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Mobile Filteranlagen Nachhaltiges Konzept: Eine Muschel für Fassaden

Malermeister Peter Fuchs hat eine mobile Filteranlage für die Fassadenreinigung entwickelt. Ein nachhaltiges Konzept, das der 65-jährige Unternehmer jetzt vermarktet.

Topic channels: TS Nachhaltigkeit, TS Zukunftsperspektiven im Handwerk und TS Geschäftsideen

Sauberes Wasser ist ein hohes Gut – und die Gefährdungen für das Lebensmittel Nummer eins sind vielfältig. So kann unter anderem die Reinigung einer Gebäudefassade das Grundwasser erheblich beeinträchtigen. Ein Problem, das Peter Fuchs kennt. Der umtriebige Malermeister hat deshalb eine mobile Filteranlage entwickelt. Das Ziel: sauberes und wiederverwendbares Wasser.

Die Ausgangslage

Vor jeder Erneuerung einer Fassade sollte diese gereinigt werden: Man spült dann die Schadstoff-Ablagerungen aus der Luft, aber auch Farbreste, Schwermetalle und ähnliche Substanzen ab. Natürlich darf das belastete Wasser dabei nicht im Erd­boden ­versickern, sondern muss aufgefangen werden, um es nach ent­sprechenden Analysen mit Genehmigung der Behörden in die Kanalisation einleiten zu können. Bei Zuwiderhandlungen drohen den Unternehmen nicht nur Strafzahlungen, sondern auch hohe Kosten für eine Beseitigung der entstandenen Umweltschäden. Auch Peter Fuchs weiß von solchen Fällen, die mittelständische Betriebe an den Rand des Ruins bringen können.

„Diese Regelungen gelten schon viele Jahre, aber trotzdem hat es am Markt keine Anlage gegeben, die für Handwerker praktikabel eine Sammlung und Klärung des Reinigungswassers garantiert hätte“, beschreibt Fuchs den Ausgangspunkt seiner Überlegungen und Tests. 2016 startete er mit dem Projekt, mit der Patenterteilung im Juni dieses Jahres erreichte er dann ein wichtiges Etappenziel. Seitdem konzentriert sich der Unternehmer aus Neunkirchen-Seelscheid, südöstlich von Köln, zusammen mit seinen Beratern darauf, die „Die Muschel Recyclean“ serienmäßig zu bauen und zu verkaufen.

Wenn man den 65-Jährigen nach Anwendungsmöglichkeiten und damit letztlich nach Marktchancen fragt, muss er nicht lange nachdenken: Von der Reinigung größerer Solaranlagen über die Industrie und die Klärung von Deponie­abwässern bis zur Behandlung von kontaminiertem Löschwasser nach Feuerwehreinsätzen sieht er eine große Bandbreite. Die jetzt vorhandene „Muschel“ müsste man dann in ihrer Größe und ihren Filtermöglichkeiten eben entsprechend anpassen. Identisch wäre der dreifache Umweltnutzen: Der Wasserverbrauch sinkt, es fällt kein stark belastetes Abwasser an, das geklärt werden muss, und eine Beeinträchtigung des Erdreichs oder gar des Grundwassers wird vermieden.

Der Prototyp

Für den ersten Prototypen der Anlage griff Fuchs auf erprobte Bauteile zurück: einen Lebensmitteltransportschrank auf Rollen, eine Pumpe und mehrere Filter sowie für das eigentliche Reinigungsgerät, einen Industriesauger, auf den er ­einen Kopf mit rotierenden Bürsten ­montierte, und einen Hochdruckreiniger. Die Gesamtkosten: überschaubare 1.500 Euro. Vom Sauger gelangt das Prozesswasser über einen Schlauch zunächst auf Filtermatten für die gröberen Schmutzteile und wird dann durch drei Filtergehäuse gepumpt, wobei das letzte einen Aktivkohlefilter enthält, der Schwer­metalle und andere Giftstoffe ausfiltert. Was das Filtergerät verlässt, hat – so bestätigte es ein unabhängiges Fachlabor – nahezu Trinkwasserqualität und kann unbedenklich Richtung Kanalisation fließen. Oder – was noch nachhaltiger ist – im Kreislauf zur weiteren Fassadenreinigung verwendet werden.

Der Initiator

Peter Fuchs trieb seine Entwicklung nahezu im Alleingang und ohne öffentliche Förderung voran. Unterstützung holte er sich „nur“ von Bekannten, die ihm auf verschiedenen Fachgebieten wertvolle Tipps gaben. Inzwischen hat er die „Muschel“ mit Erfolg an mehr als 30 Fassaden eingesetzt. 2016 erhielt er einen Gebrauchsmusterschutz und beantragte die Patenterteilung für Deutschland und Europa.

Und die Anerkennung für den ökologischen Wert der Anlage ließ nicht lange auf sich warten: 2018 erhielt Fuchs den Dr. Murjahn-Förderpreis für Innovation im Maler- und Lackierer-Handwerk, im November 2019 einen Sonderpreis im Rahmen des Effizienz-Preises NRW – und er war 2019 auch für den Deutschen Umweltpreis nominiert, die höchstdotierte Umweltauszeichnung in Europa. Dies sei „ein großer Erfolg“, zu dem er dem Neunkirchener gratuliere, schrieb ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, ein Berufs- und Kammerkollege von Fuchs.

Mit diesem „Rückenwind“ will sich der Malermeister nun auf die Weiterentwicklung und die Vermarktung konzen­trieren, zumal er seinen Betrieb nach fast vier Jahrzehnten gerne an einen Nachfolger abgeben möchte. Aufträge für die aktuell drei Mitarbeiter bei den branchenüblichen Arbeiten innen und außen, für Wärmedämmungen und Fassadenbeschichtungen gebe es in der Region nach wie vor.

Tipps für Tüftler Ansprechpartner, Fördermittel & Co.

Viele Handwerker sind exquisite Tüftler – im eigenen Metier, durchaus aber auch darüber hinaus. Wer Ideen hat, um Geräte oder Verfahren zu verbessern, kann auf vielfältige Unterstützungen zurückgreifen. Dabei geht es sowohl um fachliche oder technische Hilfen als auch um Geld.

  1. Die Beauftragten für Technologie und Innovation (BIT) bei den Handwerkskammern, bei vielen Fachverbänden, einigen Kreishandwerkerschaften und bei anderen handwerklichen Institutionen sollten Ansprechpartner Nummer eins sein. Sie können eine erste Einschätzung über die Neuartigkeit und die Marktchancen der Entwicklung geben. Daneben vermitteln sie Kontakte zu Hochschulen und ähnlichen Einrichtungen, die den Weg von der Idee zum Produkt mit ihrem Wissen, zum Beispiel aber auch mit ihren Laboren erleichtern können.
  2. Die BIT kennen sich zudem mit den aktuellen Förderprogrammen aus. Und sie können Hinweise auf Wettbewerbe für innovative Handwerker geben. Zu nennen wäre da vor allem der „Transferpreis Handwerk + Wissenschaft“, auch bekannt als Seifriz-Preis für Technologietransfer. handwerk magazin ist traditionell Partner dieses Wettbewerbs. Eine derartige Auszeichnung ist oft mit einer Prämie verbunden, sie bringt jedoch zudem Publicity und erhöht die Marktchancen.
  3. Am fehlenden Geld sollte keine Neuentwicklung scheitern. Der Staat unterstützt daher die Tüftler aus dem Mittelstand. Vom Bund gibt es beispielsweise das Programm „Wipano“ zum Wissens- und Technologietransfer durch Patente und Normen. Gefördert werden insbesondere der Schutz einer Idee und ihre wirtschaftliche Verwertung. Das Programm „ZIM“ erscheint dagegen eher für größere Firmen und für teure Entwicklungen geeignet. Daneben kann man Innovationsgutscheine oder -darlehen beantragen und sich sogenannte Innovationsassistenten fördern lassen. Über die Details all dieser Programme (auch von den Ländern) muss man sich frühzeitig und im Einzelnen informieren.
  4. Gute Ideen werden einem mitunter recht schnell von der Konkurrenz weggeschnappt. Deswegen gilt es zu überlegen, ob man für sie einen Schutz als geistiges Eigentum bekommen kann und ob man dies erstreben soll. Zu denken ist etwa an ein Patent oder einen Gebrauchs- beziehungsweise Geschmacksmusterschutz. Auch hier liegt der Teufel im Detail: Welche Art des Schutzes ist angemessen, notwendig und sinnvoll? Reicht ein Patent in Deutschland oder muss es darüber hinaus beantragt werden? Welchen Umfang sollte der Schutz haben (Teile der Entwicklung oder Gesamtidee)? Hier empfiehlt es sich ebenfalls, Experten hinzuzuziehen.

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