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Nachwuchswerbung: „Hol dir meinen Job“

In der neuen Kampagne des Handwerks werben ­Azubis kurz vor ihrem Abschluss um einen Nachfolger. Ein Konzept, das Erfolg verspricht, denn hier sprechen beide die gleiche Sprache.

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Für Konrad Scheffler ist klar: Er lernt den besten Beruf der Welt, ist der 25-jährige Orgel- und Harmoniumbauer, der in der Orgelwerkstatt Christian Scheffler GmbH in Jacobsdorf (Brandenburg) seine Ausbildung absolviert, überzeugt. „Reisen in ferne Länder, arbeiten an 100 Jahre alten Instrumenten und restaurieren, was dann wieder 100 Jahre lang hält“, das zählt er zu den Highlights seines Berufes und will damit bei Schulabgängern die Lust wecken, seinen Beruf zu ergreifen.

Denn Scheffler ist einer von zwölf Azubis, die bei der aktuellen Kampagne des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) mitmachen. Das Motto heißt „Abklatschen! Hol Dir meinen Job“, und aus dem Spruch wird gleich klar, worum es geht. Denn wer könnte besser für eine Ausbildung im Handwerk werben als Auszubildende im Handwerk? Frei nach diesem Motto suchen zwölf Junghandwerker Nachfolger für ihre Ausbildungsplätze. Sie selbst sind überzeugt von ihren Berufen und möchten ihre Leidenschaft für das Handwerk an andere weitergeben. Die zwölf jungen Frauen und Männer repräsentieren durch ihre Berufe die Bandbreite des Handwerks, von traditionell bis modern, von kreativ bis technisch. In Videos erzählen sie den möglichen Nachfolgern in der Sprache der Jugend, was für Tätigkeiten sie ausüben.

Richtige Ansprache

Jugendliche in ihrem Umfeld und mit ihrer Sprache ansprechen, das ist das Kernthema der neuen ZDH-Kampagne. Und dass es erfolgversprechend ist, zeigen Betriebe, zum Beispiel Konditormeister Wolfgang Quast aus Bottrop. Er freut sich morgens auf seine ersten Kunden. Es sind Schulkinder, Handwerks-Azubis von morgen. Sie genießen die letzten freien Minuten vor Schulbeginn. Wertvolle Zeit für Quast, um ihnen nicht nur seine Ware, sondern auch seinen Beruf schmackhaft zu machen.

Der Tortenspezialist ist eine Institution im Viertel. Quast veranstaltet in und außerhalb seiner Backstube regelmäßig Tortenworkshops und ist von den Ergebnissen selbst genauso begeistert wie seine Teilnehmer. Es gebe in allen Gewerken viel kreativere Ideen der Ansprache von Jugendlichen, als nur bunte Flyer zu verteilen, ist Quast überzeugt: „Die Lehrer sind dankbar, wenn jemand in den Unterricht kommt, um sein Handwerk vorzustellen.“

Auf Ausbildungsmessen ausstellen

Friseurmeisterin Brigitte Wildangel besucht alle Ausbildungsmessen in der Region. Dort stellen Wildangels Lehrlinge ihre Arbeit selbst vor und erzählen von sich. „Die sprechen die gleiche Sprache wie die potenziellen Bewerber. Das kommt besser an, als wenn ich als Chefin meinen Salon präsentiere“, sagt die Welt-, Europa- und Deutsche Meisterin, die in Lindlar und Wüpperfürth Salons betreibt. Sie ist in der Branche für ihr hohes Ausbildungsniveau und ihre Ausbildungserfolge bekannt. „Eine gewisse Schulbildung setze ich schon voraus“, sagt sie. Zwei der acht Lehrlinge in ihren Salons im Bergischen Land haben Abitur.

Lena Frey, 22, Orthopädieschuhmacherin bei Meisterschuh Berlin GmbH und eine weitere Protagonistin der ZDH-Kampagne, gibt ihrem möglichen Nachfolger mit auf den Weg: „Wer meinen Job haben will, sollte Lust haben, sich die Hände schmutzig zu machen und Hand in Hand mit anderen zu arbeiten.“

Infos zur Kampagne gibt es auf www.handwerk.de. Die Fotos und Videos eignen sich gut für den Einsatz im Betrieb.

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