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Nachhaltigkeitsstrategie: Wie kleine Betriebe teilhaben sollen

In seinem Positionspapier zur Nachhaltigkeit der Regierung will der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) auch die kleinen Betriebe am Aufbau teilhaben lassen. Dafür legt er das Augenmerk auf Innovationen: Diese will der Verband über die Zusammenarbeit von Handwerkskammern aber auch von Forschungseinrichtungen mit den Handwerksbetrieben antreiben.

Topic channels: TS Wachstum, TS Smart Home und TS Kooperationen

Mehr Nachhaltigkeit - das steht nicht erst seit Corona auf der Agenda der Bundesregierung. Doch spielt die aktuelle Pandemie eine große Rolle dabei, die Wirtschaft zu stabilisieren, auch im Hinblick auf künftige Generationen: So will es der nun weiterentwickelte Entwurf zur Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, der bis Ende Oktober verabschiedet werden soll. Wesentliche Impulse kommen dabei vom Handwerk. Dort steht Nachhaltigkeit groß geschrieben, ganz selbstverständlich.

Im Vergleich zu vielen anderen Bereichen der Industrie muss das Handwerk keine 180-Gradwende vollführen, um an die nachhaltige Thematik anzuknüpfen: "Nachhaltigkeit ist für das Handwerk kein Trend, sondern ein über Jahrhunderte gewachsener und bestimmender Bestandteil der Identität und Werte", erklärt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).  Im Positionspapier „Werte erschaffen. Werte bewahren. Zukunft gestalten. Nachhaltigkeit im Deutschen Handwerk“ stellt sich der Verband hinter der Bundesregierung, um die global vereinbarten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals SDG) der Agenda 2030 innerhalb einer ganzheitlichen Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie umzusetzen. Dabei liefert der ZDH konkrete Vorschläge, wie sich die gesetzten Ziele erreichen lassen. Und dabei insbesondere auch die vielen kleinen Betriebe einzubinden, die dabei einen wichtigen Beitrag leisten.

Innovation als Schlüssel für Wachstum und Nachhaltigkeit

Dazu zählt es laut Papier, die regionalen Wirtschaftsstrukturen zu sichern, den Aufbau von Fachkräften zu unterstützen sowie die Potenziale in der Kreislaufwirtschaft zu heben - aber auch die Innovationen nachhaltig zu stärken. In den Innovationen sieht der ZDH den Schlüssel für Wachstum, Beschäftigung sowie für Nachhaltigkeit. Der Fokus liegt auf Kostensenkungen und Ressourcenschonung durch einen verringerten Energie-, Rohstoff- oder Wasserverbrauch. Wasserstoff ist für das Handwerk ein zentraler Ansatz, um den Übergang in eine CO2-freie und nachhaltige Industriegesellschaft zu ebnen. Einsatzorte sind etwa in der Heizungs- und Gebäudetechnik und bei industriellen Fertigungsprozessen.

Um gerade kleinere Betriebe, die oftmals nicht die Manpower haben, die nötigen Innovationen selbst zu stemmen, baut der ZDH die Kooperation mit Forschungseinrichtungen aus, zum Beispiel mit der Fraunhofer Gesellschaft. Daneben stellt der Verband in seinem Positionspapier einzelne Ziele in den Fokus:

  • Nutzung sauberer und umweltverträglicher Technologien und Produktionsprozesse in Unternehmen fördern
    Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind an dem Einsatz von sauberen, umweltverträglichen Technologien und Produktionsprozessen interessiert. Betriebswirtschaftlich sind diese aber nur zu rechtfertigen, wenn die eingesparten Kosten über den Kosten der Investitionen liegen.
  • Mittelstandsgerechte Rahmenbedingungen im Wasserstoffbereich schaffen
    Die Anwendung von Wasserstofftechnologie ist in den Bereichen Mobilität, Energie und Produktionsverfahren zeitnah zu erproben und umzusetzen. Dabei ist sowohl auf Anwender-, als auch auf Service- wie Produktionsseite auf eine mittelstandsgerechte Ausgestaltung und Skalierung zu achten, damit das Handwerk vollumfänglich seine Kompetenzen einbringen und zu einer erfolgreichen und breiten Anwendung dieser Innovation beitragen kann.
  • Wissenstransfer durch Handwerkskammern und Verbände stärken
    Die Bildungseinrichtungen der Handwerkskammern und Fachverbände sind Zentren für die Weitergabe und Fortentwicklung von praktischem und theoretischem Wissen im Handwerk – damit sind sie zentrale Akteure bei der Förderung der Nachhaltigkeit. Sowohl Aus- als auch Fortbildungsleistungen dieser Einrichtungen müssen weiterhin von der Umsatzsteuer befreit sein. Darauf ist bei der Umsetzung der europäischen Vorschriften zu achten.
  • Betriebsberatung im Handwerk dauerhaft sichern und ausbauen
    Betriebsberater im Handwerk stehen den kleinbetrieblich strukturierten Handwerksbetrieben zur Seite und unterstützen diese beispielsweise bei der digitalen Transformation ihrer Geschäftsprozesse, der Suche nach Auszubildenden und Fachkräften oder bei der Anpassung an technologische Veränderungen. Für den nachhaltigen Fortbestand vieler Betriebe ist diese Beratung essenziell: Denn vielfach fehlen dort die notwendigen unternehmerischen Spielräume, um langfristige Strategien entwickeln, finanzieren und realisieren zu können. Durch eine anteilige Finanzierung durch Handwerk, Bund und Länder muss auch für die Zukunft gesichert werden, dass dieses nachhaltige Beratungsnetzwerk seine wohlfahrtssteigernde Arbeit fortsetzen kann.
  • Ressourcenschonung durch faire Datenökonomie
    Die Digitalisierung eröffnet auch Handwerksunternehmen große Innovationspotenziale – etwa zur nachhaltigen Ausrichtung ihrer Geschäftsmodelle. Dienstleistungen wie beispielsweise die vorausschauende und Fern-Wartung "smarter" Produkte (Kraftfahrzeuge, Anlagentechnik in Gebäuden und Produktion) über das Internet der Dinge können auch zur Minderung des Ressourceneinsatzes beitragen. Unabdingbar für Handwerksunternehmen ist hierbei jedoch ein diskriminierungsfreier Zugang zu den für solche Geschäftsmodelle relevanten Daten. Dies ist auf Grund eigener Marktinteressen industrieller Hersteller solcher "smarter" Geräte nur sehr begrenzt der Fall. Notwendig für eine mittelstandsgerecht faire Datenökonomie sind wettbewerbs- rechtliche Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene ebenso wie die Vorgabe offener und standardisierter Daten-Schnittstellen im Rahmen des EU-Binnenmarktrechts.

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