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Inkassofirmen: Bei säumigen Kunden einschalten

Wer eine Inkassofirma, einen Anwalt oder die Kreishandwerkerschaft beauftragt, ärgert sich weniger über offene Rechnungen und kommt oft schneller an sein Geld. Innungsbetriebe haben zudem die Möglichkeit, kostenlose Inkasso-Dienstleistungen zu erhalten. Alles, was Sie über Inkassounternehmen wissen sollten.

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Kurt Siebrasse aus Düsseldorf achtet erfolgreich darauf, dass die Außenstände der SHK-Firma Hugo Thelen GmbH gering bleiben. „Zunächst holen wir bei größeren Aufträgen eine Bonitätsauskunft ein. Nur wenn diese positiv ausgefallen ist, beginnen wir mit der Arbeit“, so der Geschäftsführer des Betriebs mit 24 Beschäftigten. Bereits im Auftrag vereinbart er Abschlagszahlungen, das verbessert die Liquidität und verringert das Risiko des Zahlungsausfalls. Und wenn ein Kunde die Schlussrechnung nicht begleicht? „Dann mahnen wir zwei Mal, kommt immer noch kein Geld, geht der Fall sofort an Creditreform“, berichtet Siebrasse.

Wie dieser Unternehmer betreiben viele Handwerker ihr Forderungsmanagement selbst, bis sie es an Inkassoexperten abgeben. „Gerade der Handwerker muss sich auf das Tagesgeschäft konzentrieren“, weiß Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer von Creditreform in Neuss. „Den Forderungseinzug Profis zu übergeben schont Zeit, Geld und nicht zuletzt Nerven.“

Kosten für Inkassofirmen gesetzlich geregelt

Die bekanntesten unter den 750 Inkassofirmen sind im Handwerk neben Creditreform, Atriga und Bürgel. 560 von ihnen sind Mitglied im Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen (BDIU). Die Kosten für das Inkasso sind gesetzlich geregelt. Für den Einzug der Forderung darf der Dienstleister die 1,3-fache Gebühr nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz berechnen. Bei 5000 Euro etwa sind das rund 400 Euro. Weitere Gebühren darf der Inkassoservice nur nach vorheriger Vereinbarung mit dem Auftraggeber verlangen.

Ist der Inkassovertrag geschlossen, fordert der Dienstleister den ausstehenden Betrag plus Zinsen und eine Gebühr vom Schuldner. Bezahlt dieser nicht, folgt der Mahnbescheid und schließlich die Klage beim Amts- oder Landgericht.

Für Kurt Siebrasse ist das Kostenrisiko denkbar gering. „Unsere Mitglieder zahlen neben ihrem Jahresbeitrag nur in den Fällen eine kleine Pauschale, in denen wir keinen Erfolg erzielen“, erklärt André Becker von Creditreform Düsseldorf. „ Hauptforderung und Inkassokosten ziehen wir beim Schuldner ein.“ Dass Betriebe die Inkassokosten abwälzen dürfen, ist einheitlicher Stand nach Gesetz und Rechtsprechung, so das Bundesverfassungsgericht (Az. 1 BvR 1012/11). Unternehmer dürfen danach ihre Mahnkosten bei säumigen Kunden voll geltend machen.

Innungsbetriebe können Inkasso über Kreishandwerkerschaft abwickeln

Dennoch sind einigen Handwerkern Inkassodienstleister oder Rechtsanwälte zu teuer. In dieser Situation können sich Innungsbetriebe über ihre Kreishandwerkerschaft selbst helfen. Zum Beispiel über die in Reutlingen. „ Für uns gehört das Inkasso zum Service für unsere Mitglieder“, sagt Geschäftsführer Ewald Heinzelmann. Rund 1500 Betriebe in 32 Innungen, die der Kreishandwerkerschaft angehören, können das Angebot nutzen. Pro Jahr kommen etwa 450 neue Aufträge herein. „Wir bieten das komplette Verfahren an“, so Heinzelmann. Mahnschreiben, gerichtliches Mahnverfahren und auf Wunsch auch die Vertretung vor dem Amtsgericht.

Die Kosten dafür sind gering: Unabhängig von der Höhe der Forderung kann jedes Mitglied fünf Inkassofälle jährlich kostenlos in Auftrag geben. Jeden weiteren rechnet die Kreishandwerkerschaft mit 50 Euro ab. Hinzu kommen Auslagen und Gebühren fürs gerichtliche Mahnverfahren und fürs Gericht. „Doch diese und unsere Kosten muss der Schuldner bezahlen“, ergänzt Heinzelmann.

Mit befördert haben diesen Service Kreishandwerkerschaften wie die in Kleve. Geschäftsführer Achim Zirwes hat sich bis zum Bundesgerichtshof gegen zwei Anwälte verteidigt. „Dieser hat unseren Inkassoservice bestätigt, den wir seit über 30 Jahren mit 95 Prozent Erfolgsquote bei unstreitigen Forderungen anbieten.“

Inzwischen hat das Rechtsdienstleistungsgesetz Klarheit geschaffen. „Verbände, die den Inkassoservice anbieten wollen, lassen sich in ein Verzeichnis beim zuständigen Gericht eintragen und dürfen die Handwerksbetriebe unterstützen“, so Andreas Fabri, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften in Deutschland. Sehr viele Betriebe in den rund 5000 Innungen profitieren davon.

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