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Nachfolge: Zeitaufwand wird meist unterschätzt

Bei der Betriebsübergabe haben die meisten Inhaber unrealistische Vorstellungen. Das belegt eine aktuelle Studie. Die wenigsten Chefs nehmen sich demnach genügend Zeit für die Planung und Durchführung. Hier die Ergebnisse im Überblick.

Der Oldenburger Unternehmensvermittler Axanta sowie das Magazin „Markt und Mittelstand“ haben jüngst eine gemeinsam durchgeführte Studie zur Nachfolgeproblematik kleiner und mittelgroßer Unternehmen vorgestellt. Darin wurden über 2.500 mittelständische Unternehmer in Deutschland ohne familieninterne Nachfolgemöglichkeit angeschrieben, darunter auch viele Handwerksbetriebe.

Die zentralen Ergebnisse: Die Planung der Unternehmensnachfolge wird kurzfristig begonnen, der Zeitaufwand für den Verkauf unterschätzt und der Firmenwert oft nicht fundiert ermittelt.

Verkauf ohne Vorlauf

Fünf Jahre sollte man sich schon Zeit nehmen, eine Betriebsübergabe vorzubereiten, so der gängige Ratschlag. Immerhin sind viele wichtige Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken. Doch nur 6,4 Prozent der Befragten Unternehmer machen sich schon in diesem Zeitkorridor ernsthafte Gedanken an die Übergabe des Betriebs. Über 60 Prozent der Befragten wollen ohne langfristige Vorbereitung innerhalb von 12 Monaten mit dem Verkauf beginnen.

Unrealistische Vorstellung vom Verkaufsprozess  

Auch der eigentliche Verkaufsprozess wird von vielen sehr sportlich angegangen: 36,4 Prozent der befragten Unternehmen plant hierfür nur drei bis sechs Monate ein. „Die Erwartungen, wie schnell der Verkauf realisiert werden kann, sind erheblich zu optimistisch“, kommentiert Axanta-Vorstand Udo Goetz dieses Ergebnis. Viele Betroffenen würden den zeitlichen Aufwand zur Zusammenstellung aussagekräftiger Zahlen, die Dauer der Vertragsverhandlungen unterschätzen und von unrealistisch schnellen Prüfungszeiten, Genehmigungsabläufen und Finanzierungszusagen für die Käufer ausgehen.

Aufbau zweiter Führungsebene kostet ebenfalls Zeit

Zu den zeitlichen Verzögerungen im Verkaufsprozess kann auch der Aufbau eines nicht nur fachlich, sondern auch kaufmännisch vollwertigen Vertreters bzw. einer Vertreterin führen. Viele Kaufinteressenten fordern diese zweite Führungsebene ein, die jedoch nur bei etwas über 24,5 Prozent den befragten Unternehmern vorhanden ist.

Was Unternehmern bei der Übergabe wichtig ist

Noch vor dem erzielten Verkaufspreis achten Unternehmer bei der Betriebsübergabe laut Studie auf folgende Punkte:

  1. Das Weiterbestehen der Firma
  2. Die Fortführung der Kundenbetreuung in gleicher Qualität
  3. Die Übernahme aller Mitarbeiter

Den Verkaufspreis, der in Rangliste erst an Platz vier auftaucht, will die Mehrheit der Befragten aufgrund von Marktvergleichen und dem persönlichen Finanzbedarf festlegen - „obwohl bekannt ist, dass viele Unternehmensverkäufe oftmals an unterschiedlichen Preisvorstellungen der Vertragspartner scheitern“, wie Dr. Tobias Anslinger, Projektleiter der Studie und Redakteur von „Markt und Mittelstand“ betont. Immerhin wollen 23,6 Prozent der Unternehmer den Verkaufspreis aufgrund eines fundierten Wertgutachtens ermitteln, 24,5 Prozent wollen ihren Steuerberater einen Vorschlag machen lassen.

An der Studie beteiligten sich 110 Unternehmer des deutschen Mittelstandes. Dabei lag der Fokus auf kleinen und mittelgroßen Unternehmen: 87,3 Prozent der teilgenommenen Betriebe haben ihren Jahresumsatz mit unter 3 Millionen Euro und die Zahl ihrer Mitarbeiter mit bis zu 30 angegeben. Die Unternehmen stammten zu 40 Prozent aus dem Bereich Dienstleistungen, zu 25,4 Prozent aus dem Handwerk und zu je 17,3 Prozent aus dem Handel sowie Herstellung/Produktion. Die Grundgesamtheit bildete ein Verteiler aus etwa 2.500 mittelständischen Unternehmen mit dem Wunsch zur Nachfolgesuche. Kontaktiert wurden die Unternehmen über eine Online-Befragung zwischen November und Dezember 2013.

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