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Erneuerbare Energien Photovoltaik groß im Kommen: Welche Arbeiten aufs Elektro- und SHK-Handwerk zukommen

In Baden-Württemberg gilt ab Mai 2022 auch für private Hausbesitzer die Pflicht, Photovoltaik (PV) zu installieren – zunächst nur bei Neubauten. Der Vorstoß, bei dem auch andere Bundesländer nachziehen wollen, bedeutet großen Handlungsbedarf vor allem im Elektro- und SHK-Handwerk.

Topic channels: TS SHK-Handwerk, TS EEG (Erneuerbare Energien Gesetz), TS Wachstum, TS Zukunftsperspektiven im Handwerk und TS Nachhaltigkeit

Während in Bremen und Bayern noch an Details gefeilt wird, machen Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg bereits Nägel mit Köpfen: In diesen Regionen wird Solarenergie in den kommenden Jahren zum Muss. Im Ländle gilt die Verpflichtung, Dächer mit Solaranlagen (Photovoltaik (PV) oder Solarthermie) auszurüsten, bereits zum Jahreswechsel bei Neubauten von öffentlichen Gebäuden, Gewerbeflächen und größeren Parkplätzen. Ab Mai 2022 wird die Solarpflicht auch für private Hausbauer obligatorisch: Wer ein neues Haus bauen will, braucht dann zwingend eine Photovoltaik- oder Thermische Solaranlage, ab Januar 2023 ist das auch für grundlegende Dachsanierungen von Bestandsgebäuden der Fall.

Mit den ehrgeizigen Plänen will Baden-Württemberg die vom Bund vorgegebene Klimaneutralität erreichen, die besagt: Bis zum Jahr 2045 soll Deutschland klimaneutral sein. Erneuerbare Energien stehen dabei im Fokus – allen voran Solarstromanlagen. Jörg Knapp, Leiter Referat Technik beim Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg, betrachtet die Vorschrift zu Photovoltaik in seinem Bundesland mit gemischten Gefühlen. "Auf dem Weg zur Klimaneutralität gibt es mehrere Wege, wie zum Beispiel der Einsatz von Wasserstoff als Energieträger oder E-Fuels bis hin zum nachwachsenden Energieträger Holz . Sich nun zuvorderst nur auf Photovoltaik als einzige Technologie zu stürzen, halten wir beim Verband für falsch. Die gesetzlichen Regelungen sollten einen technologie- und energieträgeroffenen Ansatz widerspiegeln."

Drei- bis viermal so viele neue PV-Anlagen nötig

Auf der anderen Seite drängt die Zeit, um die Pläne des Bundesumweltministeriums zu erfüllen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) wünscht sich sogar ein Solar-Beschleunigungsgesetz unmittelbar nach der Bundestagswahl. Dem Verband zufolge ist der Ausbau von Photovoltaik aber noch immer viel zu langsam – trotzdem die Nachfrage nach PV im ersten Halbjahr diesen Jahres um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitrum gestiegen ist, so zeigen es die Zahlen der Bundesnetzagentur (BNetzA). Doch wie der BSW mithilfe von Marktforschern und Wissenschaftlern belegt, seien drei- bis viermal so viele neue Photovoltaik-Anlagen jährlich nötig, um den wachsenden Strombedarf durch den Atom- und Kohleausstiegs sowie die Elektromobilität klimafreundlich zu decken.

Mit anderen Worten: Auf das Handwerk kommt viel Arbeit zu. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) arbeiten bereits heute rund 450.000 Handwerksbetriebe mit circa 2,5 Millionen Mitarbeitern in knapp 30 Gewerken täglich in fast allen Bereichen an der Energiewende mit und setzen Umwelt- und Klimaschutz um. Während bei der Solarthermie viele SHK-Betriebe aktiv sind, treiben sogenannte Zebra-Betriebe, die SHK- und Elektro-Handwerk verbinden, den PV-Ausbau voran.

Was den Ausbau von PV auf einer freiwilligen, nicht verpflichtenden Basis noch bremst, sind die Kosten, verbunden mit einer hohen Komplexität etwa beim Steuergesetz oder bei Förderungsanträgen. Während dieser Aufwand bei Einfamilienhäusern noch zu bewältigen ist, sind Bauherren von Mehrfamilienhäusern meist überfragt. Um diese vielfältigen gesetzlichen Vorgaben und Informationen an seine Mitglieder weiter zugeben, arbeitet der Fachverband mit verschiedenen Organisationen zusammen, wie z. B. die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW)

Doch auch SHK-Betriebe selbst sind immer mehr gefragt, Hausbauer umfassend rund ums Thema Klimaschutz bzw. den Einsatz von erneuerbaren Energien, wie z. B. PV,  beraten zu können. Jörg Knapp sieht sich mit seinem Verband gut aufgestellt: "Wir bieten schon seit einigen Jahren auch Fortbildungen für SHK-Handwerker an, damit sie sich in diesem Bereich weiterbilden können." Weiter meinte der Experte, dass das SHK-Handwerk bereits heute in der Lage ist, die neuen gesetzlichen Anforderung voll umfänglich zu beraten und anzubieten.

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