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Arbeitsbedingungen Raumklima: Praxistipps für Büro und Werkstatt

Ein schlechtes Raumklima kann Mitarbeiter nicht nur müde, sondern auch krank machen. Wenn regelmäßiges Lüften oder Zimmerpflanzen nicht ausreichen, müssen smarte Tools her. Was Handwerksbetriebe wirklich brauchen, um für frischen Wind und wohlige Wärme zu sorgen.

Themenseite: Arbeitsschutz und Gesundheit

Kalte Werkstatthallen, heiße Schmelzöfen oder ständige Zugluft: Handwerker arbeiten häufig in miesem Klima und bei unbequemen Temperaturen. Immer wieder beschweren sich Arbeitnehmer bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) über das Raumklima an ihrem Arbeitsplatz. Nicht ganz zu Unrecht – denn bei schlechter Luft sind Mitarbeiter weniger produktiv und weniger konzentriert. Das führt wiederum zu Fehlern bei der Arbeit und sogar zu Unfällen. Umso gefährlicher für Handwerker, immerhin verbringen viele von ihnen den Alltag mit Sägen, Bohren oder Schweißen.

Entsprechend liegt es auch im Interesse des Arbeitgebers für ein gutes Raumklima in der Firma zu sorgen, um den Krankheitsstand der Mitarbeiter möglichst gering zu halten. Das bestätigt die DGUV: „Das Wohlbefinden des Menschen, seine Leistungsfähigkeit und auch die Sicherheit am Arbeitsplatz werden durch das Raumklima mitbestimmt.“ Die Unfallexperten raten Chefs, sich um optimale Raumklimabedingungen zu kümmern. Handwerksbetriebe können das Klima in ihren Arbeitsräumen schon mit kleinen Maßnahmen nachhaltig verbessern.

Schnellübersicht: Was alles zum Raumklima gehört

Damit am Arbeitsplatz eine sogenannte thermische Behaglichkeit herrscht, sich die Mitarbeiter also wohlfühlen, spielen folgende Klimagrößen eine Rolle:

  • Temperatur
  • Feuchte
  • Luftgeschwindigkeit
  • Wärmestrahlung
 

Die optimale Temperatur hängt von der Tätigkeit ab

Bei der Frage nach der richtigen Temperatur scheiden sich die Geister, wie Fenster-auf-Fenster-zu-Kleinkriege im Büro immer wieder beweisen. Die University of Southern California hat sogar herausgefunden, dass Männer bei niedrigeren Temperaturen produktiver sind, Frauen dagegen bei höheren Temperaturen. Und dennoch: „Es gibt einen Bereich, in dem sich ein Großteil der Menschen wohlfühlt“, sagt Werner Kaul, Architekt und Sachverständiger für hygrothermische Bauphysik aus Berlin.

Die optimale Raumtemperatur hängt davon ab, ob Arbeitnehmer im Sitzen oder im Stehen arbeiten und wie viel sie sich bei der Arbeit bewegen. Auch die Maschinen und Geräte sowie die Kleidung spielen dabei eine Rolle. Handwerksbetriebe können sich an folgende Angaben orientieren:

  • Für das Arbeiten im Büro liegt die ideale Raumtemperatur bei 20 bis 22 Grad Celsius.
  • In gewöhnlichen Werkstätten, etwa Tischlereien, liegt der Optimal-Bereich zwischen 18 und 20 Grad Celsius.
  • In Werkstätten mit Öfen, zum Beispiel in der Metallverarbeitung oder in der Schmiede sind Temperaturen von 15 bis 16 Grad Celsius angenehm.
  • In Berufen, wo Mitarbeiter Schutzanzüge tragen, wie etwa in der chemischen Industrie, gelten ebenfalls 15 bis 16 Grad Celsius als Optimum

 Wärmeinseln: Heizkosten sparen und Wohlgefühl steigern

Wichtig ist, dass Handwerker eine Möglichkeit haben, die Temperatur im Raum selbst zu regulieren. „Die Bedienung sollte möglichst einfach sein“, empfiehlt der Architekt. Eine gewöhnliche Heizungssteuerung genüge bereits, aber auch ein Steuerungspanel mit einem Plus- und einem Minusknopf sei eine gute Option. Unternehmen können Heizkosten reduzieren, indem sie die Temperaturen über Nacht auf 14 bis 15 Grad Celsius herabsenken, natürlich nur, wenn niemand mehr in den Räumen arbeitet. „Am einfachsten ist es, wenn solche Prozesse automatisch ablaufen“, sagt Kaul. Moderne Heizungsanlagen verfügen über ein Computermodul, an dem man das einstellen kann.

Außerdem ist es unrentabel, Hallen komplett zu beheizen, wenn sie mehr als 300 Quadratmeter groß sind. „Handwerker können mit „Wärme-Inseln“ Energie sparen“, sagt Kaul. Dabei heizen sie die Halle nur da, wo jemand arbeitet. Dafür eignen sich einzelne Strahlungsquellen wie etwa Infrarotheizungen oder Deckenheizungen über jedem Arbeitsplatz.  

Eine gute Dämmung ist effizienter als eine Klimaanlage

Bei Temperaturen gibt es auch nach oben hin eine Maximalgrenze. Die Arbeitsstättenverordnung schreibt vor, dass die Raumtemperatur nicht mehr als 26 Grad Celsius betragen darf. „Hierzulande wird das häufig außer Acht gelassen“, sagt Architekt Werner Kaul. „In Deutschland herrscht in der Regel nur zwischen Juni und August akuter Kühlbedarf. Setzt man das in Relation zu den Anschaffungskosten für eine Kühlanlage, wird die schnell zu einer teuren Angelegenheit.“ Darum empfiehlt er, in erster Linie zu verhindern, dass überhaupt erst Hitze ins Gebäude eindringt. Dabei helfen unter anderem helle Dachflächen.

Ist es draußen wärmer als drinnen, sollten Mitarbeiter in Büro und Werkstatt nur in den frühen Morgenstunden lüften und die Jalousien und Fenster tagsüber geschlossen halten. Das hält auch übermäßige Wärmestrahlung durch die Sonne draußen. Die effektivste Maßnahme gegen Hitze ist es aber, zu dämmen, erklärt der Profi. Besonders wichtig sei dabei die Dachdämmung. „Die Klimaanlage wirkt auf den ersten Blick preiswerter, aber wenn man die Betriebskosten für zehn bis 15 Jahre Benutzung hochrechnet, dann lohnt sich eher die Dämmung.“  

Kühlen nach Bedarf: Clevere Alternativen zur Klimaanlage

Reicht all das nicht aus, helfen smarte Kühlsysteme, damit Mitarbeiter im Sommer nicht ins Schwitzen kommen. Die meisten denken dabei zuerst an eine Klimaanlage, aber es gibt zahlreiche Alternativen, die weniger Energie verbrauchen. „Eine große Halle komplett zu kühlen ist eine sehr teure Angelegenheit.“ Kaul empfiehlt deshalb Systeme, die lokal kühlen, das sind zum Beispiel

  • Kühldecken – Platten, durch die Wasser fließt, das die Luft abkühlt. Hängt über dem Arbeitsbereich, ist zugluftfrei und sehr effektiv. Nur günstig, wenn man die Decken bereits beim Bau der Halle installiert.
  • Kühlnetze – Alternative zu Kühldecken, lassen sich unter bestehende Decken hängen. Feine Rohrleitungen, die ähnlich wie Kühldecken funktionieren. Sie sind aber etwas weniger effektiv, weil die Fläche kleiner ist.
  • Wärmepumpenheizung – besonders fürs Büro geeignet. Heizt im Winter und kühlt im Sommer. Teuer in der Anschaffung.
  • Verdunstungskühlung – Feine Düsen erzeugen einen kalten Wasserdampf, mit dem Verdunsten wird die Luft kühler. Geeignet in offenen Räumen, zum Beispiel, wenn ein Hallentor permanent offensteht. Erzeugt Feuchtigkeit, daher weniger geeignet für geschlossene Räume. 

Luftbefeuchter: Nur in Ausnahmefällen sinnvoll

Im Winter ist die Luft in Büro und Werkstatt häufig durch das viele Heizen trocken. Manche Werkstätten, zum Beispiel Schmieden, haben das Problem sogar zu jeder Jahreszeit. Dabei kann trockene Luft krank machen. Vor allem Mitarbeiter mit Neurodermitis oder Schuppenflechten reagieren empfindlich auf trockene Raumluft. Trockene Schleimhäute machen aber auch andere Beschäftigte anfälliger für Krankheitserreger und können zu Reizhusten, Kopfschmerzen sowie trockenen Augen führen. Paragraph A3.6 in der Arbeitsstättenverordnung legt deshalb fest, dass es in geschlossenen Arbeitsräumen eine "gesundheitlich zuträgliche Atemluft" geben muss. Die optimale Luftfeuchtigkeit liegt dabei, je nach Temperatur, zwischen 30 und 70 Prozent Wasserdampfgehalt in der Luft. Nachmessen lässt sich dies mit einem Hygrometer.

In der Regel ist es allerdings nicht notwendig, Räume zu befeuchten. Regelmäßiges Lüften und Zimmerpflanzen helfen dabei, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Reicht das nicht aus, gibt es Möglichkeiten nachzuhelfen. Wasserschalen sind keine gute Idee – sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit nur in geringem Maße, sind aber ein Nährboden für Bakterien. Besser sind in diesem Fall spezielle Geräte wie 

  • Dampfluftbefeuchter
  • Verdunstungsluftbefeuchter
  • Zerstäubungs- oder Vernebelungsluftbefeuchter

Jede der Methoden hat ihre Vor- und Nachteile. Im Zweifelsfall ist es besser, mit einem Lufttechniker oder Architekten abzuklären, welche sich am eigenen Arbeitsplatz am besten eignet.

Ist die Luft nicht zu trocken, sondern zu feucht, macht sich das meist durch feuchte Wände, Rostflecken oder Schimmel bemerkbar. In Deutschland ist das allerdings eher selten ein Problem und kommt hauptsächlich in Hallen vor, in denen Handwerker viel mit Wasser arbeiten, etwa in Holzformereien. Lüftungsanlagen und Entfeuchtungsgeräte können hier Abhilfe schaffen.

Mit Trennwänden gefährliche Zugluft verhindern

Wenn Experten von Luftdynamik oder Luftgeschwindigkeit sprechen, meinen sie in erster Linie Zugluft. Dabei können offene Fenster, offene Tore, aber auch Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) den Zug hervorrufen. Wenn Zugluft herrscht, kühlt der menschliche Körper ab. Das ist ungesund, warnt Architekt Werner Kaul. Denn Zugluft kann nicht nur zu Nackenschmerzen führen, sondern auch die Qualität des Produkts mindern, etwa dort, wo Handwerker mit Lack arbeiten. Weht der Wind Staub auf den neuen Tisch, bevor ihn der Tischler lackiert, bilden sich unschöne Pickel.

Laut Arbeitsstättenverordnung liegt die optimale Luftgeschwindigkeit bei einer Lufttemperatur von 20 Grad Celsius bei 0,15 Meter pro Sekunde. Messen lässt sich Luftgeschwindigkeit mit einem Windmesser, dem sogenannten Anemometer.

Zugluft: Diese Maßnahmen helfen
 
  • Richtiges Lüften: etwa einmal pro Stunde Stoßlüften
  • Bei kleinen Klimaanlagen oder Raumlufttechnischen Anlagen mit nur einer Öffnung: nie direkt auf jemanden richten
  • Selbstschließende Türen und Tore einbauen. Positiver Nebeneffekt: spart auch Heizkosten
  • Tore abschotten, etwa durch eine Plexiglaswand oder Lamellenvorhänge aus transparentem Kunststoff
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