Erbschaftsteuer -

Privilegien mitnehmen

Unternehmer können die geltenden Regeln zur Erbschaftsteuer noch ausnutzen, vorausgesetzt, das neue Gesetz gilt nicht rückwirkend.

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Die Entscheidung

Die aktuellen pauschalen Vorteile für Nachfolge verstoßen laut Bundesverfassungsgericht (Az.: 1 BvL 21/12) teilweise gegen das Grundgesetz. Die Bundesregierung verändert nach dem Gesetzentwurf deshalb nur die kritisierten Bestimmungen. Prinzipiell aber dürfen Nachfolger, die einen kleinen oder mittelständischen Betrieb geschenkt bekommen oder erben, deutlich günstiger besteuert werden als andere. Das soll Arbeitsplätze sichern.

Der Status quo.

Zu unterscheiden sind zwei Modelle. 85 Prozent des Betriebsvermögens bleiben steuerfrei, wenn das Verwaltungsvermögen – wie Guthaben, Forderungen – maximal 50 Prozent beträgt. Handwerksbetriebe können sich ihr Betriebsvermögen vom Berater ihrer Kammer ermitteln lassen. Für die steuerliche Berechnung gilt das sogenannte vereinfachte Ertragswertverfahren. Das Vermögen ergibt sich aus dem Jahresgewinn und einem Kapitalisierungsfaktor von derzeit 18,21 Prozent.

Die Lohnsummenklausel

Der Nachfolger muss die Firma mindestens fünf Jahre lang fortführen und darf außer seiner Einlage und dem Gewinn bis zu 150 000 Euro entnehmen. Zudem bleiben die Arbeitsplätze erhalten, nachgewiesen durch mindestens 400 Prozent der Lohnsumme am Ende des Fünfjahreszeitraums. Übernimmt der Junior einen Betrieb, bei dem weniger als 20 Mitarbeiter beschäftigt sind, dann entfällt der sogenannte Lohnsummenausweis.

Musterrechnung

Bei einem Betriebsvermögen von 3,6 Millionen Euro sind im Standardfall 85 Prozent oder 3,06 Millionen Euro vorab steuerfrei. Es bleiben 540 000 Euro. Da dem Sohn oder der Tochter 400 000 Euro persönlicher Freibetrag zustehen, kostet die Firmenübernahme nur 11 Prozent auf 140 000 Euro – exakt 15 400 Euro.

Im Einzelnen

Der Jahresgewinn in Höhe von 200 000 Euro wird mit dem Kapitalisierungsfaktor von 18,21 multipliziert. Daraus ergibt sich ein Betrag über 3 600 000 Euro. Davon sind 85 Prozent steuerfrei, also 3 060 000 Euro.

Steuerlich sind damit 540 000 Euro relevant. Davon abzuziehen ist der persönliche Freibetrag in Höhe von 400 000 Euro (Kinder). Steuerpflichtig sind 140 000 Euro, worauf 11 Prozent Schenkungsteuer in Höhe von 15 400 Euro anfallen. Ob das Privileg auch nach der Reform noch gilt, ist nach den bisher vorgelegten Reformplänen fraglich.

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