Unternehmerfrauen im Handwerk UFH -

Erfolgreiche Handwerkerfrauen Rückblick: Ausgezeichnete Unternehmerfrauen im Handwerk

Seit 26 Jahren zeichnet handwerk magazin herausragende Unternehmerfrauen im Handwerk aus. Grund genug, zurückzublicken und zu fragen: Was ist aus den Macherinnen geworden? Sieben Frauen erzählen: Wie ist es weitergegangen mit ihrer Karriere, was hat die Auszeichnung bei ihnen bewirkt – und welche neuen Pläne haben sie?

Themenseite: Frauen im Handwerk

2003: Dorothee Radtke

wird 54-jährig als Meisterfrau für ihr großes Engagement im Elektrobetrieb ihres Mannes, Radio Radtke , und in ihrer Region Oberhausen ausgezeichnet. Sie verantwortet Personal, Verkauf und Büro.

Dorothee Radtke


Der engagierten Unternehmerin gelingt es, gegen den Trend Umsatz und Gewinn deutlich zu steigern. Oberhausen ist damals ein sozialer Brennpunkt, Dorothee Radtke sorgt für Ausbildungsplätze und einen Zusammenschluss der ortsansässigen Unternehmen in der Knappeninitiative Oberhausen (KInO). Damit stärkt sie die Stadtteilentwicklung.

Heute ist Dorothee Radtke 70 Jahre alt. Ihr Sohn Holger hat den Betrieb übernommen, sie selber ist täglich rund sechs Stunden im Büro. „Das ist aber nicht alles“, sagt sie. „Ich bin seit vier Jahren Bezirksbürgermeisterin von Oberhausen.“ Die mit vier Betrieben gestartete Initiative KInO ist auf 60 Mitglieder angewachsen, und Oberhausen ist kein sozialer Brennpunkt mehr, „was ganz sicher auch an den engagierten Unternehmern und unserem Zusammenschluss liegt“, sagt Dorothee Radtke stolz. Trotz des großen Wettbewerbsdrucks durch die großen Ketten, wie Media Markt und Saturn, behauptet sich ihr Betrieb am Markt. 17 Mitarbeiter hat Radio Radtke heute. Ihr Erfolgsgeheimnis: „Wir arbeiten viel, wir halten fest zusammen, wir können Service, und wir sind sehr nah am Kunden – all die vielen technischen Neuerungen in unserer Branche haben wir immer genutzt“, nennt sie die wichtigsten Gründe für ihren Erfolg.

radio-radtke.de

2004: Martina Volkmar

ist Mitunternehmerin bei Volkmar Maschinenbau , Sennfeld. „Miss Business“ nennen sie ihre Kinder, als sie geehrt wird, weil sie mit ihrem Mann den Umsatz in drei Jahren um 50 Prozent steigert.

Martina Volkmar


Heute ist Martina 55 Jahre alt, von ihren sechs Kindern sind fünf aus dem Haus, zwei von ihnen sind als Werkzeugmacher und Industriemechaniker mit Meistertitel ins elterliche Unternehmen eingestiegen und verantworten ihre eigenen Bereiche. „Sie haben früh Verantwortung übernommen, dass das gut war, zeigt sich heute in ihrer Zuverlässigkeit.“ Die Mitarbeiterzahl hat sich auf 50 mehr als verdoppelt, und die Eheleute haben ein zweites Werk gebaut, um die Produktionskapazitäten zu erhöhen. „Eine sehr gute Entscheidung war auch das Investment in Fotovoltaik – das rechnet sich“, erzählt sie. Ihre Azubis gehören regelmäßig zu den Besten ihrer Jahrgänge, darauf ist sie stolz. Sechs Kinder und ein Unternehmen – das erfordert perfekte Organisation und delegieren: „Die frühe Übernahme von Verantwortung hat meinen Kindern richtig gutgetan“, sagt sie. Und die Bewerbung als Meisterfrau hat Martina Volkmar gezeigt, wie viel Gutes sie bereits geschafft hat. Ihre Vision von der Zukunft: eine Rucksacktour ohne festgelegtes Ende. „Ich bestimme, wann ich wieder nach Hause will. Sei es nach drei Wochen oder nach drei Monaten.“ Und sie träumt von der Walz: „Ich möchte in europäische Länder reisen und die einheimische Küche erlernen – Hand gegen Koje.“ Ihr wichtigster Tipp für Unternehmerinnen: „Bildet euch fort und schützt euer Privatleben. Am Sonntag habe ich nie gearbeitet, am Samstag sehr selten.“

volkmar-gmbh.de

2006: Anke Bünting-Walter

Inhaberin des Haus des Hörens , Karlsruhe, wurde als Meisterfrau ausgezeichnet für mutige Innovationen und den Willen, besser zu sein als die Konkurrenz – zum Wohle von Kunden und Mitarbeitern.

Anke Bünting-Walter

„Meine Ziele sind heute die gleichen wie damals. Aber natürlich steht mein Betrieb jetzt stabil da. Ich habe in der Zwischenzeit sogar eine Filiale eröffnet“, erzählt Anke Bünting-Walter. Sie habe keinen Mangel an Kunden, denn Qualität überzeugt. Und sie habe auch keine Probleme, Mitarbeiter zu finden. „Ich weiß, dass das Leben nicht nur aus Arbeit besteht. Also verschaffe ich meinen Mitarbeitern die Freiheit, die sie brauchen, das sichert mir loyale und engagierte Kollegen“, sagt sie. Beispiel: zwei Stunden Mittagspause und einen Firmenwagen für die Kollegin, die mittags zu Hause bei ihren Kindern sein will. Als Unternehmerin sei ihr lösungsorientiertes Denken immer hilfreich gewesen: „Ich jammere nie. Ist eine Situation schwierig, analysiere ich sie und gucke, was ich daraus machen kann.“ Beispiel: Der Umbau der Karlsruher Innenstadt sorgt dafür, dass kaum noch Kunden in das Ladengeschäft kommen. Anke Bünting-Walter baut die Filiale außerhalb des Stadtgebiets auf. Die Wirkung der Auszeichnung als Meisterfrau, war groß: „Ich habe dadurch meine Potenziale und Zukunftschancen klarer gesehen“, erzählt sie. Auch die öffentliche Wahrnehmung war wichtig und hat beim Geschäftsaufbau geholfen. Sie hat weitere Auszeichnungen erhalten, und die Handwerkskammer hat sie zur ehrenamtlichen Richterin ernannt.

haus-des-hoerens.de

2009: Doris Siegle

Mitinhaberin des Fleischerfachgeschäft Helmut Siegle in Bietigheim-Bissingen, gelingt der Aufbau einer Marke. Die 43-Jährige macht aus der kühlen Fleischerei ein imagestarkes Wohlfühlgeschäft.

Doris Siegle

„Heute stehen wir betriebswirtschaftlich super stabil da, wir haben einen sehr hohen Anspruch an die Qualität, und damit haben wir es geschafft, dass sich alles verwirklicht hat, was ich erreichen wollte“, sagt Doris Siegle über ihr in der gesamten Region bekanntes Geschäft. Ganz zufrieden ist sie aber nicht: „Wir finden kaum Fachverkäufer und trotz intensiver Suche auch keinen Nachfolger“, erzählt sie. Beide Kinder haben sich beruflich anders orientiert, wer das Geschäft mit den 16 Mit-
arbeitern bald führen soll, ist offen. „Ich habe viele Ideen, wie wir uns weiterentwickeln könnten, aber das schaffe ich gesundheitlich nicht.“ Doris Siegle wird 54. Schlachtbetrieb, Laden und Küche mit Catering, Ideenfindung und Organisation – bei allem ist sie eingebunden. Das kostet viel Zeit und Engagement, Freizeit bleibt kaum. „Eine Kollegin hat meinen Job ausprobiert und entschieden, dass das zu viel Arbeit für sie ist“, erzählt Doris Siegle. „Über das Aufhören nachzudenken tut weh“, sagt sie. Eine Alternative dazu gebe es aber nicht. Sie guckt nach vorn und hat Pläne für die Zukunft: „Ich mache gerade meinen NLP-Master und zeitgleich meinen Abschluss als Sportmentaltrainer.“ Doris Siegle ist außerdem Ernährungsberaterin und hat sich dabei auf Sportler spezialisiert. Sie war die erste Frau, die im Fleischerhandwerk ausgezeichnet wurde, das Preisgeld von 2.500 Euro hat sie in eine Deko-Ecke im Laden investiert.


metzgerei-siegle.de

2010: Alexandra Bezler

ist mitarbeitende Partnerin bei Bezler Heizungstechnik , Kirchheim/Teck. Sie wurde ausgezeichnet für ihr Fachwissen und Übernahme des kaufmännischen Bereichs im Betrieb ihres Mannes.

Alexandra Bezler

„Damals, bei der Ehrung, war ich 37 Jahre alt, hatte meinen Job als Filialleiterin einer Bank gekündigt und mich trotz zwei kleiner Kinder aus dem Schatten meines Mannes herausgekämpft“, erzählt Alexandra Bezler. Zwar haben sie und ihr Mann sich immer als gleichberechtigte Partner empfunden, doch von Kunden und im Bekanntenkreis wurde lange Zeit ihr Mann als der wahre Macher wahrgenommen. „Ich hatte angefangen als Mädchen für alles und hab dann innerhalb von wenigen Jahren den kaufmännischen Bereich samt Finanzplanung, Kommunikation mit Bank und Steuerberater übernommen – alles in Teilzeit.“ Tatsächlich hat die offizielle Arbeitszeit nie ausgereicht, um alle Aufgaben abzuarbeiten, am Abend und nachts noch Büroarbeiten zu erledigen war normal. „Ich arbeite heute mehr als früher, aber mit mehr Routine, und ich bin sehr anerkannt für meine Leistung“, erzählt sie. „Ausgezeichnet worden zu sein hat mir einen ordentlichen Schub Selbstbewusstsein gegeben.“ Ihr Tipp für mitarbeitende Partnerinnen: „Bildung ist der Schlüssel für Kompetenz und Anerkennung – Weiterbildung ist eine Daueraufgabe, sie darf nie aufhören.“ Und sie plädiert für mehr Selbstbewusstsein: „Seid doch einfach stolz auf das, was ihr leistet!“


bezler-heizungstechnik.de

2011: Birgit Rodler

wird für die erfolgreiche Rettung der insolventen Eleonore Meinel Fahnenfabrik samt ihrer Arbeitsplätze im oberfränkischen Marktleugast ausgezeichnet.
AFW Creativ-Stickerei heißt ihr Unternehmen.

Birgit Rodler

„Wir, also meine vier Mitgesellschafter und ich, haben mit zwei Angestellten angefangen, nach zwei Jahren waren wir schon 20, heute sind es 30 Kollegen“, sagt Birgit Rodler mit Stolz. Und ihr Unternehmen besitzt heute ein eigenes Betriebsgebäude, zu 20 Prozent mit EU-Fördermitteln finanziert. „Für die Rettung des Unternehmens haben wir unsere Wohnhäuser verpfändet, jetzt stehen wir solide da“, erzählt sie. „Sparsamkeit, Fleiß und ein sehr persönliches Verhältnis zu den Kunden sind mein Erfolgsgeheimnis“, verrät die Unternehmerin, die in der Zwischenzeit mit der Staatsmedaille der Bayerischen Wirtschaft und dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde. Ihr Rat für Unternehmerinnen: Seid mutig und tatkräftig, schaut nicht auf die Uhr, und seid herzlich im Umgang.“ Und sie fügt an: „Man muss mit Herzblut an dem Betrieb hängen. So wie ich.“

afw-stickerei.de

2015: Christina Besemer und Petra Hauser-Besemer

werden für ihre Leistung bei der Modernisierung des väterlichen Betriebes, Stuckateurbetrieb Besemer Ausbau und Fassade in Kohlberg, ausgezeichnet.

Christina Besemer und Petra Hauser-Besemer


Die Schwestern führen ihren Stuckateurbetrieb gemeinsam und haben ihn konsequent auf gesunde Materialien und Gestaltung ausgerichtet, der Schimmelspürhund ‚Franzi‘ hilft dabei. Service, Beratung und Sicherheit ihrer Kunden stehen im Zentrum ihrer Arbeit. „In den vergangenen drei Jahren haben wir dann noch eine große Lagerhalle gebaut – das war unser Traum und auch der Wunsch der Mitarbeiter“, erzählt Christina Besemer. Ihr Fokus auf gesundes Wohnen habe sich bewährt: „Der Kunde wird kritischer mit den Materialien, die bei ihm verarbeitet werden. Gerade bei luftdichter Bauweise ist das wichtig – wir sind da auf dem richtigen Weg.“ Ihr Tipp für alle Unternehmerinnen: „Arbeiten, arbeiten, arbeiten – und konsequent dranbleiben. Wer Begeisterung für seinen Beruf mitbringt und überzeugt ist von seinem Tun, wird merken: Es lohnt sich.“

besemer-ausbau-fassade.de

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