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Mobile Payment Mobile Bezahlsysteme – was die Banken Handwerkern anbieten

Das mobile Bezahlen per Smartphone oder QR-Code ist ein Trend, der gerade erst beginnt. Erst rund 36 Prozent der Smartphone-Besitzer haben diesen Service bereits einmal genutzt, so der Digitalverband Bitcom. Wie Handwerker den Service nutzen können.

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Den Gottesdienst besuchen und verzweifelt nach Kleingeld kramen, wenn der Klingelbeutel umgeht, ist Vergangenheit für Besucher der Duisburger Salvatorkirche und der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Sie können jetzt auch bargeldlos spenden und benötigen dafür lediglich ihre EC- oder Kreditkarte, deren Daten sie bei Einrichtung der App hinterlegen. Den Klingelbeutel ersetzt ein Gerät, das die Bank für Kirche und Diakonie anbietet und neben der klassischen Klingelbeutelform auch über ein Display verfügt. Spendenwillige Kirchenbesucher können zwischen sechs vorgegebenen Summen von 0,75 Euro bis 25 Euro spenden. Sie halten einfach ihr Smartphone ans Display und entscheiden dann über den Betrag, den sie geben wollen. Eine Pin-Eingabe ist dafür nicht notwendig. Solange sich die Technik der Kirchenbank in der Testphase befindet, ist das Gerät für die nutzenden Kirchen kostenlos. Künftig soll es einmalig 1.000 Euro kosten.

Der Anfang eines Trends

Das mobile Bezahlen per Handy oder QR-Code ist ein Trend, der gerade erst beginnt. Wie der Digitalverband Bitkom herausgefunden hat, nutzen bisher lediglich 18 Prozent ‚häufig oder manchmal‘ das Smartphone, um damit kontaktlos über die sogenannte NFC-Schnittstelle (Nahfunkkommunikation) zu bezahlen. Acht Prozent der Befragten tun dies selten. ‚Häufig oder manchmal‘ einen QR-Code zu benutzen und die entsprechende App zum Begleichen von Rechnungen zu nutzen, gaben ebenfalls 18 Prozent der Befragten an. Vier Prozent nutzen diese Bezahlalternative selten.

Das sind noch keine großen Zahlen, die den Erfolg der mobilen Bezahlsysteme belegen würden. Doch seit Apple Pay Ende des vergangenen Jahres an den Start gegangen ist, bekommt der Markt für Mobile Payment neuen Schwung. „iPhone-Nutzer scheinen offener für diese Technologie zu sein als der Durchschnitt der Bevölkerung und fragen diese Zahlungsweise vermehrt nach“, so Stimmen auf dem Branchentreff Payment Exchange (PEX) in Berlin Ende Januar. Aber. Nur rund 20 Prozent der Smartphone-Nutzer haben ein iPhone, 80 Prozent nutzen ein Android-Gerät.

NFC ist der Engpass

Mobile Payment ist eigentlich ein Sammelbegriff. Er deckt das Bezahlen an mobilen Kartenterminals, das Online-Bezahlen bei einem E-Commerce-Einkauf und das Bezahlen mithilfe von Apps ab. Diese Apps funktionieren auf Smartphones, Tablets, Smartwatch oder Fitnesstrackern. Die Datenübertragung erfolgt meist per Nahfunkkommunikation NFC. Das Problem: NFC gehört Apple und der US-Konzern erlaubt Android-Smartphones nicht, über seine Schnittstelle zu agieren. Wer also ein Applegerät hat, kann fast überall mobil bezahlen, denn die meisten Supermarktkassen verfügen über die NFC-Technik. Alternativ kann per QR-/Strich-Code bezahlt werden. Das hat den Vorteil, dass die Kunden für den Zahlvorgang kein NFC-fähiges Smartphone benötigen.

Da das mobile Bezahlen tief eingreift in die Software der Banken, hat nicht nur die Kirchenbank sondern haben auch einige andere Institute ihre eigene App entwickelt. Sie vertrauen fremden Systemanbietern nicht und sichern auf diesem Weg die Daten ihrer Kunden – und sich selbst eine Einnahmequelle. Gleichzeitig beschränken sie sich aber auch, da nicht alle Karten (Giro- oder Kreditkarte) hinterlegt werden können. Andere Banken schließen Kooperationen mit Apple Pay oder Google Pay, damit ihre Kunden per Smartphone bezahlen können.

Was das Handwerk von dieser Bezahlmethode hat? Der Kassiervorgang geht schnell, ist hygienisch und kostengünstiger als Bargeld.

Übersicht über die Angebote der Banken

Banken mit eigener App

Deutsche Bank: Kunden benötigen ein Konto und eine Mastercard der Deutschen Bank. Kunden mit einem privaten Deutsche Bank Konto können die Deutsche Bank Card Virtual direkt in der Deutsche Bank Mobile App beantragen und damit Apple-Pay-Transaktionen direkt vom Konto abbuchen lassen. IPhone-Besitzer können zudem Apple Pay über die Apple Wallet aktivieren.

Wer ein Android-Smartphone hat, kann die Eigenlösung (App) der Bank nutzen: Die DeutscheBankMastercard des Kunden wird automatisch in der App angezeigt. In zwei Schritten kann er die Bezahlfunktion freischalten und sofort verwenden. „Kunden, die ein Android-Smartphone ab Version 4.4 nutzen, können damit weltweit an allen kontaktlos Mastercard-Akzeptanzstellen bargeldlos bezahlen. Handwerker, die alle gängigen Zahlverfahren akzeptieren möchten, benötigen ein NFC-fähiges Kartenlesegerät inkl. eines Mastercard Akzeptanzvertrages für Kartenzahlungen“, sagt Heinrich Frömsdorf von der Deutschen Bank.  

Sparkassen: Sie bieten ihren Kunden mit "Mobiles Bezahlen" eine eigene App für Android-Smartphones, die im Google Play-Store heruntergeladen werden kann. Bei ihr kann eine Girocard (ehem. EC-Karte) oder Mastercard hinterlegt werden – Visa-Karten sollen folgen. Zur Zahlung reicht es, den Bildschirm zu aktivieren und das Smartphone an das Terminal zu halten. Wer mehr Sicherheit möchte, kann in den Einstellungen das Entsperren des Smartphones und Öffnen der App als Voraussetzung für die Nutzung einrichten. "Mobiles Bezahlen" funktioniert mit jedem (mobilen) Kartenzahlungsterminal, das NFC-fähig ist und kontaktlose Zahlungen unterstützt.

Volks- und Raiffeisenbanken: Nicht ganz anders als das Angebot der Sparkassen, aber eben doch ein eigenständiges System, ist die App der Volks- und Raiffeisenbanken. Über die VR-BankingApp können digitale Karten wie Girocard, Mastercard und Visa geladen und dann mobil mit dem Smartphone bezahlt werden. Die Freigabe der Datenübertragung vom Smartphone an das Lesegerät erfolgt per Aktivierung des Bildschirms oder Öffnen der App. Nutzbar ist diese mobile Bezahlfunktion für Android-Smartphones. Wer ein iPhone hat, kann die App der Volks- und Raiffeisenbanken nicht zum Bezahlen nutzen. „Apple Pay prüfen wir gerade“, sagt Cornelia Schulz vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V.

Der Handwerker benötigt ein Bezahlterminal, das den internationalen Standard der Near Field Communication (NFC) akzeptiert, damit seine Kunden bei ihm kontaktlos – sei es mit der kontaklosfähigen Plastikkarte oder der digitalen Karte auf dem Smartphone – bezahlen können. Grundsätzlich sind bereits heute alle Bezahlterminals mit der neuen Akzeptanztechnik ausgestattet; das Bezahlterminal ist im Regelfall im Akzeptanzvertrag des Netzbetreibers enthalten.

Banken in Kooperation mit Zahlsystemanbietern 

Andere Banken nutzen die Bezahlsysteme von Google Pay. Dazu gehören die BW-Bank, Comdirect, Commerzbank und N26. Kunden laden sich die Google Pay App herunter, hinterlegen ihre Visa- oder Mastercard-Daten und zahlen künftig per Smartphone. Handwerker benötigen ein NFC-fähiges Lesegerät. Es kostet rund 80 Euro.

Das Finanzdienstleistungsunternehmen Wirecard bietet die App Boon an und kooperiert mit Google Pay. Der Nutzer lädt sich die App auf sein Telefon und richtet einen Account ein. Im Gegenzug erhält er eine digitale Prepaid-Kreditkarte, die er überall einsetzen kann, wo Google Pay als Bezahldienst akzeptiert wird. Aufgeladen wird die Karte per Lastschrift vom Konto oder einer Kreditkarte. Boon kommuniziert mit NFC, QR-Code und Bluetooth Low Energy (BLE) kompatibel. Doch dieser Service kostet: 1,49 Euro zahlen Nutzer nach der dreimonatigen Testphase.

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