Schreiner Kochen ohne Handicap

Manfred Philipp gibt mit seinem barrierefreien Kochsystem gehbehinderten Menschen wieder ein Stück Lebensqualität zurück.

Wer nach einem schweren Unfall, durch eine Erkrankung oder wegen Altersschwäche auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kann dem Kochen am eigenen Herd nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr nachgehen. Auf die Idee, ein barrierefreies Kochsystem zu konzipieren, brachte den Schreiner Philipp eine Frau, die an multiple Sklerose erkrankte und ihn im Rahmen einer Behindertenmesse auf die Problematik in ihrer Küche ansprach. „Sie sagte mir, dass sie immer schwächer wurde und nun einen Rollstuhl brauche. Da sie aber sehr gerne und viel kochte, geht ihr durch diese Behinderung ein wichtiger Teil ihres Lebens verloren“, so Schreinermeister Manfred Philipp.

Kochen auch im Rollstuhl

Nicht nur kranke Menschen profitieren von der Erfindung, Gerade der demografische Wandel macht Philipps Erfindung zu einer praktischen Erleichterung für alte und gehbehinderte Menschen. Bei jeder handelsüblichen Küche ist die Arbeitsfläche mit dem Kochfeld so hoch, dass man als Rollstuhlfahrer nicht auf ihr kochen kann. Das Kochsystem von Philipp lässt sich in vertikaler Richtung durch eine Schalter unterhalb des Herdes manuell auf die entsprechend benötigte Höhe bringen.

„Das barrrierefreie Kochsystem lässt sich in jede handelsübliche Küche in der klassischen 61er-Unterschrankbreite integrieren“, erklärt Philipp. Preislich liegt das Produkt bei circa 4.500 Euro, je nach Größe der Küche und benötigter Montagezeit. Der Schreiner tüftelte zwei Jahre lang, bis er ein marktreifes System präsentieren konnte. Die deutsche Patentanmeldung folgte dann wenige Monate später. Philipp strebt jetzt auch eine europäische Patentierung an.

Bereits im Jahr 2010 präsentierte er den „Schrank-Butler“, der nach dem gleichen Prinzip funktioniert wie das Kochsystem. Bei diesem Umbau des Kleiderschrankes lässt sich das obere Fach durch zwei Bedienknöpfe hoch- und runterfahren: Erfindungen, die nicht nur mit der Zeit gehen, sondern auch bleiben.

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