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Ford Transit Custom Plug-in-Hybrid im Test "Mulatz fährt": Ein Transporter für Technik-Begeisterte

Bei einer Testfahrt mit dem neuen Ford Transit Custom als Plug-in-Hybrid merkt handwerk-magazin-Redakteur Reinhold Mulatz schnell, dass die neue Technik ein anderes Autofahren verlangt, wenn man umweltfreundlich unterwegs sein will.

Topic channels: TS Elektromobilität und TS Mulatz fährt

Etwas Verwirrung herrscht immer, wenn man bei einem Elektrofahrzeug den Zündschlüssel umdreht. Läuft er schon? Ein kurzes Antippen des Gaspedals zeigt: er läuft. So auch bei der ersten Testfahrt mit dem Ford Transit Custom als Plug-in-Hybrid, bei Ford auch als PHEV (plug-in hybrid electric vehicle) bezeichnet.

Die Vorderräder des Transit Custom mit Plug-In-Hybrid-Antrieb werden ausschließlich von einem Elektromotor angetrieben, der von einem 13,6 kWh-Lithium-Ionen-Akku gespeist wird. Als sogenannter „Range Extender“ lädt ein 1,0-Liter-EcoBoost-Benzinmotor – je nach gewähltem Fahrmodus – den Akku während der Fahrt wieder auf und vergrößert die Reichweite des Fahrzeugs auf rund 500 Kilometer.

Über 50 Kilometer Reichweite

Und wie funktioniert das in der Praxis? Wir starten mit einem Transit Custom Plug-in-Hybrid von Ismaning im Norden Münchens in die Innenstadt. Der Wagen läuft nahezu lautlos, beschleunigt dynamisch und fährt sich sehr angenehm. Nach rund 25 Kilometern, schon auf dem Rückweg aus der City wieder zum Startpunkt, zeigt die Anzeige, dass die Batterien bald leer sind. Allerdings waren die Akkus beim Start auch nicht vollgeladen. Ford sagt eine E-Reichweite von über 50 Kilometern zu. Im Armaturenträger findet sich dazu eine spezielle Leistungs-/Ladeanzeige sowie eine Anzeige für den Ladezustand des Akkus. Das zentrale Display informiert über den aktivierten Elektroantrieb, einen Ladevorgang an einer Ladestation/Steckdose oder auch über einen eventuellen Servicebedarf. Hinzu kommen Reichweiten-Informationen für den Akkubetrieb sowie für den Range Extender.

Der Benzinmotor, der als Range Extender fungiert, schaltet sich automatisch und deutlich hörbar zu. Er hat zwar keine mechanische Verbindung zu den Antriebsrädern, man hat als Fahrer aber das Gefühl, man bewegt das Fahrzeug über den Benzinmotor. Das liegt auch daran, dass der Motor deutlich hochdreht, wenn man das Gaspedal durchdrückt.

Unterschiedliche Fahrprogramme

Natürlich hat man als Fahrer verschiedene Möglichkeiten, battterieschonend zu fahren und damit die Reichweite im Elektromodus zu erhöhen. Beim Transit Custom gibt es dafür vier unterschiedliche Fahrprogramme, die per Knopfdruck gewählt werden können:

  •   „EV Auto“ (Standardmodus) wechselt je nach Fahrsituation (z.B. Autobahn oder Stadtverkehr) automatisch zwischen rein elektrischem Fahren und der Nutzung des Benzinmotors. So soll stets die optimale Leistungs- und Effizienzausbeute erzielt werden.
  • „EV Now“ priorisiert das Fahren im elektrischen Modus und deaktiviert den Benzinmotor/Range Extender, bis der Akku-Ladezustand nicht mehr für ein Elektrofahren ausreicht.
  • „EV Later“ priorisiert das Fahren mit aktiviertem Range Extender und nutzt das regenerative Laden, um den Ladezustand des Akkus möglichst hoch zu halten.
  • „EV Charge“ nutzt den Benzinmotor/Range Extender, um den Akku bis rund 75 Prozent aufzuladen, damit weitere Fahrten im rein elektrischen „EV Now“-Modus möglich sind.
 

Außerdem kann der Fahrer kann auch den Grad der Energierückgewinnung und damit der Bremsunterstützung des regenerativen Ladesystems beeinflussen. Hierzu wechselt man am Schalthebel zwischen dem „Drive“- und dem „Low“-Modus. Im „Low“-Programm rekuperiert das System stärker, sobald der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt. Das bringt eine größere Reichweite im elektrischen Fahrbetrieb.

In 2,7 Stunden geladen

Über eine Anschlussmöglichkeit im vorderen Stoßfänger kann der Akku des Custom PHEV an einer konventionellen Haushalts-Steckdose mit 230 Volt Spannung und 10 Ampere Stromstärke innerhalb von 4,3 Stunden vollständig aufgeladen werden. Bei einer 230-Volt-Verbindung mit einer Stromstärke von 16 oder 32 Ampere verringert sich diese Zeitspanne auf 2,7 Stunden. 

Die Akkus sind unterhalb des Fahrzeugbodens positioniert. Das Laderaum-Volumen bleibt so mit sechs Kubikmetern genauso groß wie bei den Versionen mit konventionellem Antrieb. Die Netto-Nutzlast liegt bei 1.100 Kilogramm. Ford gibt auf die Batterie eine Garantie von acht Jahren/160.000 Kilometern.

Ford bietet den Transit Custom Plug-in-Hybrid in zwei Karosserie-Varianten an: Als Kastenwagen zum Preis ab 47.995 Euro netto. Und als Kombi-Pkw zum Preis ab 52.805 Euro netto. Beide Karosserie-Varianten sind ab Werk mit einem Geschwindigkeitsbegrenzer (120 km/h) ausgestattet. Beide Modelle sind nach Euro 6.2 (Euro 6d-TEMP-EVAP-lSC) eingestuft.

Durchaus handwerkstauglich

Fazit: Man muss zurzeit als Autofahrer dazulernen. Die doppelte Technik des Ford Custom als Plug-in-Hybrid mit Elektro- und Benzinmotor ist aufwendig, den optimalen Modus zu finden, ist nicht ganz einfach und erfordert Übung. Für den Einsatz im Handwerk eignet sich das Fahrzeug, wenn häufig Fahrten in Innenstädte anfallen. Die Reichweite dürfte in der Regel ausreichend sein.

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