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Querkopf aus Kalkül

Michael Dillinger hat sich der Gleichmacherei der Süßwarenindustrie nie gebeugt. Die Widerspenstigkeit zahlt sich aus.

Themenseite: Betrieb des Monats

Warum ist Schokolade eigentlich immer eckig? Das wollte Michael Dillinger noch nie in den Kopf gehen. Die Eintönigkeit, mit der die Süßwarenindustrie ihre Produkte in immer dieselben Formen und Verpackungen presst. „Mit einer kleinen Manufaktur habe ich da viel mehr Möglichkeiten“, erklärt der Chocolatier aus Landsberg. Und diesen Vorteil weiß er für sich zu nutzen.

Mit runden Schokoladen hat sich der gelernte Konditormeister ein Markenzeichen geschaffen. Auch eigenwillige Füllungen wie Hopfen oder Knoblauch und Musik-Hörbücher mit Schokoladen-Zusatz enstammen seiner Experimentierfreude. In Zeiten der Massenproduktion setzt Dillinger darauf, seine Kunden immer wieder mit unverwechselbaren Produkten zu überraschen: „Ein Handwerker muss seiner Arbeit immer eine ganz persönliche Note aufdrücken.“

Diesen Anspruch hat der Chocolatier schon früh gehabt. 2004 mit einer eigenen Produktion gestartet, entwirft er gleich eine neuartige Kaffeebeilage. „Ich habe nie verstanden, warum die Lokale immer einen staubigen Keks zum Kaffee servieren“, sagt Dillinger und rollt einen seiner selbst kreierten teelöffelgroßen „Schokolinos“ zwischen den Fingern.

Vier Jahre später entwickelt er in einem Labor in Frankreich zwei eigene Schokoladensorten. Er testet Kakaobohnen-Abmischungen, Fließeigenschaften und Formen für die Befüllung. Die Kreativarbeit zahlt sich aus: Seit 2004 hat Dillinger Umsatz und Produktion verzehnfacht.

Irgendwann einmal will er direkt in seiner Manufaktur an Schokoladen-Mischungen herumexperimentieren. „Kakaobohnen sind schließlich wie Rebsorten“, erklärt Dillinger. - msw

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