, nach der die Hälfte langfristiger Zinsen dem zu versteuernden Gewinn hinzugerechnet wurde. Ab 1. Januar 2008 werden bei vielen Personenunternehmen gar keine Schuldzinsen mehr besteuert.

Positiv für alle Personenfirmen ist der verbesserte Anrechnungsfaktor der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer:

Dieser wird von derzeit 1,8 auf künftig 3,8 mehr als verdoppelt. „Das bedeutet, dass bei Hebesätzen der Stadt oder Gemeinde von bis zu 400 Prozent die Gewerbesteuer über die Anrechnung für Personenunternehmen komplett ausgeglichen wird und keine Belastung verbleibt“, lobt Matthias Lefarth vom ZDH.


GmbHs

Außer den bereits genannten Änderungen der Unternehmensteuerreform gibt es für Kapitalgesellschaften weitere Änderungen. Hier die wichtigsten:

Zinsschranke. Als teilweise Gegenfinanzierung der von 25 auf 15 Prozent abgesenkten Körperschaftsteuer werden ab 1. Januar Schuldzinsen nicht mehr unbeschränkt als Betriebsausgaben anerkannt. Betroffen ist jede Art der Fremdfinanzierung, also insbesondere auch Bankdarlehen. Doch die meisten mittelständischen GmbHs werden nicht davon betroffen sein, denn es gibt großzügige Ausnahmeregelungen. Die Zinsschranke wird unter anderem nicht angewendet, wenn der Nettozinsaufwand der GmbH kleiner ist als eine Million Euro.

Gewerbesteuer. Wie bei den Personenfirmen ist die Gewerbesteuer künftig keine Betriebsausgabe mehr. Entsprechend erhöht sich die steuerpflichtige Bemessungsgrundlage bei der Körperschaftsteuer und bei der Gewerbesteuer. Bei GmbHs zum Teil abgefedert wird das, in dem die Gewerbesteuer-Messzahl von 5 auf 3,5 Prozent gesenkt wird. „Das führt zu einer unmittelbaren Senkung der Gewerbesteuerschuld um 30 Prozent“, erklärt Lefarth.

Zudem gibt es auch bei GmbHs einen Freibetrag für Schuldzinsen, die dem Gewerbeertrag hinzugerechnet werden von 100000 Euro. Mit der Folge, dass bei den meisten GmbHs im Handwerk keine Schuldzinsen mehr besteuert werden.

Insgesamt wirken sich die Änderungen bei der Gewerbesteuer positiv für GmbHs aus. So bringt die Reform etwa bei einem Hebesatz von 400 Prozent bei Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag eine Steuerentlastung von 22,82 Prozent. Beim Hebesatz von 450 Prozent sind es 20,86 Prozent, beim Hebesatz von 460 Prozent spart die GmbH im Vergleich zu 2007 ab 2008 insgesamt 20,47 Prozent Steuern.

Gewinnanteil. Schüttet die GmbH Gewinne aus, werden diese bisher nach dem Halbeinkünfteverfahren zur Hälfte bei der Einkommensteuer veranlagt. Das gilt unabhängig davon, ob die Anteile im Privat- oder Betriebsvermögen gehalten werden. Dabei bleibt es zunächst im Jahr 2008. Ab 2009 ist zu unterscheiden, ob die Anteile im Privat- oder im Betriebsvermögen gehalten werden: Hält ein Gesellschafter GmbH-Anteile im Privatvermögen, werden Ausschüttungen voll der Abgeltungsteuer mit dem Steuersatz von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, maximal jedoch mit seinem persönlichen Steuersatz belegt. Dasselbe gilt dann für Gewinne aus dem Verkauf von Geschäftsanteilen.K

harald.klein@handwerk-magazin.de

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